Flycutter

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Rainer60
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Re: Flycutter

Beitrag von Rainer60 » Di 8. Jan 2019, 13:23

Hoi
Messen kannst den Absatz indem Du den Bereich mit der Messuhr abfährst.
Umso grösser der Flycutter Ø ist, desto mehr kommt die Achsenabweichung zum tragen und das Werkzeug zieht tiefer nach.
Je nach Eingriffsbreite des Werkzeuges drücken die Bearbeitungskräfte. Ideal wäre, wenn die Eingriffsbreite aller Durchgänge möglichst gleichmässig sind. So hast Du das Aufschnabeln der Maschine am besten im Griff. Den Retourweg so wählen, dass das Werkzeug nachzieht - sozusagen einen ziehenden Schlichtspan.
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mechabert
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Re: Flycutter

Beitrag von mechabert » Di 8. Jan 2019, 18:22

Wie ist das eigentlich mit der Spindel, wenn diese warm wird? Und das wird sie bei 2000rpm. Nicht heiß, aber doch schön warm.
So 13 ppm/°K Ausdehnung sind bei ~100mm betroffener Spindellänge und ~40K sind doch auch 5/100... die Stufe war zwischen dem Anfangs und zu Ende gefrästen nämlich irgendwie stärker merklich (könnte aber auch am vernarbten Tisch liegen)...

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Rainer60
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Re: Flycutter

Beitrag von Rainer60 » Mi 9. Jan 2019, 07:50

Hoi
Die Wärmeausdehnung der Spindel wird sicher etwas ausmachen. Auf den BAZ lässt man deshalb die Spindel auch erst warmlaufen. Auf CNC- Drehen gibt es im kalten Zustand über die ersten Teile auch Massunterschiede von 1-2/100 im Ø.

Vom vernarbten Tisch kann der Absatz nicht kommen. Könnte es sein, dass die Y-Achse hängt?
Mit einer Rahmenwasserwaage 0,02/1000mm (falls Du eine zur Verfügung kriegst) könntest alle Führungen der Achsen prüfen. Massgeblich ist die Führungsfläche nicht die Tischoberfläche. Die Z-Achse ausrichten und den Tisch mit dem Flycutter abskimmen wäre eine Möglichkeit, wenn die Abweichung gross ist. Nur aufpassen wegen Verschlimmbesserung in Sachen Tischkippung ;-)
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Re: Flycutter

Beitrag von HeinzHerbert » Mi 9. Jan 2019, 08:55

Guten Morgen zusammen,

die wärmeausdehnung halte ich auch für eine der möglichen Erklärungen. Wenn die Schneide im Rückschnitt nicht schneidet und auch keine Spuren hinterlässt, dann denke ich, daß auch der Kopf ganz leicht um die Y-Achse geneigt ist. Andernfalls müsste man einen Kreuzstrich sehen. Damit wird die Fläche eben minimal hohl. Der "Grat" kann dann auch ein vorwiegend optischer Effekt sein. Spürt der Fingernagel denn irgendwas beim Drüberkratzen über die Kante?

Grüße
Georg
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Re: Flycutter

Beitrag von mechabert » Mi 9. Jan 2019, 09:48

Mhja, war ein Denkfehler mit dem Tisch. Deshalb müssten die Bahnen ja trotzdem sauber liegen.

Y-Achse: Naja. "Hängen" kann diese ja nur in relation zur Z-Achse, praktisch würde ich aber wenn von einer schiefen Z-Achse sprechen, konstruktionsbedingt.
Ganz gerade ist sie bestimmt nicht (was ist schon ganz gerade...), aber wenn ich mir Berichte anderer kleinerer Fräsen hier ansehe, bin ich damit eigentlich ganz zufrieden.
Falls ich sie ausrichten sollte (dünnes Blechband unterlegen), hätte ich irgendwie Bedenken, dass die Flächenpressung zwischen der Säulenbasis und der Grundplatte viel geringer wäre... Der Fuß der Säule und die Säule sind ja ein Gußteil, mit 4 xM16(?) auf die Grundplatte geschraubt. Das liegt ja doch auf einer erheblichen Fläche auf, wenn ich jetzt ein Band unterlege... ist das dann noch stabil genug?
Ich werd mich nochmal mit der Messuhr dran machen, vielleicht finde ich ja was. Unsere letzten Messungen waren eigentlich unauffällig, wobei die nicht so penibel waren.

Wärmeausdehnung: Hm, dachte ich mir schon.

Grat/Stufe:
Ich muss nochmals messen, wie viel davon Stufe und wie viel davon Grat sind, ich fürchte nur, dass sich das schwierig gestalten wird. Aber vielleicht schaff ich ja was. Nachdem ich den Kopf dann noch etwas abgezogen habe, war die Kante weg. Ob nun nur die Kante verschliffen war, oder der Grat entfernt war.. wer soll das wissen?

Ich hab letztens eine St37(?) Platte geplant, zu Testzwecken. An deren Rändern hat sich ein wahnsinniger Grat gebildet. Liegt einerseits natürlich an dem Materail, andererseits vermutlich auch an der Schneidegeometrie meines Flycutters. Weil dieser so flach schneidet wohl.
Vielleicht wäre ein Fly-Cutter besser, welcher am Rand eine "Fase" macht, also mit einer Ecke einer WSP schneidet, welche einen stumpfen Winkel hat.
PCKNL würde für CNMG wohl passen, ich muss mal schauen ob alle meine CNMG Platten auf der 100° Seite auch schneiden. PCKNL gibs gebraucht billig, weil sowas wirklich kein Mensch will, aus China leider (zum Glück?) nicht.
Vielleicht wäre das ein Grund, mal CCMT Werkzeuge zu kaufen, aber da hätte ich noch keinen brauchbaren Halter gefunden.

Gestern sind meine APKT1603 Aluplatten von Mitsubishi gekommen, machen einen schönen Eindruck. Fehlt nur noch der Fräser (bin gepsannt ob der Chinesenfräser taugt, mit einer einzelnen Platte bestückt müsste er aber eigentlich genau so taugen...).
Dann wird man ja sehen, wie sich das im Vergleich zum Flycutter schlägt.

edit: Der Fingernagel spürt den Grat. Fein, aber doch. Und ich meine, er spürt ihn von hinten nach vorn gegriffen mehr, als von vorn nach hinten, was für eine Stufe sprechen würde. Aber wie gesagt, da muss ich wohl noch ein Teststück fräsen und mit der Messuhr drüber (mal sehen, ob da was sinnvolles rauskommt, wenn der Zapfen über den Grat "springt").

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Re: Flycutter

Beitrag von Rainer60 » Do 10. Jan 2019, 09:23

Hoi
Je nach Bearbeitungsparameter kommt mehr oder weniger Druck auf das Gesamtsystem (Rahmen, Führungen, Spindel, Werkzeug). So kann es sein, dass sich das Werkzeug in Bearbeitungsrichtung gegen Z- neigt und beim Austritt nachzieht oder genau das Gegenteil. Wenn ich auf der Kleinen was fräse mit Oberflächenanspruch, dann fahre ich von beiden Seiten an und nehme die bessere Seite.

Bei der Maschinengeometrie ist zu beachten, dass die untere Auflagefläche der Y-Achse die Basis bildet. Alles was oben drauf kommt, beeinflusst die Gesamtgeometrie. Somit muss erst die Z-Achse zur Auflagefläche der Y-Achse in beide Richtungen ausgerichtet werden. Der Y-Schlitten bildet das Verbindungsglied zur X-Achse und ist somit ein Schlüsselelement. Als letztes sollte die Tischoberfläche möglichst in Korrespondez aller Achsen liegen.

Ich vermute, dass bei Dir die Z und Y-Achsen nicht schön aufeinander passen.

Auch wenn alles passt, finde ich den Flycutter das richtige Werkzeug um saubere und genaue Oberflächen zu erreichen. Je ganauer das Gesamtsystem ist, desto kleiner den Flugkreis wählen. Vor allem die Eingriffsbreite aller Fräsbahnen sollten möglichst identisch sein, damit das selbe Kräfteverhältnis herrscht. Das ist mit einem verstellbahren Flycutter sehr einfach möglich.
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Re: Flycutter

Beitrag von mechabert » Di 15. Jan 2019, 03:00

So, heute hab ich wieder mit der Fräse gespielt.
Ich wollte eigentlich was ganz anderes machen, aber nachdem das Schutzgas leer geworden ist, hab ich mich von meinem Companion dazu überreden lassen, die Z-Achse empirisch auszurichten.

Ich messe und rechne ja eigentlich gerne, um mir Herumprobiererei zu ersparen. Mein Companion ist da mein Antagonist. Mangels Material und Alternativbeschäftigung hab ich mich dann dazu überreden lassen, die Arbeit empirisch mit "spontan verfügbaren Mitteln" durchzuführen.
blech.jpg
Naja, es ist nunaml dünnes Blech, was will man mehr? :nixweiss:
blech2.jpg
Und wenn dieses dünne Blech zu dick ist, nimmt man eben dünneres Blech. Unter einer gewissen Dicke nennt man das Folie. Irgendwie mach ich mir gerade Gedanken über Kontaktkorrosion. Berechtigt?
Sollte eigentlich, wenn was passiert, nur das Alu auflösen (wäre ja ersetzbar und kein größerer Schaden), oder?
Der Nachteil an dem Pfusch: Eigentlich weiss ich nicht, wie viel wo untergelegt ist, ich kann nicht wirklich was ordentliches Dokumentieren, und wenn ich das Material aus Korrosionsgründen austauschen muss, geht die Einstellerei eigetnlich wieder von vorne los. Messschraube?
bahnen.jpg
Naja, auf jeden Fall haben wir einige Probegänge mit dem Schlagzahn gemacht, für die Ausrichtung X, das Ziel war es, mit dem jeweils Rückläufigen Schnitt in beiden Richtungen kein Material mehr abzunehmen. Für die Ausrichtung der Säule in Y haben wir mit einem billig-HM-Fräser (so aufgelötete Plättchen, ca. D= ca. 70mm Z=4) ein paar Bahnen gemacht. 2080rpm (mehr geht ja nicht), und ordentlich Vorschub. Zustellung 1/10, das geht auch im Eilgang :-D ...
Wie schnell kann so eine Spindel eigetnlich? Also, für 60Hz Betrieb ist das Ding ja gebaut, mit 72Hz wären das dann 3000rpm. Zumutbar?
cutter dcgt2.jpg
Hier der Flycutter. Nicht besonders vorbildlich gebaut, keine Möglichkeit zu wuchten, ein viel zu dünnes/langes L/D Verhältnis. Den Plattenhalter in der Höhe wieder mit einem VHM auf eine passende Höhe gefräst (ich meine, der Akko war irgendwie härter vom Material her, wobei das Chinesending offensichtlich auch okay ist...), und weit außen montiert. Mit 2 von 3 Schrauben. Die hintere Schraube (die 6-Kant) haben wir durchs Loch angerissen (Körnen war schwer möglich, scheinbar Oberflächengehärtet, der teure Bohrer ging dann ganz gut rein), und ein Sackloch gebohrt. Dort dann statt der Madenschraube eine 8.8er rein. Das hat den Sinn, dass das Messer nicht bei 1500rpm davon fliegen kann, das würde einen wohl ziemlich übel zurichten. Einer kraftschlüssigen Verbindung alleine würde ich da nicht vertrauen, ein Formschluss schafft zumindest ein gutes Gefühl.
Der Flycutter meiner Träume sieht auf jeden Fall anders aus.
cutting.jpg
Aber was funktioniert ist erlaubt.
Und was soll man sagen? Die Bilder sagen genug (ich hoffe, das kommt auf ihnen rüber).
Der spitzere Winkel, in dem die DCGT Platte steht, wirkt sich eher positiv als Negativ aus, meine ich.

In der Mitte macht der Cutter ein wunderbares "Kreuzbild", es durchläuft also der rückläufige Schnitt die Bahnen des vorderen Schnittes, taucht aber nicht so weit ein, dass er sie abtragen würde. Ich hab versucht die Spiegelungen etwas einzufangen, anfühlen tut sich das einfach nur glatt. An den Rändern merkt man, dass die jeweils äußere Schneide etwas mehr schneidet, wohl weil der Tisch etwas hängt. Das ist aber eher eine optische Sache und für mich nicht messbar.
kopf1.jpg
kopf2.jpg
Nun, ich bin zufrieden.
Jetzt warte ich auf meine Chinesischen APKT Fräser, diese dürfen dann in Bahnen den Vergleich antreten.
Ich bin gespannt wie genau die Chinafräser sind (die Höhen der einzelnen WSP-Aufnahmen), ob sich da ein Markenprodukt lohnen würde? Freilich könnte ich diese auch nur mit 1 Platte betreiben, aber dann hab ich ja den Vorschubvorteil nicht mehr. Und mit wenig Vorschub Bahnen fräsen ist dann doch eher fad.



Vorerst kann ich es auf jedenfall mal empfehlen, einen Flycutter mit DCMT/DCGT 0702... Platten zu bauen:
Der SDJCL Halter fernöstlicher Produktion scheint soweit gut geeignet. Gäbe es auch als SDJCL 0808, wenn man nichts dran fräsen möchte. Ist halt etwas kurz und zart, ich würde es bevorzugen einen 1212er abzufräsen. Ein Sackloch als Sicherung (sofern man sich damit auf gewisse Durchmesser festlegen will, igendwo stört es vllt. doch beim Spannen), würde ich schon machen, fühlt sich gut an.
Der Plauli Flycutter scheint mir als Basis ganz gut geeignet zu sein. Verfügbar, günstig, qualitativ ausreichend, ohne weitere Modifikationen mit dem SDJCL nutzbar.

Ich denke, damit bekommt man bestimmt auch auf zarten Maschinen brauchbare Ergebnisse. Mit den DCGT-Platten in weicheren Werkstoffen sowiso. Ich hatte immerhin R=85mm/D=170mm, wenn man das etwas kleiner macht, hat man auch noch weniger Belastung mit der Unwucht (bzw. kann man den Drehstahl ja hinten rausschauen lassen, das mindert sie nochmals).

Aber: Ohne Z ausrichten (auch mit Frästest, denn Messen alleine ist hier nicht alles, wer viel misst, misst viel Mist) ist das alles eine eher halbherzige Sache.

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Rainer60
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Re: Flycutter

Beitrag von Rainer60 » Di 15. Jan 2019, 13:01

Hoi
Der Flycutter sieht abenteuerlich aus :o
Das Ergebnis hingegen ist perfekt :2up:
Ich hoffe Du hast durch die Übung nicht zu viel abgenommem, sonst gibt es krumme Nägel :|
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Re: Flycutter

Beitrag von mechabert » Di 15. Jan 2019, 22:09

Ach, es sind erst 1.9mm weg, bis zu den Ventilsitzen sinds nochmal ein paar mm.... die sollte ich rauspopeln, wird dem Flycutter nicht gefallen. Wobei.. heute ist das CNMG-Zeug gekommen, aber ob man das der Spindel antun möchte? Man wird sehen.

Nein, im Ernst, ist ein Übungskopf. Ist wohl schon zu viel weg

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Re: Flycutter

Beitrag von zuendler » Mi 16. Jan 2019, 00:14

Normalerweise nimmt man da nur im Zehntelbereich was weg und erhöht damit die Verdichtung merklich.
Aber das kannst du dir ja ausrechnen. Notfalls muss was an den Kolben runter. 1,9mm läuft wohl nur noch mit 110 Oktan Rennbenzin, dann aber deutlich mehr Power.

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