WIG-Schweißgerät-Beratung / Erfahrungen gesucht

nanno
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WIG-Schweißgerät-Beratung / Erfahrungen gesucht

Beitrag von nanno » Sa 22. Dez 2018, 10:11

Ich weise im ersten Post drauf hin, dass ich weiß wie man WIG schweißt, ich habe die letzten Jahre (recht ernsthaft mit einem Stahlwerk AC/DC 200 Puls (ohne Plasmaschneider und ohne AC-Frequenz-Einstellung)) geschweißt. Bei meinem Haupteinsatzzweck: Schweißen von Dünnblech-Edelstahlrohr (1.00mm und dünner) hat mich gestört, dass vorallem untenrum der Strom schlecht regelbar war. Außerdem war der HF-Start nicht immer ganz zuverlässig war. Gewissermaßen hat sich das Ganze gestern erledigt, weil die AC-Seite nur noch eine Halbwelle durchlässt und keine Reinigungswirkung mehr stattfindet.

Ich habe ein paar potenzielle Kandidaten identifiziert, ganz sicher bin ich mir (noch) nicht, ob ich ein digitales will oder ob ich weiterhin bei einem "Knöpferl-"gesteuerten analogen bleiben will. Bis auf die obigen Einschränkungen war ich nicht unzufrieden mit dem alten Stahlwerk, was ich aber bei einem neuen Wig definitiv will ist eine Verstellung der AC-Frequenz.

Suchen würde ich (nach Möglichkeit) erste Hand Erfahrungswerte, mit besonderem Fokus auf Dünnblech-Arbeit. Alu ist etwas was ich vielleicht einmal im Monat mache. Deswegen sind max. Einschaltdauer usw. weniger wichtig als die Möglichkeit einen Lichtbogen bei gerade noch zwei-stelligen Amperezahlen SAUBER zu halten. Das Budget liegt bei rund 1000 Euro fürs Schweißgerät, die Infrastruktur drumherum ist (logischerweise) schon vorhanden.

Kandidat 1: Vector VW240, im Prinzip das (nicht ganz aktuelle) Stahlwerk in einem anderen (grauen) Gehäuse. Im Gegensatz zu meinem mit AC-Frequenz-Einstellung. Vorteil: mein Fußpedal passt einfach wieder drauf. Ist halt voll-analog, kann kein Up- bzw. Down-Slope außerhalb vom 4T-Programm, insofern eigentlich nur ernsthaft mit Fußpedal zu verwenden.

https://www.vector-welding.com/VECTOR-V ... id=1&pid=1

Kandidat 2: Welbach Entrix 200, günstiges 200A digital WIG, sehr begrenzte AC-Balance von nur 30-70%, ansonsten wundern mich die etwas niedrigen EDs von nur 125A bei 100%. Kein Killerkriterium, nur irritierend.

https://www.expondo.de/welbach-alu-schw ... ebwAeQOeg0

Kandidat 3: NTF AC/DC TIG 210, rein optisch (bis auf das blaue Gehäuse) fast identisch, hat allerdings unterschiedliche Wellenformen im AC-Bereich, die Angaben im Bereich ED erscheinen mir teilweise schon fast unglaubwürdig. Da es aber vermutlich ein anderes Mainboard ist, dass drin ist, könnte schon was dran sein. Was mich hier ein bissl stört ist der geschraubte Gasanschluss an der Vorderseite vom Schweißgerät. Da müsste ein Adapter auf Schnellverschluss her. (Lustigerweise ist das gute Stück auf ebay rund 100 Euro billiger, als im Firmen-eigenen Shop.) Hier kommt beim Preis auf jeden Fall ein Fußpedal dazu, weil mein altes nicht mehr passt.

https://www.ipotechnik.de/ntf-ac-dc-tig ... _AZkbG-gvc

Kandidat 4: Welbach Ampero 225, das scheint (sehr vereinfacht) eine ältere Version von obigem NTF zu sein, allerdings ohne die Möglichkeit die Wellenform zu beeinflussen.

https://www.ipotechnik.de/ntf-ac-dc-tig ... _AZkbG-gvc

Von der Papierform her wäre vermutlich Kandidat 3 die beste Wahl, mit Stamos hab ich im Bekanntenkreis schon ein bissl Erfahrung, von NTF hab ich ein Inverter Mig/Mag das seit 3-4 Jahren problemlos funktioniert. Man liest/hört aber sonst so gut wie nix über diese Firma.

Insofern: Für Input wäre ich sehr dankbar.

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Trutenpugel
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Re: WIG-Schweißgerät-Beratung / Erfahrungen gesucht

Beitrag von Trutenpugel » Sa 22. Dez 2018, 13:01

Moin!
Auch auf die Gefahr hin, dass ich mir den Zorn vieler Inverter- Nutzer zuziehe, rate ich dazu, wenn fast ausschließlich im niedrigen Materialstärkenbereich gearbeitet wird, keinen Inverter zu kaufen.

Ich lese hier im Forum öfter, dass Leute bis 1.000 € für ein neues Invertergerät ausgeben- und mit diesen Geräten dann z.B. 0,5er Material schweißen wollen. Beide Forderungen unter einen Hut zu bekommen, geht meines Wissens (noch) nicht. Oder die Technik wird von einem der selbsternannten Schweißer "bewertet", der in seinem Keller ab und etwas zusammenkokelt.

Auch Hersteller wie z.B. Rehm oder Lorch hatten zu Beginn des Auftretens dieser Technik arge Schwierigkeiten, mit ihren Geräten im unteren Leistungsbereich konstanten Schweißstrom zu liefern.

Einige wenige Markenhersteller haben dieses (für mich, da ich kein „Elektrischer“ bin, "Phänomen") inzwischen gelöst. Natürlich wollen sie ihre gute Technik bezahlt bekommen.

Die von Dir genannten Geräte kenne ich nicht. Außerhalb genügt mir ein zuverlässiger kleiner Inverter ohne AC. Ich schweiße seit 40 Jahren (die zweite Hälfte der Zeit gewerblich) und es kam in dieser Zeit niemand auf mich zu, der auf einer Baustelle 1mm starkes Alu geschweißt haben wollte.

Stationär schweiße ich DC und AC mit einem vernünftigen Trafo, dessen Lichtbogen auch unter 5A Stromstärke schnurrt, wie eine zufriedene Katze. Für Camping und unterwegs habe ich einem vernünftigen Inverter ohne AC. Beide Geräte mit (auf einen Blick) übersichtlichen Bedien- Paneelen und nicht einer „Touchscreen- Einknopfbedienung“:

P1040078.JPG

Hätte ich beim Trafo Angst vor einer hohen Stromrechnung, könnte ich 90% der WIG- Schweißarbeiten in der Werkstatt auch mit dem DC- Inverter ausführen.

Mein Rat: Lass für unterwegs die Kokelkiste reparieren und schaffe Dir einen guten, gebrauchten Trafo für die Werkstatt an, der im niedrigen Leistungsbereich gut zu regeln ist und zuverlässig arbeitet.

Bei einem technisch intakten Gerät ist der HF- Start immer zuverlässig, streichst Du die Wolframnadel vorher stromlos leicht auf einem Kupferblech an:

auf Cu- Blech anstreifen.JPG
Cu- Blech, wohin man guckt.JPG

Um beim Schweißen von Edelstahl ungewünschten Masseschluss mit Stahl zu vermeiden, liegt bei mir auch überall Kupfer herum, an dem ich die Elektrode vorher anstreiche.



Grüße von Mario. :hi:
Unendlich steigt des Schlossers Kraft, wenn er sich seine Hebel schafft.

nanno
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Re: WIG-Schweißgerät-Beratung / Erfahrungen gesucht

Beitrag von nanno » Sa 22. Dez 2018, 13:43

Danke für deinen Input Mario, es ist auf jeden Fall eine Ergänzung.

Ich hab in Erinnerung hier im Forum gibts Leute die mit dem NTF200 und 210 rumspielen?

LG
Greg

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Re: WIG-Schweißgerät-Beratung / Erfahrungen gesucht

Beitrag von udowet » Sa 22. Dez 2018, 17:15

Moins.

Den Trick mit dem Kupferblech kannte ich nicht. Danke dafuer.

Gruss,

Udo

dr.markus
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Re: WIG-Schweißgerät-Beratung / Erfahrungen gesucht

Beitrag von dr.markus » Sa 22. Dez 2018, 18:54

Stromlos auf Kupferblech anstreichen?
Was genau bewirkt das?
Viele Grüße, Markus

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Re: WIG-Schweißgerät-Beratung / Erfahrungen gesucht

Beitrag von Niskie » Sa 22. Dez 2018, 18:59

Die Oxidschicht auf der Wolframelektrode wird abgeschabt (oder die Oberflächenrauigkeit dort erhöht) und sie zündet dadurch besser. Es muss nicht Kupfer sein.
Einfache Antworten sind immer falsch. Komplizierte meistens auch.

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Re: WIG-Schweißgerät-Beratung / Erfahrungen gesucht

Beitrag von Trutenpugel » Sa 22. Dez 2018, 22:17

Moin!
Niskie hat geschrieben:
Sa 22. Dez 2018, 18:59
Die Oxidschicht auf der Wolframelektrode wird abgeschabt (oder die Oberflächenrauigkeit dort erhöht) und sie zündet dadurch besser. Es muss nicht Kupfer sein.
Man kann überall rumkratzen. Nur hinterlassen irgendwo angerubbelte Elektroden in Schweißnähten ungewollte Oxide und Karbide, die vor allem beim Alu- Schweißen neben der „Irgendwo- Rubbelstelle“ aus einer Elektrode ausbrechen. Das sieht man beim Röntgenbild einer Schweißnaht. Spätestens beim Gammeln. Und das ist dann :scheisse: .

Als „Anstreichmaterial“ stünden allenfalls gute elektrische Leiter, wie Gold und Silber zur Diskussion.
Die Erfahrungen konnte ich aus Gründen chronischen Edelmetallmangels nie sammeln. :cry:

Die an der Wolframelektrode haftende Kupfer- Ladungsträger fließen sinnvoll in den bei einer HF- Zündung entstehenden Ionenstrom ein. Die Erklärung sollte dem harmlosen Anwender genügen.

Grüße von Mario.
Unendlich steigt des Schlossers Kraft, wenn er sich seine Hebel schafft.

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Re: WIG-Schweißgerät-Beratung / Erfahrungen gesucht

Beitrag von Niskie » Sa 22. Dez 2018, 22:42

Trutenpugel hat geschrieben:
Sa 22. Dez 2018, 22:17
Die Erklärung sollte dem harmlosen Anwender genügen.
Hobbyschweißer und Theoretiker sind nicht harmlos. :steinigung:

Insbesondere bei Alu hätte ich erwartet, dass die oxidentfernende Wirkung der umgepolten Halbwellen auch die paar Fremdatome, die man durch das Kratzen unfreiwillig an der Spitze angelagert hat mit beseitigt.

Ist das mit den dadurch hervorgerufenen Einschlüssen jetzt deine tatsächliche Erfahrung oder nur Hörensagen? Dass du kein Eisenoxid auf dem VA haben willst ist klar.

Ich habe es noch nicht probiert, beim nächsten mal lege ich mir ein Stück Korund dafür hin. Wenn das dann nicht funktioniert, dann liegt es tatsächlich am "aufgenommenen" Material.

Gruß Peter
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Re: WIG-Schweißgerät-Beratung / Erfahrungen gesucht

Beitrag von dr.markus » Sa 22. Dez 2018, 23:36

Das klingt logisch und wird ausprobiert.
Vielen Dank für den Tipp und die Erklärung!
Viele Grüße, Markus

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Re: WIG-Schweißgerät-Beratung / Erfahrungen gesucht

Beitrag von styro » So 23. Dez 2018, 10:32

Hallo
Trutenpugel hat geschrieben:
Sa 22. Dez 2018, 22:17
Man kann überall rumkratzen. Nur hinterlassen irgendwo angerubbelte Elektroden in Schweißnähten ungewollte Oxide und Karbide, die vor allem beim Alu- Schweißen neben der „Irgendwo- Rubbelstelle“ aus einer Elektrode ausbrechen. Das sieht man beim Röntgenbild einer Schweißnaht. Spätestens beim Gammeln. Und das ist dann :scheisse: .
"Sehen" ja, das Ausschlusskriterium der Schweißnaht kommt auf Grund Wolframeinschluss normalerweise erst bei dünneren Wandstärken richtig zum Zuge. Da muß man dann oft mit der Messlupe an den Röntgenfilm....... :pfeif: ....die Kollegen aus dem Amiland (die gerne ohne HF-Zündung arbeiten => "cheap and dirty") tropfen an solchen Kriterien gerne mal ab....... 8-) :

ISO 10042 Lichtbogenschweißverbindungen an Aluminium und seinen schweißgeeigneten Legierungen:
- Wolframeinschluss
- Ordnungsnummer 3041
- Grenze für Unregelmäßigkeiten bei Bewertungsgruppe B:
h < 0,05 x s oder 0,05 x a max. 0,8mm

ISO 5817 Schmelzschweißverbindungen an Stahl, Nickel, Titan und deren Legierungen (ohne Strahlschweißen):
- Metallischer Einschluß außer Kupfer
- Ordnungsnummer: 304
- Grenze für Unregelmäßigkeiten bei Bewertungsgruppe B:
Stumpfnähte: h < 0,2 x s aber max 2mm
Kehlnähte: h< 0,2 x a aber max. 2mm

Gruß

Georg
Wir leben in einer Welt, in welcher jeder den Preis der Dinge kennt, aber niemand ihren Wert.
(Oscar Wilde)

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