Bau der Stuart James Coombes Dampfmaschine

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Technikfreak L
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Bau der Stuart James Coombes Dampfmaschine

Beitrag von Technikfreak L » Sa 18. Jun 2016, 21:53

Hallo,

Ich melde mich mit einem neuen Projekt zurück. Es soll die Dampfmaschine "James Coombes" aus dem Hause Stuart werden.
Sie gehört zum Typ Table-Engine: Ein vertikaler Zylinder steht auf einem Tisch, die Kolbenstange ist oben heraus geführt. Die Gabeln des Pleuels sind seitlich am Zylinder herunter geführt und verbinden sich unter dem Tisch, wo sie an die Kurbelwelle angreifen.
Stuart James Coombes.png
Mein Gussteilesatz scheint schon etwas älter zu sein, (die Zeichnungen weisen auf Änderungen aus dem Jahre 1993 hin und ein paar der Messingteile haben etwas Grünspan angesetzt).
P1080916.JPG
Die Gussteile machen soweit einen guten Eindruck, bis auf den Zylinder. Er ist von außen glatt abgegossen, jedoch sind die Schieberkanäle sehr ungenau.
Ich hoffe, das Material ist an den dünnen Stellen nicht gehärtet und lässt sich etwas nacharbeiten.
P1080921.JPG
Da die Schieberkanäle bereits bis in die Zylinderbohrung eingegossen sind, waren sie noch voll Sand, den ich so gut es ging mit Druckluft und einem Stück Draht herausstochern konnte.
Gibt es noch weitere Möglichkeiten den Formsand aus den Kanälen zu entfernen?

Soweit der Stand. Hoffentlich finde ich bald etwas Zeit, mit dem Bau zu beginnen und hier zu berichten.
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Re: Bau der Stuart James Coombes Dampfmaschine

Beitrag von Beobachter » So 19. Jun 2016, 07:52

Na, das geht ja bei Dir Schlag auf Schlag!

Gehärtet ist das Material nicht, das ist ja Grauguß.
Gruß!
Heinrich

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Brötchenbacke
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Re: Bau der Stuart James Coombes Dampfmaschine

Beitrag von Brötchenbacke » So 19. Jun 2016, 08:04

Eine schöne Maschine hast du ausgesucht.

Formsand wird oft herausgerüttelt. Vielleicht helfen leichte Schläge mit einem Schonhammer, die Sandreste zu entfernen.

Viel Erfolg, immer gutes Licht bei den Bilder und eine gute Meldemoral bei den Bauvortschritten wünsche ich dir.
Grüße Chris

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Re: Bau der Stuart James Coombes Dampfmaschine

Beitrag von Technikfreak L » Mo 18. Jul 2016, 22:09

Hallo,

nach ein bisschen Pause habe ich mit dem Sockel begonnen. Ein Grauguss Teil, das von außen einigermaßen sauber gegossen ist. Die eine Schrauböse hat sich jedoch am Rand als stein hart erwiesen.
Beobachter hat geschrieben:Gehärtet ist das Material nicht, das ist ja Grauguß.
Grauguss kann, wie bei diesem Teil, sehr hart werden, wenn es beim Guss zu schnell abgekühlt ist. Besonders gefährdet sind Teile mit dünnen Wandstärken.
Keith Appleton beschrieb in einem seiner Videos dieses Problem:
YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=gXawScCIuYU

Nun aber zur Bearbeitung. Zuerst wurde die Oberseite plan gefeilt, sodass das Teil sauber auf die Aufspannscheibe gespannt werden konnte. Dabei traten die harten Stellen im Guss zu Tage. Weder HSS, noch Hartmetall konnten am Material etwas ausrichten - es half nur der Schleifbock, um die restliche Unterseite noch plandrehen zu können. :|
P1080925.JPG
Nachdem die beiden Bohrungen gesetzt waren, konnte der Sockel an die Aufspannscheibe geschraubt und oben auf die endgültige Höhe geplant werden.
P1090185.JPG
Soweit der Stand, die 4 Bohrungen auf der Oberseite folgen später mit den Säulen und der "Tischplatte".
P1090189.JPG
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Re: Bau der Stuart James Coombes Dampfmaschine

Beitrag von Technikfreak L » Mi 20. Jul 2016, 16:43

Bald sind die vier Säulen an der Reihe.
Sie sollen aus 1/2" Rundstahl hergestellt werden - der Außendurchmesser ist also vorgegeben, da ich gern das mitgelieferte Material verwenden möchte. Ich bin jedoch von der im Bauplan dargestellten Form nicht ganz überzeugt.
Deshalb habe ich ein paar Alternativen aus der Vorlage entwickelt:
Säulen.JPG
Die Säule ganz links ist das Original, genau nach der Zeichnung.
Aber welche von den drei selbst entworfenen passt am besten zum Rest der Dampfmaschine? Sie ist ja eher glatt in der Formgebung, ohne aufwendige Verzierungen.
Da ist mal wieder euer Rast gefragt.
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Re: Bau der Stuart James Coombes Dampfmaschine

Beitrag von eXact Modellbau » Mi 20. Jul 2016, 17:08

Hallo

Ein schönes Gestaltungselement ist z.B.ein Karnies. Also die Kombination von konvexer und konkaver Rundung.
Gruß
Larry

Nehmen und geben! Es ist nicht der Sinn eines Forums, Informationen per PN auszutauschen!

http://www.die-minilok.de/

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Re: Bau der Stuart James Coombes Dampfmaschine

Beitrag von Trutenpugel » Mi 20. Jul 2016, 17:39

Von "schlicht" bis "ergreifend" sind hier viele Beispiele zu finden. Alte Druckerpressen haben zum Beispiel auch alles an Säulen, was man sich wünschen kann.
Grüße von Mario.
Unendlich steigt des Schlossers Kraft, wenn er sich seine Hebel schafft.
Ein Leben ohne Drehmaschine ist möglich- aber sinnlos.

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Re: Bau der Stuart James Coombes Dampfmaschine

Beitrag von FP91 » Mi 20. Jul 2016, 17:42

Technikfreak L hat geschrieben:Bald sind die vier Säulen an der Reihe.
Sie sollen aus 1/2" Rundstahl hergestellt werden - der Außendurchmesser ist also vorgegeben, da ich gern das mitgelieferte Material verwenden möchte. Ich bin jedoch von der im Bauplan dargestellten Form nicht ganz überzeugt.
Deshalb habe ich ein paar Alternativen aus der Vorlage entwickelt:
Säulen.JPG
Die Säule ganz links ist das Original, genau nach der Zeichnung.
Aber welche von den drei selbst entworfenen passt am besten zum Rest der Dampfmaschine? Sie ist ja eher glatt in der Formgebung, ohne aufwendige Verzierungen.
Da ist mal wieder euer Rast gefragt.
Hi Technikfreak,

orientiere dich am besten an den griechischen/römischen Ordnungen. Das heißt dorisch, ionisch, toskanisch und korinthisch. Das sind die üblicherweise in der Architektur verwendeten Säulenformen. Tasächlich wurden eigentlich bis ins 20. Jh. fast alle Säulen nach diesen Ordnungen geschaffen - vieles andere sieht einfach "komisch" aus, da ungewohnt. Gerade die verspielten Säulen des Industriezeitalter sind da manchmal too much.

LG Flo

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Re: Bau der Stuart James Coombes Dampfmaschine

Beitrag von Technikfreak L » So 24. Jul 2016, 22:18

Danke für eure Tipps,

Die letzten Tage habe ich die Säulen und die beiden Platten (der Boden auf dem Sockel und die Tischplatte) bearbeitet.
Bei den Säulen bin ich letztendlich nur wenig von der Zeichnung abgewichen. Ich habe mich einige Zeit mit alternativen Gestaltungen beschäftigt, allerdings lässt das insgesamt eher schlichte Erscheinungsbild der James Coombes keine aufwendig verzierten Säulen zu.

Die Bearbeitung der Kontur war unkompliziert, jedoch müssen alle 4 Exemplare in genau der gleichen Höhe gefertigt werden.
Zuerst hat das untere Ende sein Gewinde und eine Zentrierbohrung erhalten.
P1090206.JPG
Nachdem die Stange aus dem Futter vor gezogen und die Spitze angesetzt war, wurde die Kontur zuerst vorgeschruppt und mit einem gerundeten Einstechstahl vollendet. (ich denke nicht, dass man hier schon von einem Formstahl sprechen kann.)
P1090207.JPG
P1090209.JPG
Die Säule wurde anschließend gewendet und hat am oberen Ende das zweite Gewinde erhalten. Ich bin hier jedoch von 2BA auf M5 abgewichen.
Die Länge zwischen "Kopf" und "Fuß" wurde jedoch noch mit etwas Übermaß belassen. Erst nachdem alle 4 Säulen soweit fertig waren, wurden alle auf die selbe Höhe gebracht.
P1090213.JPG
Fertig.
P1090221.JPG
Hoffentlich werde ich jetzt nicht gesteinigt... :steinigung:

Nun die Platten.
Da sie bereits die korrekten Außenmaße hatten, brauchten diese nur noch entgratet verschliffen werden.
Mit den 4 Bohrungen wurden sie auf den Vertikalsupport geschraubt um bei der Bodenplatte die Aussparung für die Kurbel und bei der Tischplatte die Aussparungen für das Pleuel einzufräsen.
P1090192.JPG
P1090193.JPG
Zum Schluss die bisherige Arbeit:
P1090217.JPG
Die 4 Muttern werden noch durch passende, gedrehte ersetzt.
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Re: Bau der Stuart James Coombes Dampfmaschine

Beitrag von Technikfreak L » Mo 25. Jul 2016, 14:30

Anscheinend bleibt die Steinigung aus...

Als nächstes wäre der Zylinder an der Reihe.
Wie bereits im ersten Beitrag angedeutet sind die Schieberschlitze auf der Schieberfläche sehr unpräzise gegossen, insbesondere die Stege zwischen Auslasskanal und den Frischdampfkanälen... :-(
Nachdem ich noch ein paar mal nachgemessen habe, bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass nicht genug Material vorhanden ist, um die Kanäle gerade auf das in der Zeichnung angegebene Maß zu fräsen. Sonst würden in der Mittelstellung des Schiebers beide Frischdampfkanäle mit dem Auslass verbunden sein.
P1090224.JPG
Da das Gussteil ansonsten recht sauber gegossen ist, möchte ich es gern behalten und es mir nur im Notfall von Stuart ersetzten lassen.
Mir fallen jetzt zwei Möglichkeiten eines Rettungsversuches ein:
-Die Kanäle trotzdem gerade fräsen und eine neue Schiebersteuerung mit anderen Maßen konzipieren. Es müssten dann neben dem Zylinder auch am Schieber und Exzenter Änderungen
vorgenommen werden.

-Aus Messing Flachmaterial eine neue Schieberfläche nach Zeichnung herstellen und in eine Tasche in der Schieberfläche einsetzen. Die Gesamte Schieberflache um die dicke der Messing-Prothese
abfräsen wäre auch möglich, dabei würde allerdings ein Teil des Auslass-Flansches am Gussteil verloren gehen.
Dabei ergibt sich auch die Frage, wie groß die Tasche in der Schieberfläche und die eingesetzte Platte sinnvollerweise sein sollten. Ich würde sie etwas größer, als den Ausschnitt im Schieberkasten fräsen (der schwarz skizzierte Rahmen), sodass sie gerade noch nicht die Bohrungen berührt.
P1090223.JPG
Hier bitte wieder einmal um Rat. Macht etwas Sinn, was ich mir erdacht habe, oder habt ihr sinnvollere Maßnahmen?
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