Edelstahl Schweißraupe Endbearbeitung

Benutzeravatar
Nimral
Beiträge: 201
Registriert: Do 10. Okt 2013, 00:59
Wohnort: Zangberg/BY
Germany

Edelstahl Schweißraupe Endbearbeitung

Beitrag von Nimral » Fr 14. Sep 2018, 10:45

Hi allseits,

ich habe mir aus V2A ein paar Balkenschuhe für ein Vordach schweißen lassen. Sie werden seitlich in die Balken eingelassen, die abgebildete Seite bleibt sichtbar.
DSC_0274.JPG
Mich stört die Brandspur an der Schweißraupe. Die Raupe selber ist ja sehr sauber geworden, die darf ruhig bleiben.

Welche Möglichkeiten habe ich, die sichtbare Seite so zu bearbeiten, dass eine möglichst homogene Edelstahl-Optik entsteht?

Hier mein erster Versuch auf der Unterseite: sandstrahlen.
DSC_0277.JPG
Die Brandspur wird ganz gut unsichtbar, die Oberfläche schön homogen, aber etwas rau. Nachpolieren mit Stahlwolle geht, ich fand es aber mühsam, und ich bekomme es nicht so schön homogen hin, es wird fleckig.
DSC_0275.JPG
Danke für eure Tipps,

Armin.
Wer rastet, der rostet. Wer nicht rastet, rostet auch, aber er erlebt mehr dabei.

Carstens DLZR
Deckel FP1

TheBlackOne
Beiträge: 1849
Registriert: Do 10. Jan 2013, 23:06
Wohnort: Stockholm
Sweden

Re: Edelstahl Schweißraupe Endbearbeitung

Beitrag von TheBlackOne » Fr 14. Sep 2018, 10:50

Solche Anlauffarben an Edelstahl werden z.B. weggebeizt.
Hier kannst du mehr darüber nachlesen: http://www.pelox.de/edelstahl-beizen
Weiler LZD 220
Aciera F3 (zerlegt)
Strands S68 (zerlegt)
Arboga EP 308
Atlas Copco KT4A5
Origo HP-20
Oerlikon Minicito 180

Retro
Beiträge: 122
Registriert: So 20. Aug 2017, 15:16
Wohnort: Oberpfalz
Germany

Re: Edelstahl Schweißraupe Endbearbeitung

Beitrag von Retro » Fr 14. Sep 2018, 10:54

Stahlwolle ist das schlechteste was du machen kannst. Dir rostet das ganze Ding weg, versprochen. Du musst das Ding einfach beizen. Dann gehen die Anlauffarben weg. Brandspuren sind das keine. Weg müssen die Farben so oder so, das Material rostet sonst.
Schleifen: Alter unbekannter Doppelschleifer (ERPEES)
Schweißen: Stahlwerk AC/DC WIG 200 PLASMA; ESAB Maxi Bantham 170 (E-Hand)
Bohren: FLOTT TB16L
Umformen: Gasesse (Eigenbau); Amboss 250 kg
Trennen: Klaeger Fortuna (400er Blatt)

sepp
Beiträge: 511
Registriert: Mo 13. Jan 2014, 23:32
Austria

Re: Edelstahl Schweißraupe Endbearbeitung

Beitrag von sepp » Fr 14. Sep 2018, 11:02

Alternativ würde ich das einfach Glasperlstrahlen. Sollte genügen und schnell zu machen sein.

:hi: Sepp

michelko
Beiträge: 46
Registriert: Do 14. Jul 2016, 15:39

Re: Edelstahl Schweißraupe Endbearbeitung

Beitrag von michelko » Fr 14. Sep 2018, 11:40

Moin, mit einer Edelstahl Drahtbürste kannst du das auch gut wegbekommen. Glasperlenstrahlen geht und natürlich beizen mit Edelstahl Beizpaste ( Aggresiv und giftig!!).
Am einfachsten zu bekommen ist sicher die VA Drahtbürste.

Und wie schon oben geschrieben nicht mit Schwarzstahl Werkzeugen dran ummachen, fängt sofort wieder das rosten an

gruss Michael

Benutzeravatar
Geronimo69
Beiträge: 156
Registriert: Mi 8. Feb 2017, 18:39
Wohnort: 63322
Germany

Re: Edelstahl Schweißraupe Endbearbeitung

Beitrag von Geronimo69 » Fr 14. Sep 2018, 11:57

Kannst du auch eine kleine Satinierwalze nehmen oder einen Gummi Schleifblock. Mit dem Gummi Schleifblock mache ich die Anlauffarben auf den VA-Profilen weg wenn ich mit der Maschine nicht vernünftig hinkomme .
The difference between men and boys is the price of their toys

martinha
Beiträge: 37
Registriert: Mo 9. Okt 2017, 21:12
Wohnort: 29690
Germany

Re: Edelstahl Schweißraupe Endbearbeitung

Beitrag von martinha » Fr 14. Sep 2018, 12:38

"Dir rostet das ganze Ding weg, versprochen"
Das ist ja wohl etwas uebertrieben. Das klingt ja, als waere nach ein paar Jahren nichts mehr da. Ich hab vor bestimmt 20 Jahren einen Ring fuer einen Sandsteinbrunnen aus schwarzem Edelstahl 8mm gefertigt (wurde nach der Herstellung im Walzwerk noch nicht gebeizt). Die Oberflaeche sieht halt noch aus wie normaler Stahl mit Walzhaut. Da sind die Schnittkanten immer noch blank und im Bereich der Schweissnaht sind die Anlauffarben noch zu sehen. Ich wollte es rustikal, aber haltbar haben, da stoert das blanke Metall eher.
Ich hab eigentlich schon recht viel aus VA gebaut (Rueckschlagventile fuer Pumpen, T-Profile fuer Kompostplatz, Rankgitter etc), aber weggerostet ist mir noch nichts, obwohl ich zur Nachbearbeitung von Edelstahl ueberhaupt keine Lust habe. Man schleift den halben Tag und es sieht immer noch sch...e aus.
Wenn ich mit der Faecherscheibe die Anlauffarben weggekriegt habe, hab ich auch nicht gebeizt. In jede Ecke kommt man natuerlich nicht, dann hab ich Beizpaste von Pelox genommen.
Nach meiner Meinung reicht Faecherscheibe oder Faecherwalze fuer den Hausgebrauch aus, obwohl es auf "www.edelstahl-rostfrei.de" anders stehen mag. Bei denen kriegt man uebrigens gute Publikationen zur Verarbeitung.

Mit Gruss
Martin

mindfield-e
Beiträge: 5
Registriert: Do 30. Aug 2018, 10:37
Germany

Re: Edelstahl Schweißraupe Endbearbeitung

Beitrag von mindfield-e » Fr 14. Sep 2018, 13:31

Hallo Leute. Bin vom Fach und habe die wichtigsten Punkte kurz zusammengetragen.

Die „Brandspur“ nennt man Anlassfarben. Sie müssen bei rostfreien Edelstählen entfernt werden (Stichwort: Chromverarmung an der Oberfläche). Durch die Chromverarmung (Chromabbrand) sinkt der Cr-Gehalt unter 12%, die Bildung einer spontanen Passivschicht ist nicht mehr möglich und im aggressiven/feuchten Milieu ist die Scheißnaht an dieser Stelle stark korrosionsgefährdet.

Was ist zu tun? Man kann die Anlassfarben vermeiden oder die Oberfläche chemisch oder mechanisch nachbehandeln.

Anlassfarben vermieden durch Formieren (Wurzelschutzgas)

Chemische Oberlächenbehandlung durch
Passivieren (verdünnte Salpetersäure, beschleunigt die Entstehung der Passivschicht)
Beizen (sicherste Methode, entfernt Oxide durch Tauchbeizen in Bädern, als Sprühbeizen und mit Pasten, Beizen bestehen aus Salpetersäure und Flusssäure  mit Wasser gründlich spülen  sonst Korrosion)
• generell: beizgerechte Konstruktion erforderlich: Ablaufbohrungen vorsehen, keine Überlappungen (Spalt), keine Sacklöcher, …
 sonst erhöhter Aufwand
Elektropolieren (Umkehrung des galvanischen Prozesses, verringert Mikrorauigkeit, führt zur Einebnung/-glättung und zum metallischen Glanz der Werkstückoberfläche, Abtrag etwa 5 – 10 µm)

Mechanische Oberflächenbehandlung
Bürsten (Reinigen der Schweißnähte mit austenitischen Drahtbürsten)
Schleifen (Beschleifen von Schweißnähten, Ausschleifen von Verunreinigungen)
Strahlen (Glasperlen, entfernen leichter Anlauffarben und Schweißrückstände, um optisch gleichmäßige Oberfläche zu erreichen, Strahlgut nur für CrNi-Stahl, sonst Fremdrost)

Achtung:
Schleifen mit Stahlwolle ist nicht fachgerecht, da man Fremdkörper in die Oberfläche einbringt (Stichwort: Fremdkorrosion).

thomas56
Beiträge: 794
Registriert: Mo 8. Nov 2010, 01:09
Germany

Re: Edelstahl Schweißraupe Endbearbeitung

Beitrag von thomas56 » Fr 14. Sep 2018, 13:36

mindfield-e hat geschrieben:
Fr 14. Sep 2018, 13:31
... ist die Scheißnaht an dieser Stelle stark korrosionsgefährdet.
Ich sag's ja immer: Beim Schweißen ist das "w" das wichtigste. :biggrin:
Wer seine Schwerter zu Pflugscharen schmiedet, wird für jene pflügen, die ihre Schwerter behalten haben.

mindfield-e
Beiträge: 5
Registriert: Do 30. Aug 2018, 10:37
Germany

Re: Edelstahl Schweißraupe Endbearbeitung

Beitrag von mindfield-e » Fr 14. Sep 2018, 13:51

Erwischt. Da fehlt ein "w" :2up: .

Antworten