Welche Stabelektrode?

Wernersgrüner
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Welche Stabelektrode?

Beitrag von Wernersgrüner » Mo 26. Nov 2018, 21:49

Hallo zusammen,

da ich noch ziemlich neu im Thema bin, entschuldigt bitte meine laienhafte Frage. Ich möchte einen Positionierbolzen in einer passenden Buchse mittels E-Hand Schweißverfahren verschweißen. Im Katalog ist zum Material nur "Stahl" angegeben. Könnt ihr mir eine passende Elektrodenart empfehlen? Gibt es für allgemeine Schweißarbeiten eine universale Schweißelektrode?

Hier noch mal der Link zu den Schweißteilen:

https://www.ganter-griff.de/de/produkte ... ohrbuchsen

Ich danke euch und wünsche noch einen schönen Abend!

Grüße,

Jan

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Stan
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Re: Welche Stabelektrode?

Beitrag von Stan » Mo 26. Nov 2018, 22:19

Nabend,
mein Elektrodenschweisskurs ist schon ein paar Jahre her, hab mal eben gekruschtelt, ich rate auch zu dick Rutil (RR) ummantelten Elektroden, da du dir die Schweissposition ja vermutlich gut einrichten kannst, und wenn ich es noch richtig im Kopf hab war RR am einfachsten, gibt schöne Raupen und die Schlacke löst sich gut ab.
PB263666.JPG
PB263668.JPG
Viele Grüße
Stephan
SANOU K72 Lathe Chuck 80/100/125mm 4 Kiefer
-fadenscheinige Teile werden speziell durch Abschreckung für mehr Haltbarkeit und längere Lebensdauer konstruiert.
-Bitte erlauben Sie einen Bitfehler durch manuelle Messung.

fk1985
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Re: Welche Stabelektrode?

Beitrag von fk1985 » Mo 26. Nov 2018, 23:22

Die wohl bekannteste Wald un Wiesen Elektrod ist denke ich die Böhler EV 50. Damit kann man so ziemlich alles das Stahl schon einmal aus der Nähe gesehen hat relativ gut schweißen.
Ebenfalls gut als "Anfänger Elektrode" gegeignet ist die Böhler OHV. Ist wie die Abkürzung schon sagt "OhneHirnVerschweißbar" :pfeif:

grüße
Flo

Bastelmike
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Re: Welche Stabelektrode?

Beitrag von Bastelmike » Mo 26. Nov 2018, 23:55

Falls Du keine Böhler Elektroden willst oder bekommen kannst, werfe ich mal Oerlikon Fincord in den Ring. Gutmütig in allen Lagen verschweissbar und für alle 'normalen' Stahlsorten geeignet.

Mike

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techam
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Re: Welche Stabelektrode?

Beitrag von techam » Di 27. Nov 2018, 06:59

Da wirst du 1000 verschiedene empfehlungen bekommen.
Hängt auch von deinem Schweißgerät ab.
Elektrode positiv
Elektrode negativ
A/C

Universal Wald und wiese kenne ich die phönix blau,
Das ist wie die oerlikon fincord eine E6013 Rutil Elektrode.

Damit bekommt man alles auch durch 10cm Kuhscheiße zusammengebrutzelt.

Die böhler ev 50 müsste eine E7018 sein,
Sehr gut Schweißbar aber es sollte eher sauber und gut vorbereitet sein. Nicht unbedingt erste Wahl wenn du dicke Dinge mit nur einer Raupe verschweißen willst.

Mir haben Berufsschweißer immer zur E6013 geraten.

MfG Christian
Drehmaschine: EBK 450 mit 550W FU Umbau
Fräsmaschine: Paulimot F207V
Bohrmaschine: AEG DTBM 10
Säge: FLEX SBG 4910
Schweißgerät: Stahlwerk WIG 200 Puls AC/DC + Plasma
3D-Drucker: fullmetal P3 Steel

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JollyRoger
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Re: Welche Stabelektrode?

Beitrag von JollyRoger » Di 27. Nov 2018, 07:13

Ich vermeide mittlerweile grundsätzlich dick rutil-umhüllte RR-Elektroden, die vorlaufende Schlacke und die Schlackeneinschlüsse gehen mir auf den Sender. Ich nehme mittlerweile nur mehr Böhler EV 50 bzw. EV 47 und artverwandte Elektroden wie die Oerlikon Spezial.

Die Normbezeichnung der EV 50 ist EN ISO 2560-A - E 42 5 B 42 H5
EV 47: EN ISO 2560-A: E 38 4 B 42 H5
Oerlikon Spezial: E 38 3 B 12 H10

Dabei handelt es sich generell um basische Elektroden. Sie brauchen keinen so hohen Anstellwinkel der Elektrode und Schlackeneinschlüsse sind nicht so wahrscheinlich. Der Nachteil ist einerseits der Preis, andererseits die schlechte Zünd- bzw. Wiederzündbarkeit, sie kleben leicht an. Wenn man eine gebrauchte Elektrode wieder zünden möchte, muss man das Ende mit einer Feile blank machen, da sich darüber ein glasartiger Schlackepropfen bildet. Man kann mit den Elektroden auch sehr gut Steignähte schweißen, Strom 125A für eine horizontale Naht bzw. 90-100A für eine Steignaht bei 3,2mm Elektrodendurchmesser. Die Elektroden können nur am Pluspol (Gleichstrom) verschweißt werden, mit einem 200A Stahlwerk-WIG geht eine 3,2mm Elektrode sehr gut.

Eigentlich sollte man diese Elektroden nur frisch aus der Packung nehmen oder rücktrocknen, dann bleibt das Schweißgut wegen des geringen Wasserstoffgehalts zäh. Das mach ich aber nicht, ich kaufe die Elektroden wegen der für mich sehr günstigen Schweißeigenschaften, nicht weil ich damit irgendwelche kritische Teile schweiße.
Mir haben Berufsschweißer immer zur E6013 geraten.
Das Problem an den amerikanischen Bezeichnungen ist, dass "6013" fast alles sein kann. Die Phönix blau ist rutil-cellulose umhüllt, E 42 0RC 11 E6013, auch die RR-Elektroden laufen unter 6013, und die mag ich wie eingangs erwähnt nicht.

Wenn man sie verschweißen kann funktioniert das hier mit jeder Elektrode. Man könnte jetzt "mimimi" machen, weil die Bohrbuchsen gehärtet sind und damit aus einem nicht schweißbaren Material bestehen, aber so viel wirds auch halten. Ich möchte hier nicht sagen, dass nur die basischen Elektroden toll sind, ganz und gar nicht, aber ich persönlich bekomme damit einfach die besten Ergebnisse hin und grade bei der kleinen Buchse wäre es vielleicht toll eine Elektrode zu haben, die nicht empfindlich auf den Anstellwinkel ist.
http://www.weldersuniverse.com/images/travel_angle.jpg

Edit: Ganz wichtig!
Da du ein Neuling bist, schweiß bitte vorher ein paar Probestücke!

Grade an der kleinen Buchse können schnell Haltungsfehler passieren. Die Übung schadet niemandem und man erspart sich ein defektes Werkstück. Prüfe bitte auch, ob die Buchse evtl. Verzinkt ist und wenn ja, lege sie in Säure (z.B. Essigessenz), um das Zink zu entfernen.

fortunesun
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Re: Welche Stabelektrode?

Beitrag von fortunesun » Di 27. Nov 2018, 07:24

Mein Favorit für Wald und Wiesenschweißungen ist die Kjellberg Garant. Die hatten wir schon zu DDR-Zeiten und sie gibt es auch heute noch.
Vorteile sind z.B. Sehr gute Schweißbarkeit, für Anfänger geeignet, die Umhüllung ist recht tolerant gegenüber Feuchtigkeit, Schöne Raupenbildung, gut lösbare Schlacke, funktioniert auch auf unsauberem Material und in verschiedensten Zwangslagen.

VG Mathias

motor64.1
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Re: Welche Stabelektrode?

Beitrag von motor64.1 » Di 27. Nov 2018, 09:37

Hat bisher eigentlich jemand die Frage von Jan vor dem Absenden seines Beitrages gelesen? :hae:


Oder gar selbst gemachte Erfahrung mit dem Verschweißen von hoch kohlenstoffhaltigen Werkzeugstählen mit 62 +/-2 HRC? :super:



Ohne die näheren Umstände zu kennen macht Schweißen bei dieser Anwendung wohl keinen Sinn, dafür gibt es hervorragende Kleber oder andere Befestigungsmethoden. :2up:
Grüße
Franz

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Re: Welche Stabelektrode?

Beitrag von Wernersgrüner » Di 27. Nov 2018, 20:04

Ich grüße euch alle und sage erst mal vielen lieben Dank für die Antworten!

Das wird mir auf jeden Fall in Zukunft viel nutzen. Mein Gerät ist ein WIG DC Gerät.

Leider muss ich mich wohl in Franz' Richtung begeben: Ich hatte bei Ganter auch noch mal nach dem Stahl gefragt, die Antwort war leider ernüchternd:

DIN 172 Positionierbuchsen mit Bund
gefertigt aus Automatenstahl 11SMnPb30 (1.0718)

GN 771.1 Positionierstifte
gefertigt aus Automatenstahl 11SMnPb30 (1.0718)

bedingt durch die Legierungszusätze nicht schweissbar.

Jedenfalls für das aktuelle Vorhaben muss ich wohl umplanen. Ich hatte auch sonst keine Buchsen und Stifte gefunden, die aus anderem Material sind. Aber klar, beim Automatenstahl scheint es dann in erster Linie um die Drehbarkeit zu gehen. Trotzdem wundert es mich, dass es anscheinend keine Anwendungen gibt, bei denen man die Teile auch miteinander verschweißen würde. Oder kennt ihr schweißbare Buchsen und Positionierstifte?

Jedenfalls nochmal besten Dank,

Schweißen will ich ja trotzdem lernen :-)

Jan

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Re: Welche Stabelektrode?

Beitrag von Wernersgrüner » Di 27. Nov 2018, 20:07

... und was das Kleben angeht: Daran hatte ich auch gedacht, das Problem ist nur, dass der Kleber schlicht rausgedrückt wird, wenn ich den Stift in die Buchse schiebe. Da ist kein Spalt dazwischen. ich könnte praktisch nur stirnseitig auftragen. Der Stift ragt an der Stelle, wo ich schweißen/verbinden wollte, ein paar mm über die Buchse hinaus.

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