Flycutter

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Rainer60
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Re: Flycutter

Beitrag von Rainer60 » So 11. Nov 2018, 13:19

Heady hat geschrieben:
Sa 10. Nov 2018, 14:11
Die Platte hab ich mit einer 0,01 mm Messuhr quer und längs abgefahren. Die Abweichung der Mitte zur Aussenseite, Anfang zu Ende beträgt weniger als 0,01mm.

Bei Materialaustritt gibts auch keine Probleme mit dem "Hinterschnitt".
Ich habe ein paar Messerköpfe und Planfräser mit 40-50mm Durchmesser aus China probiert. Geht zwar schneller da 4 und 5 Zähne. Aber Oberfläche ist nicht so toll und es gibt Probleme bei Materialausfahrt. Der Rückläufige Schnitt nimmt dann Material ab und verhunzt die Oberfläche, teilweise entsteht eine minimale spürbare Stufe.


Gegen die Unwucht muss ich noch was machen, gibts da eine Methode um diese zu messen und Gegengewichte zu ermitteln?
Hoi heady

Weniger als 0,01mm ist schon recht gut. Prozessicher kriegt man einwandfrei Oberflächen nur mit dem Schlagzahn hin. Wenn die Ebenheit das Hauptkriterium ist bevorzuge ich schmale Fräsbahnen. So gibt es auf die Fläche verteilt sehr kleine Vertiefungen ähnlich den Oberflächen bei Holzbearbeitungsmaschinen.
Bei Messerköpfen muss man immer damit rechnen dass sich ein Span verklemmt und somit nicht prozesssicher. Egal wie teuer und präzise der Fräser und die Werkzeugmaschine ist. Am ehesten noch mit innengekühlten Schaftfräser, welche die Späne verlässlich beiseite spülen oder blasen.

Auswuchten:
Wie schon angemerkt ein Gewinde hinten am Drehmeissel anbringen um Wuchtgewichte zu befestigen.
Da wahrscheinlich keine Auswuchtelektronik zur Verfügung steht, würde ich folgende 2 Varianten vorschlagen:

1) Drehmeissel auf gewünschter Länge einspannen. Zentrum des Flycutters auf Drehmeissel übertragen z.B. mittels Zentrierwinkel. Die Neigung des Drehmeissels ebenfalls übertragen. Nun legst Du den Drehmeissel ausgerichtet entweder auf eine vorstehende spitze Kante oder einen 2mm Stift. Jetzt kannst hinten Scheiben und Gewichte anbringen bis der Drehmeissel auf der Kante pendelt. Damit ist der Flycutter in der Längsachse gewuchtet.
Den Drehmeissel hast aus der Mitte positioniert wegen Frei und Spanwinkel - dadurch aber die Masse aus der Querachse gebracht. Die Klemmschrauben wirken sich diesbezüglich auch nachteilig aus.
Nun kannst mit der von Volker beschriebenen Variante die Querachse wuchten, indem seitlich Gewichte anbringst. Kannst auch auf der schwereren Seite Erleichterungsbohrungen reinmachen, damit weiger Wuchtgewicht benötigst. Die Stabilität darf darunter nicht leiden.

2) Hinten am Spannschaft zentrieren. An der vorderen Seite ein Hilfszentrum anbringen. Z.B. eine Scheibe zentrisch aufschrauben und zentrieren. Den Flycutter auf der Drehmaschine zwischen die Spitzen nehmen und nur so viel anspannen, dass sich der Flycutter leicht drehen lässt. So kannst Längs- und Querwuchten in einer Aufspannung. Ich schätze damit solltest bis 2‘000 U/min. flycuttern können, ohne grössere Vibrationen.

Wenn Du die meist gebrauchten Ausspannlängen markierst und die dazupassenden Wuchtgewichte notierst, hast stets ein einigermassen gut gewuchtetes Werkzeug zur Hand ;-)
Ein adäquater Schutz von möglicherweise wegfliegenden Wuchtgewichten (Bearbeitungsschwingungen?) ist empfehlenswert.

Eine linke Bohrstange mit Spannfläche wäre wohl besser gewesen. Die Masse der Spannfläche würden vermutlich die Klemmschrauben ausgleichen und die Querwuchtung würde entfallen.

Das kriegst schon hin. Die maximal gut verträglichne Drehzahlen vor und nach der Wuchtung würden mich noch interessieren.

BTW: Die zweischneidigen Scheibencutter gefallen mir gut. Eine Schneide etwas abschleifen, damit nur eine Schneide im Einsatz ist und keine Späne verklemmt. Dadurch entfällt das wuchten und ist arbeitssicherer. Zum Zylinderköpfe planen nehme ich einen 6-schneidigen Messerkopf und spanne nur 2 Wendeplatten ein. Eine Neue und eine Alte abgenutzte zurückgeschliffene.
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Gruss Rainer
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Heady
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Re: Flycutter

Beitrag von Heady » Di 25. Dez 2018, 12:09

Zum Auswuchten eine Vorrichtung gebaut. Ist kein Präzisionswunder für ihren Zweck reichts momentan.
IMG_1734.jpg
Mit Gegengewicht siehts dann so aus:
IMG_1732.jpg
Mit weiteren Gegengewicht ists ausgewuchtet:
IMG_1767.jpg

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DerRestaurator
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Re: Flycutter

Beitrag von DerRestaurator » Di 25. Dez 2018, 18:14

Sieht nach einer recht gut durchdachten Durchführung aus, wäre das Auswuchten nicht aber mit Schneidplatte und Spannschraube eigentlich sinniger?
Gut, wir planen mit Messerköpfen, die teilweise auch nur eine Platte eingesetzt haben und die freien Spannschrauben sind durch längere ersetzt, damit man Griffe hat um beim Ankratzen den Messerkopf leichter drehen zu können. Gewuchtet ist da gar nichts und die Drehzahlen sind auch nicht übertrieben hoch. Wenn das Konstrukt dann dreht sollte man natürlich nicht mit den Flossen in die langen Griffschrauben kommen, die haben aber da eh nichts zu suchen...

:hi: Philipp
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Re: Flycutter

Beitrag von 1.2510 » Di 25. Dez 2018, 18:42

Rainer60 hat geschrieben:
So 4. Nov 2018, 16:44
Die Spindellager werden es Dir danken ;-)
Heisst ;-) dass du im Ironiemodus bist?
Grüsse, Rob

Kompliziert kann jeder ...

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Rainer60
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Re: Flycutter

Beitrag von Rainer60 » So 30. Dez 2018, 14:02

1.2510 hat geschrieben:
Di 25. Dez 2018, 18:42
Rainer60 hat geschrieben:
So 4. Nov 2018, 16:44
Die Spindellager werden es Dir danken ;-)
Heisst ;-) dass du im Ironiemodus bist?
Hoi Rob
:offtopic:
Ööh... war im Empfehlungsmodus, sonst hätte ich UN-Wuchtgewichte geschrieben. :nixweiss:
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Gruss Rainer
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mechabert
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Re: Flycutter

Beitrag von mechabert » Di 8. Jan 2019, 02:04

Ich wollte also mal einen Flycutter auf meiner RF30 probieren.
Ganz selbst bauen war mir eigentlich zu blöd, also mal bei Pauli den MK3 bestellt. Den HSS Stahl der dabei war mal geschliffen, war okay (wobei ich bestimmt nicht gut schleife), aber da ich kein HSS Freund bin muss was mit Schneidplatten rein (diesen Luxus gönne ich mir).
DCMT0702.. hab ich massenhaft von meiner kleinen Drehbank rumliegen (in der ich sie lieben gelernt habe), also mal schnell auf ebay einen Chinesen-SDJCL in 12mm bestellt.
Weil ich aber nicht warten wollte (wie das so ist), hab ich meinen Akko SDNCR geschnappt (wofür gibt es die eigetnlich, den hab ich noch nie produktiv verwenden können, warum ich den gekauft hab..?), und den Halter dafür passend gemacht (der Pauli-Halter hat sich sehr bereitwillig zerspanen lassen). Den Akko SDNCR von 12mm auf 8,5mm Höhe runtergefräst (die dürften aus einem anständigen Material sein), und dann passt das.
fly cutter 0.jpg
Der Winkel ist zwar recht flach, aber mit dem durchschnittlichen SDJCR dreht man ja in ähnlich flachen Winkeln (und der SDJCR ist auf der Drehbank mein Lieblingswerkzeug).
fly cutter 1.jpg
Aluplatte rein, mit ~1000rpm gestartet, dann auf ~1500 und schließlich auf ~2000 gesteigert, einwandfrei.
fly cutter 2.jpg
Ich meine, das Ergebnis kann sich sehen lassen (die DCGT Aluplatten schneiden traumhaft), ~2000rpm, 0,1mm Zustellung und wenig Vorschub (ich muss das Poti vom Vorschubmotor mal tauschen, das ist in den unteren bereichen sehr zickig).

Das einzige was mir auffällt, ist diese komische Gratbildung, die man links oben im Bild sieht.
Oder ist es eine Stufe? Die Säule sollte zum Tisch ziemlich normal stehen, sagt zumindest meine Mitutoyo Messuhr. Ich hab den Kopf dann noch naß mit 320er Schleifpapier abgezogen, dann war davon eigentlich nichts mehr zu merken. Mit dem Haarlineal konnte man nicht wirklich was feststellen.

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Rainer60
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Re: Flycutter

Beitrag von Rainer60 » Di 8. Jan 2019, 06:25

Hoi
Sieht ja von der Zerspanung her schonmal sehr gut aus. Bei den Zylinderköpfen sind meist die schmalen Stege zwischen den Zylindern die Problemzone.
Ich wäre erst in der Mitte rübergefahren bis sauber ist. Dann seitlich jeweils eine Span abgeskimmt mit möglichst wenig Überschneidung. Den entstandenen Absatz messen und zustellen bis eine übergangslose Fläche entsteht. Ist halt die Frage ob Du ausreichend Verfahrweg hast.
Aber egal - das Resultat zählt ;-) wenn nach dem abziehen unter dem Haarlineal schwarz ist, passts.
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Gruss Rainer
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Re: Flycutter

Beitrag von FriesenSpan » Di 8. Jan 2019, 10:13

Für mich ist Das auch ohne Belehrung eine perfekte Arbeit :hi:
Auch das beste Werkzeug kann mangelndes Know-How nicht ersetzen.

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Rainer60
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Re: Flycutter

Beitrag von Rainer60 » Di 8. Jan 2019, 11:11

Hoi
Der Unterschied von sehr gut und perfekt :nixweiss: Habe mich nur geäussert zu der angefragten möglichen Stufe und wie man die vermeiden kann im kritischen Bereich. Es liegt mir fern jemanden belehren zu wollen, sondern gebe gerne Tipps und Ratschläge, welche kostenlos sind und nicht angenommen werden müssen.
Ach komm :handshake:
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Re: Flycutter

Beitrag von mechabert » Di 8. Jan 2019, 11:59

Danke :-D ...
Eine Belehrung ist erwünscht, sonst hätte ich die Problemzonen nicht gezeigt und beschrieben.

Also:
Ich hatte Sorge, dass die Z-Achse nicht 90° zur X- (und auch Y-) Achse steht. Wenn ich den Tisch von links nach rechts fahren lasse, hebt der "erste" Bogen des Fräsers Material ab, der zweite nicht. In die andere Richtung hebt der rückläufige Schnitt ein klein wenig was ab. Wirkt also irgendwie, als würde die Säule / der Kopf nicht ganz gerade sein.

Ich hab die Messuhr dann auf der Pinole befestigt, einen 90° Winkel mit Parallelunterlage auf den Tisch gespannt und hab die Pinole runtergekurbelt, die Messuhr blieb ohne Ausschlag. Müsste also in 90° normal stehen, zumindest innerhalb der mir möglichen Messtoleranzen.

Nun, angenommen der Kopf steht nicht ganz gerade, müsste der Fräser ja konvex (schüsselig) planen. Ich hab also bewusst so gefräst, damit zwischen den Stegen die eventuell höhere Position ist, und man dort mit der Dichtung mehr Anpressdruck hat. Vielleicht sollte ich ihn kürzer stellen und 3 Bahnen machen.

Ein Messen der "Kante" ist nicht möglich, da sie dafür viel zu klein ist, und ich über solche präzisen Instrumente nicht verfüge. Eventuell könnte man das irgendwie mikroskopisch betrachten? Muss ich mir mal überlegen.

Der Nutentisch ist etwas vernarbt, vielleicht sollte ich den mal abziehen. Aber an den Ecken hatte ich nach dem Planen überall die gleiche Höhe des Zylinderkopfes gemessen, zumindest mit dem Messschieber und Nonius auf ~5/100 gleich, ich kann nicht meckern.


CNMG-Flycutter:
Ich hab einen Haufen CNMG Platten hier, für die meine Drehbank viel zu zart und zerbrechlich ist. Machen sich aber im unterbrochenen Schnitt sicher gut, denke ich... (ich würde gerne Grauguss planen).
Ich warte noch auf einen chinesischen CNMG Halter, einen DCLNL2020, den ich gerne in 90° zur Spindel montieren würde (wie genau, muss ich mir noch überlegen, wohl durchbohren und mit M8 auf eine Scheibe schrauben..

Wie ich die Scheibe auf einen MK3 befestige, weiss ich noch nicht. Ich hab mir überlegt, sie auf einen normalen 22/27mm Fräsdorn zu stecken. Alternativ könnte ich einen MK3 Bohrfutterdorn nehmen, entweder direkt mit Gewinde (gibts aus Indien auf ebay :nixweiss: ), oder einen B16/B18 abdrehen (wofür hat man sonst DCMT0702 mit PCD Spitze) und ein M14/M16 drauf schneiden, und eins in die Aufnahmescheibe schneiden. Ich bin mir nicht so sicher, was schlauer ist.

Vorschläge?

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