Neulagerung eines chinesischen Rollkörners - DM312

Khan
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Neulagerung eines chinesischen Rollkörners - DM312

Beitrag von Khan » Di 10. Jul 2018, 14:01

Hallo,

ich hatte mir in der Anfangszeit einen kleinen günstigen, MK2 Rollkörner, Typ DM312, aus dem Land der Morgenröte gekauft, der zwar von der Verarbeitung und Rundlauf (<5µm) sehr brauchbar war, allerdings schon zu Beginn ein defektes Lager hatte (man konnte Rastpunkte beim Drehen fühlen).

Jetzt habe ich es endlich mal geschafft, die Lager zu erneuern und gegen Qualitätslager auszutauschen.

Die Demontage erfolgte folgendermaßen:

Die zylindrische Fläche der Spitze in ein 3Backenfutter fest einspannen und mit einem Zughammer, der hinten in den MK geschraubt wird, die Spitze aus dem Gehäuse schlagen. Der "Deckel" ist bei diesem Modell nur eingepresst und nicht geschraubt, wie bei den größeren Ausführungen.
Anschließend die Lager von der Spitze/Welle herunter pressen.
Im Deckel befindet sich zwar ein Wellendichtring, der aber zu groß, und damit nutzlos ist. Die Abdichtscheiben des vorderen Lagers sollten aber ausreichend Schutz bieten.
Das kleine Scheibchen am hinteren Ende besteht nur aus einem ausgestanzten, walzrauen Blech (sieht man ja nicht, höhö) und soll wohl das Lager nach hinten abdichten (und/oder die Zentrierung schützen, sollte man die Spitze von hinten ausgeschlagen wollen?)
Der MK2 Schaft schaut nicht nur so kurz aus, sondern ist es auch. Die Reitstockpinole meiner minilathe nimmt leider nur gekürzte MK2 auf, weshalb ich den Schaft (von allen MK2-Werkzeugen) kürzen mußte.

Demontiert_1.jpg

Das vordere 6202 Rillenkugellager übernimmt zusammen mit dem hinteren K7-10-8-TV Nadelkranz die radialen Kräfte. Das mittige 51102 Axialkugellager fängt alleine die axialen Kräfte auf.
Prinzipiell halte ich diese Konstruktion für durchaus tauglich, da das, nach hinten in den MK-Schaft versetzte, Nadellager die Spitze besser abstützen kann. Besser wäre natürlich eine noch größere Abstützlänge, aber der MK2 ist dafür wohl zu dünn.
Die Rollkörner, bei denen einfach die Lager zum kurzen Paket gefasst werden, halte ich hingegen für weniger gut gelöst.

Welle.jpg
Gehäuse.jpg

Die Lagersitze der Spitze und des "Gehäuses" sind geschliffen, und neben kleineren (optischen) Fehlstellen ganz in Ordnung. Der Lagersitz der Spitze hatte zwar knapp 0,015mm Übermaß, was in diesem Fall aber eher von Vorteil ist, da sich durch das Aufweiten des Lagerinnenrings die radiale Lagerluft des Rillenkugellagers minimiert (im besten Fall null Spiel).
Leider hat hingegen der Nadelkranz (der alte sowie der neue) knapp 0,01mm Lagerluft, weshalb die Spitze am vordersten Punkt um circa diesen Betrag wackelt. Eventuell treibe ich noch dickere Nadeln auf, um dies abzustellen. Den Rollkörner benutze ich aber sowie nur bei weniger genauen Arbeitsschritten - in den restlichen Fällen kommt eh die feste HM-Spitze zur Verwendung.

Das neue Rillenkugellager wird zusammen mit einer Axiallagerscheibe (die Lagerscheiben unterscheiden sich im ID und AD) auf die Spitze gepresst und anschließend zusammen mit dem Nadelkranz tiefgekühlt in das erwärmte Gehäuse eingesetzt (fällt dann von alleine rein). Natürlich das Fetten der Lager nicht vergessen.

Lagerung.jpg

Der Rundlauf liegt weiterhin bei <5µm, aber die Spitze dreht sich wieder geschmeidig. Soweit so gut.
Ich find's mal wieder erstaunlich wie die Chinesen so was für diesen Preis hinbekommen (21€ beim deutschen Händler), da stecken ja einige Bearbeitungsschritte drin.

Gruß,
Martin
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miglincit
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Re: Neulagerung eines chinesischen Rollkörners - DM312

Beitrag von miglincit » Di 10. Jul 2018, 15:19

Hallo Martin,
Khan hat geschrieben:
Di 10. Jul 2018, 14:01
ich hatte mir in der Anfangszeit einen kleinen günstigen, MK2 Rollkörner, Typ DM312, aus dem Land der Morgenröte gekauft
könntest du bitte auch den Link zum eigentlichen Produkt einstellen ?

Danke sehr
Thomas

Doc Alex
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Re: Neulagerung eines chinesischen Rollkörners - DM312

Beitrag von Doc Alex » Di 10. Jul 2018, 15:28

Danke fürs Zeigen! Ich finde das immer toll, wenn ich in solche Teile reinschaun darf!

Röhm lagert das übrigens so:

https://goo.gl/images/68JUdj

Viele Grüße

Alexander
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Khan
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Re: Neulagerung eines chinesischen Rollkörners - DM312

Beitrag von Khan » Di 10. Jul 2018, 15:53

Hallo Thomas,
miglincit hat geschrieben:
Di 10. Jul 2018, 15:19
könntest du bitte auch den Link zum eigentlichen Produkt einstellen ?
Ist das verlinkte Bild nicht sichtbar?
Oder geht es dir nur um eine Bezugsquelle? Habe das Bild extra ausgewählt (über Bildersuche), weil ich es mit der Schnittzeichnung, sowie Abmessungen und Kenngrößen für informativer hielt, als eine austauschbare, bearbeite Abbildung in irgendeinem Shop.
Habe das Teil damals bei rcmachines gekauft, du findest es aber auch bei zig anderen deutschen/europäischen Händlern (unter anderer Bezeichnung). Oder eben direkt bei Aliexpress - dort halt nach "live center dm312" suchen.


Hallo Alex,
Doc Alex hat geschrieben:
Di 10. Jul 2018, 15:28
Röhm lagert das übrigens so:
https://goo.gl/images/68JUdj
interessant! Vom Grundaufbau also identisch - nur halt in Besser. ^_^


Gruß,
Martin
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Helix
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Re: Neulagerung eines chinesischen Rollkörners - DM312

Beitrag von Helix » Di 10. Jul 2018, 16:11

Ohne mit dem Verkäufer was zu tun zu haben: Artikelnummer 112607184149 bei ebay, alternativ "MK2 Zentrierspitze mitlaufend" eingeben, dann gut zu finden.

reloader
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Re: Neulagerung eines chinesischen Rollkörners - DM312

Beitrag von reloader » Di 10. Jul 2018, 16:41

Hallo Martin,

besten Dank fürs Zeigen. Ich wollte schon immer mal wissen wie so ein Teil von innen aussieht.


viele Grüße

Edgar

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Re: Neulagerung eines chinesischen Rollkörners - DM312

Beitrag von Doc Alex » Di 10. Jul 2018, 17:22

Moin Martin,

Es gibt für diese nadellager auch fertige Laufhülsen und Buchsen.

Ich könnte wetten, dass das Teil nicht hart ist. Wenn Du nun die zerlegte Aufnahme in den Reitstock spannst und mit einem Bohrer und dann einer Reibahle im Drehfutter die Aufnahme des Nadellagers so aufbohrst, dass da die Hülse als leichte Presspassung reinpasst, könntest Du eine solche dort einpressen. Dann wäre das Spiel wahrscheinlich weg.

https://goo.gl/images/4vNjKu

Idee?

Viele Grüße

Alexander
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Re: Neulagerung eines chinesischen Rollkörners - DM312

Beitrag von wefalck » Di 10. Jul 2018, 17:27

Immer gut, wenn man weiß, wie das Innenleben eines solchen Teiles in der Praxis aussieht - habe auch so eines, aber mit Schaft für 8 mm-Uhrmacherdrehbänke.

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HansD
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Re: Neulagerung eines chinesischen Rollkörners - DM312

Beitrag von HansD » Di 10. Jul 2018, 17:40

Fand ich auch sehr interessant!

Ob man wohl davon ausgehen kann dass alle Spitzen mit zylindrischem Gehäuse den "kurzen" und die mit konischem den "langen" Lagerabstand haben?
Und die mit doppelt-konischer Spitze den "sehr langen"?

Hans
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Re: Neulagerung eines chinesischen Rollkörners - DM312

Beitrag von elmech » Di 10. Jul 2018, 19:04

Hallo, warum messe ich Rundlauf und Fluchten wohl immer mit den präzisen festen Spitzen? Ein Wälzlager hat meist etwas Spiel und da dann noch die Fluchtfehler der Fabrikation dazu? Ein genaues Nivellieren einer Drehbank geht nur mit genauen , festen Spitzen! Da sind Rollkörner nicht geeignet. Zu viele Toleranzen und somit auch Spiel, machen auch die Oberflächen danach, nicht unbedingt sehr gleichmässig. Wenn ich die Preise der Rollkörner sehe, staune ich aber schon lange über die erreichte Präzision , meine Chinaspitze ist mir lieber,als der Schweizer und messen tue ich, bei Beiden, das Gleiche. Der Chinese, wird aber weniger warm und ist nicht schlechter! Grüsse Andi

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