Rostschutzgrundierung - was macht die?

Limbachnet
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Rostschutzgrundierung - was macht die?

Beitrag von Limbachnet » So 29. Dez 2019, 16:28

Hallo zusammen,

ich hab' ja kürzlich mein erstes Stahlrohrgestell zurechtgeschweißt, und das soll nun seiner Verwendung als Werktisch näher gebracht werden. Da gehört IMHO schon ein wenig Farbe drauf und unter die Farbe gehört ja eine Grundierung. Also hab' ich eine Dose lösemittelbasierten Alkydharzlack und dazu passende Rostschutz-Grundierung gekauft und mit der Grundierung losgelegt. Und jetzt, während die trocknen muss, hab' ich mal aufmerksam gelesen, was da so drin ist:

Alkydharz, Titandioxid, anorganische/organische Buntpigmente, Calciumcarbonat, Silikate, Testbenzin, Aliphaten, Glykolether und Additive.

Ja, äh, und was davon hat jetzt irgendwelche Rostschutz-Wirkung? Ich hätte ja Pulver oder vielleicht Salze von irgendwelchen unedlen Metallen erwartet, aber davon steht da nix. Gut, eine möglichst geschlossene Oberfläche, die Kontakt zu Luft und Feuchtigkeit verhindert ist ja auch Korrosionsschutz - aber dafür braucht's ja keine gesonderte Grundierung, da hätte eine zweite Schicht Decklack doch den selben Effekt?

Vielleicht ist unter dem Sammelbegriff "anorganische/organische Buntpigmente" sowas wie Zinksulfid enthalten oder vielleicht soll das Calciumcarbonat (Kalk) die Bildung von winzigen Säurenestern verhindern, vielleicht, vielleicht - aber weiß jemand von Euch, wie das Zeug nun wirklich wirken soll?
Schöne Grüße,
Matthias

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FP91
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Re: Rostschutzgrundierung - was macht die?

Beitrag von FP91 » So 29. Dez 2019, 16:37

Hallo Mathias,

die meisten Grundierungen fungieren primär das Haftgrund und um ausreichende Schichtstärke zu erreichen. Das gilt insgesamt für die meisten Korrosionsschutzbeschichtungen: Leistung durch Schichtstärke. Aktive Metallpigmentierung hat in den meisten heutigen Korrosionsschutzbeschichtungen nur noch "feel good" Charakter: Anders als in Ölfarben gibt es keine Sikkativwirkung, Seifenbildung oder opferanodenfunktion mehr. Dafür ist die elektrische Leitfähigkeit in der Beschichtung durch das Bindemittel zu gering. Die Schichtstärke wird durch Füllstoffe, Eisenglimmer oder silkatische Anteile erreicht.

Hinter den anorganischen Buntpigmenten könnte sich theoretisch eine Metallverbindung verbergen. Aber warum wird die dann anders als das Titandioxid nicht direkt genannt? Kalk/Gips ist nur Füllstoff.

Gruß

Flo

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bot
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Re: Rostschutzgrundierung - was macht die?

Beitrag von bot » So 29. Dez 2019, 16:41

Qualifizierte Antworten würden mich auch interessieren, weil dieser Frage gehe ich schon seit Jahren nach.
Und die Seiten der Lackanbieter sind da auch nicht wirklich erhellend.
Mipa z.B. bietet einen Lack mit Rostschutz an - ohne Grundierung. :nixweiss:
Mein Freund der Baum braucht CO2, drum setz' ich's aus dem Auspuff frei.

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bot
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Re: Rostschutzgrundierung - was macht die?

Beitrag von bot » So 29. Dez 2019, 16:47

FP91 hat geschrieben:
So 29. Dez 2019, 16:37
... die meisten Grundierungen fungieren primär das Haftgrund und um ausreichende Schichtstärke zu erreichen. Das gilt insgesamt für die meisten Korrosionsschutzbeschichtungen: Leistung durch Schichtstärke. ...
Für die ausreichende Schichtstärke würden aber doch 2-20 Lackschichten auch helfen.
Und so ein Bisschen Hafter könnte doch gleich reingerührt werden (was vermutlich Mipa ja auch macht).
Mein Freund der Baum braucht CO2, drum setz' ich's aus dem Auspuff frei.

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FP91
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Re: Rostschutzgrundierung - was macht die?

Beitrag von FP91 » So 29. Dez 2019, 17:11

bot hat geschrieben:
So 29. Dez 2019, 16:47
FP91 hat geschrieben:
So 29. Dez 2019, 16:37
... die meisten Grundierungen fungieren primär das Haftgrund und um ausreichende Schichtstärke zu erreichen. Das gilt insgesamt für die meisten Korrosionsschutzbeschichtungen: Leistung durch Schichtstärke. ...
Für die ausreichende Schichtstärke würden aber doch 2-20 Lackschichten auch helfen.
Und so ein Bisschen Hafter könnte doch gleich reingerührt werden (was vermutlich Mipa ja auch macht).
Theoretisch schon, praktisch hat niemand Lust das zu streichen oder lackieren. Die Grundierung deckt im Stahlbau viele Funktionen ab. So muss die nicht zuletzt auch etwas ölresistent sein und Schmutz binden.
Wenn du da wirklich Interesse hast kann ich dir unter anderem den Kittel empfehlen. Ist eine zehnbändige Reihe, ich glaube "Lehrbuch der Lacke und Beschichtungen". Gibt noch eine kurze Urversion aus den 1960er, ich glaube "Lacke und Pigmente".
Sollte in jeder besseren Uni Bib liegen, war bei uns Pflichtlektüre. Spannend sind besonders die Bände 2,3,4.
Zum kurzen Einstieg kann ich noch Schönburg "Beschichtungstechniken heute" empfehlen. Das umreißt kurz und gut illustriert.

Gruß

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Re: Rostschutzgrundierung - was macht die?

Beitrag von Limbachnet » So 29. Dez 2019, 17:22

Aha, also geht's im Wesentlichen doch (nur) um eine Sperrschicht gegen Luft und Feuchtigkeit. Dann brauche ich nach geheimen Zutaten ja nicht weiter zu suchen...

Danke schön!
Schöne Grüße,
Matthias

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Re: Rostschutzgrundierung - was macht die?

Beitrag von gerhard_56 » So 29. Dez 2019, 17:29

Was diese Mittel in dieser Grundierung bzgl. Rostschutz bewirken kann ich nicht sagen, die Funktion eines Haftvermittlers haben sie aber sicherlich.

Ich verwende kaum noch Grundierung und wenn, dann Brantho nitrofest. Das lässt sich gut verarbeiten, ist sehr schnell grifffest (aus meiner Sicht einer der Hauptgründe für eine Grundierung), haftet sehr gut und kann ohne weitere Bearbeitung überlackiert werden, darüber hinaus bietet er auch ohne Decklack für lange Zeit einen ausreichenden Rostschutz. Zum lackieren nehme ich gerne Brantho korrux 3 in 1, das kann in 2 oder 3 Schichten auch ohne Grundierung verwendet werden, braucht aber länger zum trocknen. Diese beiden Brantho Produkte sind meine Favoriten für meinen Unimog und Stahlteile, die der Witterung ausgesetzt sind. Bei meinen Maschinen verwende ich 2k-Industrielack, wenn sich die Überholung hinzieht und die Gefahr besteht, dass die geputzten/gestrahlten Teile wieder Rost ansetzen, grundiere ich mit einer Lage Brantho nitrofest, weil ich sonst zu viel von dem 2k-Lack verplemper, der als Rest immer in der Spritzpistole verbleibt. Ansonsten lackiere ich direkt auf das Metall und bisher habe ich damit auch nichts nachteiliges feststellen können.

Ein Vorbeitzer meines Unimogs hat die Pritsche mit einer Grundierung behandelt, die zunehmend mehr ans Tageslicht kommt, d.h. der Decklack blättert ab. Wenn ich das richtig interpretiere, dann hat der eine Epoxy-Grundierung genommen, die sind eigentlich super und sollen vergleichbar zu einer zinkhaltigen Grundierung auch einen aktiven Rostschutz gewähren. Offensichtlich hat er das aber nicht richtig verarbeitet, denn entweder bringt man den Decklack sehr zeitnah nach der Grundierung auf oder man muss die Epoxy-Grundierung komplett anschleifen. Das anschleifen ist notwendig, um die sich sehr schnell bildende Schutzschicht wieder zu entfernen, trägt man den Decklack ohne Anschliff auf, dann blättert der nach einer gewissen Zeit wegen der Schutzschicht wieder ab und das sehe ich gerade.
Viele Grüße, Gerhard


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Re: Rostschutzgrundierung - was macht die?

Beitrag von HeinzHerbert » So 29. Dez 2019, 17:53

Bekommt man eigentlich irgendwo noch Bleimennige?

Grüße
Georg
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Re: Rostschutzgrundierung - was macht die?

Beitrag von FP91 » So 29. Dez 2019, 17:55

Limbachnet hat geschrieben:
So 29. Dez 2019, 17:22
Aha, also geht's im Wesentlichen doch (nur) um eine Sperrschicht gegen Luft und Feuchtigkeit. Dann brauche ich nach geheimen Zutaten ja nicht weiter zu suchen...

Danke schön!
Sind schon spannende Sachen drinn. Selbst kann man das eher nicht in der Leimküche. Aber ja,im Prinzip geht es um eine sehr gut haftende, elastische, dampfdiffusionsdichte Schicht.

@ Georg

Zum Glück nicht. Für uns in der Restaurierung gab es bis in die 2010er Jahre eine Ausnahmegenehmigung. Einerseits ist die heutigen Beschichtungen doch unterlegen, andererseits ist das echt eine Umwelt und Gesundheitssünde.

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Re: Rostschutzgrundierung - was macht die?

Beitrag von Jochen2 » So 29. Dez 2019, 19:40

Früher gabs Penetriermittel das angeblich -wie der Name sagt - wohl etwas eindringen konnte ? War zu DDR Zeiten und dunkelrot ....
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