Granitplatte rundgeschliffen?

Wostok
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Granitplatte rundgeschliffen?

Beitrag von Wostok » Fr 22. Nov 2019, 12:36

Hallo Feinmetaller! :-)

Bin neu hier und hoffe, das richtige Forum erwischt zu haben.

Meine Frage in Kurzform:

Kann es sein, dass ich in meine Granit-Messplatte durch das Abrichten meiner Schleifsteine (auf aufgelegtem Nassschleifpapier) eine Vertiefung eingeschliffen habe oder wurde ich von den Chinesen beschissen?

Lange Version:

Mache vor allem Holzarbeiten und schärfe meine Werkzeuge (Stechbeitel und Hobelmesser) auf japanischen Wassersteinen. Da diese einen hohen Abtrag haben, muss man sie immer wieder abrichten (plan schleifen). Dazu habe ich eine Granit-Messplatte von FeineWerzeuge (www.feinewerkzeuge.de/granit-messplatte.html). Gemäss Messprotokoll (das genau gleich aussieht wie in diesem Thread: forum.zerspanungsbude.net/viewtopic.php?f=30&t=32271) hat sie eine maximale Abweichung von 0.0025 mm (Erhöhung in der Mitte).
Nun wollte ich diesen Stein mal als Mess-/Prüfplatte verwenden, um zu schauen, wie gerade ein Stahllineal ist. Nach einiger Verwirrung bin ich zum Schluss gekommen, dass die Platte in der Mitte eine Vertiefung aufweisen muss (Lichtspalt-Methode). Mit meinen bescheidenen Messmitteln (Messuhr, alte Maschinenwasserwaage) schätze ich, dass es um ca. 0.01-0.02 mm runtergeht, in Form einer grossen, ovalen "Kuhle".
Kann es sein, dass das durch das Abrichten passiert ist? Kann mir das fast nicht vorstellen - ist ja schliesslich hart wie Granit ;-) Habe sie auch gar noch nicht oft verwendet (höchstens 10 "Schärf-Sessions"), andererseits würde es die Vertiefung und Form erklären.

Im Detail habe ich bisher Folgendes gemacht:

Schleifpapier in Wasser tauchen und auf Granitplatte auflegen (haftet dann durch die Feuchtigkeit und muss nicht befestigt werden), Schleifstein darauf plan schleifen (vor- und zurück und in Form einer 8, braucht nur wenige "Striche"), Schleifpapier in Wasser abbürsten und Platte mit feuchtem Lappen abwischen. Das wird dann mehrmals wiederholt, mit verschiedenen Körnungen, je nach Stein ("Körnung" der Steine von 120 bis 6000, Schleifpapiere ca. 80 bis 240).Auf der Platte entsteht beim Abrichten eine ziemliche "Sosse", weil
die Wassersteine sich sehr schnell abnutzen. Wie gesagt spüle und wische ich alles eher grob ab (damit keine groben Schleifkörner auf einen feineren Stein gelangen) und natürlich verwende ich die Schleifpapiere mehrmals. Es sind also bestimmt noch Schleifkörner vorhanden, auch auf der Rückseite der Papiere.
Mir wäre noch nie aufgefallen, dass sich das Schleifpapier auf der Platte bewegt (denn nur so wäre ja die Vertiefung zu erklären), aber es macht bestimmt kleine Bewegungen beim Abrichten.

Also nochmal die Frage:

Ist es möglich/plausibel, dass ich so die Messplatte abgeschliffen habe?! Oder war die vielleicht schon immer so?

Und wenn ja, wie könnte ich das in Zukunft vermeiden?

Und Nebenfrage: Was tu ich jetzt am besten, wenn ich eine Messplatte haben will? Eine neue Granitplatte kaufen? (Ist die dann wirklich plan?) Oder besser eine Mess-/Tuschierplatte aus Guss? Oder die alte Granitplatte schleifen/läppen?

Vielen Dank für eure Antworten!
Mathias

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bobber
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Re: Granitplatte rundgeschliffen?

Beitrag von bobber » Fr 22. Nov 2019, 12:55

Hallo Mathias,

das glaube ich nicht, dass durch die Schleifpapierrückseite irgend ein Abtrag stattfand.
Hochwertige Messplatten, z.B. Planolith haben ein korrektes Messprotokoll, behaupte ich mal.
Und das Material der Platte spielt erstmal eine untergeordnete Rolle für deinen Zweck, da kommt es auf die Güte an, ob 1, 0 oder 00.
Gruß Florian
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Re: Granitplatte rundgeschliffen?

Beitrag von Darko » Fr 22. Nov 2019, 14:21

bobber hat geschrieben:
Fr 22. Nov 2019, 12:55
Hochwertige Messplatten, z.B. Planolith haben ein korrektes Messprotokoll, behaupte ich mal.
Hat seine auch. Ich hab die Gleiche, in diese Protokoll steht bei mir 2,5 Muhs.

Die Unterseite der Platte ist nicht angeschrieben, man weiß also nicht an welcher Stelle man das auflegen muss (bei der Großen die ich habe (300x400x70) nehme ich die Eddingkreuze auf der Unterseite aber auch nicht ernst).
Dazu kommt dass die Platte lang und ziemlich dünn ist. Ich vermute, die liegt entweder nur am Rand auf, oder das Lineal ist krumm. Wird eher das Lineal sein.
Damit die Platte richtig liegt, müsste man ein Haarlineal haben das lang genug ist und austesten welche Auflagepunkte die Richtigen dafür wären.
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Re: Granitplatte rundgeschliffen?

Beitrag von Darko » Fr 22. Nov 2019, 14:37

So sieht Meines aus:
image.jpg
Die Platte hab ich aber noch kein einziges Mal benutzt, auch noch nicht nachgemessen. Ich nehme an dass sie passt. So genau nachmessen kann ich sowieso nicht, kauf mir auch nicht extra deswegen ein Haarlineal dieser Größe.
Wenn Du dir unsicher bist was die Platte angeht, kann ich MW-Import empfehlen, falls die in die Schweiz liefern. Meine 300x400 Chinaplatte von dort war absolut einwandfrei. Dann auf jeden Fall eine Granitplatte. Keine Graugussplatte.
Auf der hab ich dann Aluteile mit Messingpoliturpaste (Kreide als Schleifmittel) geläppt, die wurde dabei richtig sauber. :-D
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Re: Granitplatte rundgeschliffen?

Beitrag von DeckelMensch » Fr 22. Nov 2019, 16:13

Sehr unwahrscheinlich, dass man sich da mit 10x Schleifen eine grosse 0.01-0.02mm tiefe Mulde reingeläppt hat.
Wenn man das aber über Jahre 100 oder 1000de Male macht, kann das durchaus passieren.

Siliziumkarbidkörner vom Schleifpapier schleifen auch wunderbar Granit weg, ist schliesslich einiges härter als Granit.
Mir ist meine Messplatte für sowas zu schade, ich nehm da lieber eine Gussplatte oder ein abgenutztes Touschierlineal.
Aktuell funktionsfähiges Equipment:
Maho 700P/TNC135, Deckel FP4-NC/Dia11, FP2-NC/Dia4; VonRoll SH-400 Schnellhobler; schrottige Chinadrehe; Aciera 6TF1; 2TF1; diverses Elektronik-Messgerät, AC/DC WIG: 2x Lorch IT 252GW, 1x Oerlikon ADW 254C

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wim
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Re: Granitplatte rundgeschliffen?

Beitrag von wim » Fr 22. Nov 2019, 18:40

Glasscheibe -
mehr als ausreichend.
Weniger Ist Mehr
mit den besten Grüssen von Petterson

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Re: Granitplatte rundgeschliffen?

Beitrag von Darko » Fr 22. Nov 2019, 23:33

Wenn einige 1/100 Unebenheit stören ist die Glasscheibe eigentlich alles Andere als ausreichend. Aber die Idee die zu verwenden finde ich gut, da man auf dem Glas sofort sehenn kann ob da beim Schleifen wirklich Material angetragen wird.
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Re: Granitplatte rundgeschliffen?

Beitrag von Wostok » Sa 23. Nov 2019, 01:44

vielen dank für eure antworten!

hmm, dann scheint es also eher ein gefälschtes messprotokoll (bzw. gar nicht gemessene platte) zu sein?
lustig, mein messprotokoll sieht genau gleich aus - nur das datum und ein paar zahlen sind anders (s. anhang)

andererseits: es waren nicht bloss 10x schleifen, sondern ca. 10x einen halben tag lang schärfen mit immer wieder (vielleicht je 50x ?) den schleifstein abrichten. musste das ja zuerst mal lernen... :pfeif:

mein lineal ist bestimmt nicht ganz gerade, aber dann müsste sich beim verschieben ja auch der lichtspalt mit verschieben - tut er aber nicht, der bleibt immer in der mitte der platte.
habe mir jetzt einen präzisen flachlineal bestellt, der dann hoffentlich eine garantierte referenz bietet und mit dem ich dann prüfen kann, ob die platte wirklich krumm ist.
(mir ist eine drehmaschine "zugefallen", die ich jetzt in betrieb nehme, deswegen mein plötzliches interesse/bedürfnis nach genauen messmitteln und der versuch, meine granitplatte in ihrem eigentlichen zweck als messplatte zu verwenden.)

glasplatte hab ich mir auch schon überlegt. wie gross sind denn die abweichungen von (float-)glas? würde es etwas bringen, das glas auf eine (ebene) granitplatte zu legen, damit es sich nicht durchbiegt?

grüsse und schönes wochenende,
mathias
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DeckelMensch
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Re: Granitplatte rundgeschliffen?

Beitrag von DeckelMensch » Sa 23. Nov 2019, 02:39

Kannst das Lineal im Fall auch umdrehen, d.h. die andere Seite nehmen, falls es 2 Kanten hat.
Damit wäre dann ein allfälliger Bogen im Lineal ausgeglichen, sofern beide Seiten parallel sind, was aber einfach mit einer Messuhr messbar wäre ;-)
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Re: Granitplatte rundgeschliffen?

Beitrag von 0815^ » Sa 23. Nov 2019, 08:27

Ich kann mir die Auswaschungen durch schleifen schon gut vorstellen.

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