Grundlagen: Drehmeissel schleifen - Anfängeranleitung

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stefangtwr
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Grundlagen: Drehmeissel schleifen - Anfängeranleitung

Beitrag von stefangtwr » Di 25. Aug 2015, 20:58

Drehmeissel schleifen? Das ist schwer, brauch ich nicht und will ich nicht lernen, ist ja nur Hobby.

Ich möchte hier möglichst einfach zeigen wie man einen Drehmeissel zum Längs- und Plandrehen schleifen kann.
Ich habe bewusst auf jede Winkelangabe verzichtet, das ist am Anfang komplett uninteressant. Anhand der Bilder kann man sich einen Anhalt holen wie der Schliff aussehen sollte.

Das einzige was man wirklich braucht und normal in fast jedem Haushalt vorhanden ist, ist ein Schleifbock:
laengsdrehmeissel_1.jpg
Egal welche Leistungsklasse, einen Drehmeissel kann man mit ihnen allen Schleifen. Im absoluten Notfall kann man sogar die Bohrmaschine mit einem eingespannten Schleifstein, die Flex oder einen Dremel benutzen.

Die Schleifscheiben sollten nicht zu fein sein, 60er Körnung ist schon das feinste was ich auf einen Schleifbock packen würde, alles andere produziert nur Hitze und schleift langsam.

Und dann braucht man natürlich etwas woraus man den Drehmeissel schleifen kann – HSS (Kurz für Hochleistungsschnellschnittstahl, ein Wärmebeständiger Werkzeugstahl), man bekommt Hss Rohlinge (Allgemein Drehling genannt) in verschiedenen Querschnittsformen (Quadratisch, Rund, Rechteckig, ...), verschiedenen Kantenlängen und Qualitäten. Die meisten unterscheiden sich durch den Cobaltgehalt, der wür die Wärmebeständigkeit relevant ist – Für uns spielt das am Anfang keine besondere Rolle, alle Drehlinge die wir zu kaufen bekommen sind in der Regel von mehr als ausreichender Qualität.
laengsdrehmeissel_2.jpg
Das ganze Prinzip eines Drehmeissels besteht darin, dem Werkstück eine Kante zu präsentieren – Die Flache Seite eines Drehstahls wird niemals schneiden:
laengsdrehmeissel_3.jpg
laengsdrehmeissel_4.jpg
Bietet man eine Kante, kann der Drehmeissel in das Material eingreifen und einen Span abheben.
Also schleifen wir zuerst einmal die seitliche Fläche so, dass sie nur noch an einer Kante am Werkstück anliegt (Seitlicher Freiwinkel).

Dabei hällt man den Drehling gegen die Schleifscheibe, kippt ihn nach hinten und schleift solange bis die Fläche komplett zurückgesetzt ist. Dabei kann man den Meissel leicht seitlich hin und herbewegen, dadurch schneidet die Schleifscheibe besser frei.
laengsdrehmeissel_5.jpg
Wenn sich der Drehling verfärbt sollte man sich darüber keine zu großen Sorgen machen, HSS macht das nichts aus. Natürlich muss man darauf achten sich nicht die Finger zu verbrennen, den Drehling kann man dabei regelmäßig in Wasser abkühlen.

Wenn man jetzt stirnseitig auf den Drehmeissel schaut, sieht man dass nur noch die Kante (Schneidkante!) mit dem Werkstück in Kontakt steht, der Rest ist frei.
laengsdrehmeissel_6.jpg
Den gleichen Vorgang wiederholen wir an der vorderseite des Drehmeissels, mit dem kleinen Unterschied dass wir dieses mal in zwei Richtungen einen Winkel anschleifen:
laengsdrehmeissel_7.jpg

Warum wir das wollen wird klar, wenn wir den Drehmeissel auf der Drehbank einspannen – Durch den Freischliff nach Rechts können wir den Drehmeissel schräg einspannen und so gegen eine Schulter drehen.
laengsdrehmeissel_8.jpg
Und zum beweiss, schon dieser extrem einfache Drehmeissel nimmt einen Span:
laengsdrehmeissel_9.jpg
Bei unserem Meissel trift der Span allerdings senkrecht auf die Oberseite des Drehmeissels wenn er abgeschält wird – Das funktioniert für manche Materialien recht gut (Messing, Grauguss), bei weicheren, weniger spröden Materialien ist das nicht ideal, hier möchte man dem Span eine "Rampe" bieten über die er ablaufen kann, also schleifen wir die obere Fläche des Drehmeissels so, dass sie nach Rechts abfällt:
laengsdrehmeissel_10.jpg
(Wenn man etwas mehr Übung hat kann man die Fläche auch noch nach hinten abfallen lassen, das bringt die Späne besser unter Kontrolle.

Aber unser Drehmeissel nimmt jetzt schon einen deutlich schöneren Span ab:
laengsdrehmeissel_11.jpg
Wir haben damit einen Drehmeissel der recht grob geschliffen ist, aber alle wichtigen Grundeigenschaften hat.
Jetzt können wir ihn etwas verfeinern, dazu nehmen wir einen Abziehstein/Ölstein/Schleifstein/Wetzstein und ziehen alle der Flächen ab die wir zuvor geschliffen haben:
laengsdrehmeissel_12.jpg
Da wir am Umfang der Schleifscheibe geschliffen haben sind alle diese Flächen hohl und beim Abziehen werden wir anfangs nur die Kanten blank schleifen – Und genau das ist völlig ausreichen!
laengsdrehmeissel_13.jpg
Wir wollen nur die grobe Kante die durch die Schleifscheibe hergestellt wurde verfeinern. Dadurch erreichen wir später beim Drehen eine längere Standzeit, geringere Schnittkräfte und die Oberflächen werden besser.

Will man es jetzt richtig gut machen, kann man die vordere Kante noch verrunden:
laengsdrehmeissel_14.jpg
laengsdrehmeissel_16.jpg
laengsdrehmeissel_17.jpg
Damit kriegen wir einen Drehmeissel der schon eine sehr gute Oberfläche macht und saubere Späne abrollt:
laengsdrehmeissel_15.jpg
Von hier weg kann man sich beliebige Formen und Geometrien schleifen, jetzt kann man sich auch Gedanken über die Winkel machen, vieleicht mal in eine Tabelle mit üblichen Winkeln schauen die man für verschiedene Materialien üblicherweise schleift.
Auch kann man sich mit dem Spanbrecher bzw. Der Spanleitstufe beschäftigen und weiter rumexperimentieren – Drehmeissel schleifen is billig und nicht besonders Zeitintensiv.

Dieser Artikel ist absolut nicht für den Zerspaner oder Experten gedacht, sondern für den Anfänger, der gerade vor seiner Drehbank sitzt und rätselt ob er das mit dem Drehmeisselschleifen selber hinkriegen kann oder ob er lieber Wendeplatten kaufen soll.
Diese Entscheidung nimmt einen keiner ab, aber der Einstiegspreis beim Selbstschliff ist extrem Gering und die Lernkurve ist extrem Steil, man hat innerhalb kürzester Zeit erste Ergebnisse die Mut auf mehr machen.

Diesen Beitrag lasse ich schließen und einen extra Diskussionsthread dazu erstellen:
http://forum.zerspanungsbude.net/viewto ... 37&t=17943

gruß
Stefan

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