Lagersitz ausbuchsen

Benutzeravatar
gerhard_56
Beiträge: 1573
Registriert: Di 5. Jul 2016, 16:14
Germany

Re: Lagersitz ausbuchsen

Beitrag von gerhard_56 » Mo 17. Feb 2020, 08:06

Ok, ein geklebtes Lager geht da wegen dem notwendigen Längenausgleich nicht.
Warum das Lager aber kippeln soll verstehe ich nicht. Links der Zapfen müsste doch auch in einem Lager laufen, zumindest sieht man da Spuren von einem Lagersitz. Wenn das Lager i.O. ist, dann kann doch nichts kippeln. Oder ist das nur eine Zentrierbohrung mit viel Luft?
Viele Grüße, Gerhard


Weiler LZ330

0815^
Beiträge: 444
Registriert: Fr 30. Mär 2018, 11:57
Germany

Re: Lagersitz ausbuchsen

Beitrag von 0815^ » Mo 17. Feb 2020, 08:39

Der Zapfen greift in das Pilotlager.

Dieser war einseitig abgenutzt weil das gefressen hat. Somit hat sich der Lagersitz auch aufgeweitet.


Thema Lager abdrehen:
Ich werde mir einen Dorn drehen auf den ich das Lager presse. Außerdem einen zweiten, mit dem ich mit der Mitlaufenden Spitze gegen das Lager Presse. Der Innenring wird bei beiden Dornen freigestellt, sodass ich den außenring dann blockiere.
Das Probier ich mal aus am alten Lager.

Zetorschrauber
Beiträge: 24
Registriert: So 24. Jun 2018, 22:19
Germany

Re: Lagersitz ausbuchsen

Beitrag von Zetorschrauber » Mo 17. Feb 2020, 09:25

Wurde hier mal eine Hardyscheibe gegen einen Adapter aus Metall getauscht, oder gehört der da normal hin?
Könnte sein das hierdurch die Längenausdehnung behindert wurde.
Meiner Meinung nach sollte man das Lager einkleben können,
da im Pilotlager axiale Verschiebung möglich ist und die Ausdehnung der Kardanwelle durch die Gummielemente ausgeglichen wird.

Gruß Dennis
Drehe: Voest DA 210

0815^
Beiträge: 444
Registriert: Fr 30. Mär 2018, 11:57
Germany

Re: Lagersitz ausbuchsen

Beitrag von 0815^ » Mo 17. Feb 2020, 09:44

Nein, gelenkscheiben alle aus Gummi.

Das kann aber nur kontraproduktiv sein, wenn die Spannung von den Lagern abgefangen wird...

Benutzeravatar
gerhard_56
Beiträge: 1573
Registriert: Di 5. Jul 2016, 16:14
Germany

Re: Lagersitz ausbuchsen

Beitrag von gerhard_56 » Mo 17. Feb 2020, 10:23

Ich habe mir den thread incl. dem verlinkten Anfangsthema noch einmal angeschaut. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat dieser Lagersitz aufgrund eines Fehlers am Pilotlager gelitten. Wenn das Pilotlager und er Zapfen wieder i.O. sind geht es um die Frage, wie nun dieser Lagersitz überarbeitet werden kann.

Alternative 1
- der Lagersitz wird soweit ausgespindelt, dass der Lagersitz wieder gleichmässig tragend ist. Nach vermessen der entstandenen Bohrung wird dann ein passender Schrumpfring für das Lager gefertigt und aufgepresst. Vorteil ist, die O-Ringnut muss ggf. nur geringfügig vertieft werden und alles bleibt ziemlich nah am Originalzustand. Der Nachteil den Du vermutest ist, dass aufgrund des 1-1,5 mm dicken Schrumpfringes das Lager kippeln könnte, wei ein längerer Hebel greift. MMn ist das vollkommen zu vernachlässigen.

Alternative 2
- den Lagersitz grosszügig ausspindeln und dann dort eine dickere Buchse einpressen (Du hast etwas von 2 - 2,5 mm geschrieben), die zum Schluss dann auf das notwendige Maß für einen Schiebesitz des Lagers aufgespindelt wird. Wenn ich das im Ursprungsthread richtig abschätze, dann ist die Nut etwa 2,5 mm tief. Spindelt man den Lagersitz z.B. um diesen Betrag aus, dann sitzen nach dem anfertigen der Nut quasi zwei Hülsen hintereinander. Egal ob die Buchse eingepresst oder eingeklebt wird, mir wäre dieses Konstrukt nicht stabil genug, weil sich die Ringe aufgrund der losen Passung lösen könnten (das Lager hat da ja schon vorher ganze Arbeit geleistet). Dementsprechend müsste die Buchse deutlich dicker ausgeführt werden z.B. 5 mm Wandung, damit sie auch auf der ganzen Länge tragen kann. Frage ist aber, ob eine so dicke Buchse im Gehäuse Platz hat.

Alternative 3
- Du möchtest die ausgespindelte Bohrung so lassen wie sie jetzt ist, den Schrumpfring aber lieber dicker ausführen, z.B. 2-2,5 mm um ein kippeln zu minimieren. Dazu wäre es aber notwendig, den Aussenring des Lagers abzudrehen. An den Hebelverhältnissen würdest Du im Vergleich zur Alternative 1 nichts ändern, d.h. die vermeintliche Kippelgefahr bleibt. Dein Schrumpfring wird zwar dicker und damit stabiler, gleichzeitig schwächst Du aber den Aussenring des Lagers mit vollkommen unbekanntem Risiko. MMn würde die Tragfähigkeit des Lagers dabei deutlich herab gesetzt und damit ist eine extrem verkürzte Lebenszeit vorprogrammiert.

Es kann sein, dass es noch weitere Alternativen gibt. Mir erscheint die Alternative 1 als die beste. Ggf. würde ich den Schrumpfring auf eine Dicke von 2 mm auslegen und den Lagersitz entsprechend grösser machen.

Klar, einmal zu probieren ob und wie man ein Kugellager aussen abdrehen kann ist eine interessante Sache, ein solches Lager dann aber an die Stelle einzubauen wäre mir zu riskant, weil die Schwächung des Lagers nicht abgeschätzt werden kann und ganz offensichtlich wirken an diesem Lager ja durchaus Kräfte, die ausreichen, den Lagersitz zu ruinieren. Wenn das Pilotlager und der Zapfen wieder i.O. sind, dann können auf dem Lager keine Kippmomente auftreten und dann sollte das ganze wieder problemlos funktionieren und mit dem O-Ring als Verdrehsicherung bleibst Du weitestgehend beim Originalzustand.
Viele Grüße, Gerhard


Weiler LZ330

0815^
Beiträge: 444
Registriert: Fr 30. Mär 2018, 11:57
Germany

Re: Lagersitz ausbuchsen

Beitrag von 0815^ » Mo 17. Feb 2020, 12:44

Danke für die ausführliche Antwort.


Ja, mit den CBN Platten das Lager sauber abzudrehen wäre schon ein schöner Versuch :pfeif:


Ich melde mich heute Abend ausführlicher.

Kurzfassung zu jetzt:
Der Sitz wurde schon aufgespindelt, ist zentrisch, Plan und rund.

Das Lager bekommt am Außenring eine Buchse aufgeschrumpft, aus 42crmo4.

Die Buchse wird etwa 2mm breiter als das Lager.
Das kann man nun bestimmt ausrechnen, dass die Kraft die beim kippmoment auf die Enden der Hülsen wirkt kleiner, als wenn die Hülse nur so breit ist wie das Lager. Ich mach’s nach Gefühl.
Ein O Ring kommt wieder in die Nut.

Helix
Beiträge: 1204
Registriert: Mi 12. Mär 2014, 10:19
Germany

Re: Lagersitz ausbuchsen

Beitrag von Helix » Mo 17. Feb 2020, 13:00

Ist die "Alu-Hardyscheibe" denn ab Werk da verbaut? Falls nein, würde ich da mal nach dem Übertäter suchen, im Rennsport gab es wegen geändertem Schwigungsverhalten von Carbon vs Stahl(meine ich, kann auch Alu gewesen sein) Fresser im Steuertrieb, die sich niemand erklären konnte - bis dann rauskam, dass auch die Welle geändert wurde.

0815^
Beiträge: 444
Registriert: Fr 30. Mär 2018, 11:57
Germany

Re: Lagersitz ausbuchsen

Beitrag von 0815^ » Mo 17. Feb 2020, 13:21

Das Foto ist nicht von mir. Bei mir sind 2 Gummischeiben verbaut.
Es hat sich allerdings bewährt eine der Gelenkscheiben starr auszuführen.

Benutzeravatar
gerhard_56
Beiträge: 1573
Registriert: Di 5. Jul 2016, 16:14
Germany

Re: Lagersitz ausbuchsen

Beitrag von gerhard_56 » Mo 17. Feb 2020, 13:39

Also wenn rechts von dem 6007 eine Gummischeibe sitzt, dann kann von da kein nennenswertes Kippmoment kommen, da das flexibel ist. Ein Kippmoment kann dann nur von der Pilotlagerseite kommen, d.h. das Lager muss i.O. sein, sonst leidet das 6007, weil die auf der Verzahnung sitzende Kupplung oder ein Zahnrad oder was auch immer, den kurzen Stummel in alle Richtungen ziehen kann. Der Lagersitz vom 6007 muss einfach passen und darf nicht zu locker sein, eine breitere Buchse bringt da nichts, dann müsste es schon ein breiteres Lager sein.
Viele Grüße, Gerhard


Weiler LZ330

0815^
Beiträge: 444
Registriert: Fr 30. Mär 2018, 11:57
Germany

Re: Lagersitz ausbuchsen

Beitrag von 0815^ » Sa 22. Feb 2020, 16:49

Habe jetzt eine Hülse für das Lager gedreht.

Die Auflagefläche ist jetzt 2mm breiter, die Hülse habe ich auf ca. 200° erwärmt, dann konnte ich das Lager gut eintreiben.

Der Bund stabilisiert das Ganze und dient als Anschlag.
36FBEC93-C187-4DF2-835F-B351FFDAD460.jpeg
Aus 42crmo4+qt habe ich jetzt keine Bedenken bzgl Stabilität der Hülse.

Ich messe wenn alles Raumtemperatur hat nochmal nach und hoffe ich muss außen nichts mehr abtragen.

Das Lager habe ich nicht abgedreht. Es war mir zu heikel, ich wusste nicht wie sich 1-2/100 Toleranz auswirken

Antworten