Der Kleinkram-des-Tages-Schaukasten

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Harald F.
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Re: Der Kleinkram-des-Tages-Schaukasten

Beitrag von Harald F. » Sa 25. Nov 2017, 19:34

Guten Abend,

der Eine oder Andere erinnert sich vielleicht, daß ich vom Textilmuseum "Tuchwerk" in Aachen eine Drehbank bekommen habe - mit dem Versprechen, bei der Anfertigung von Drehteilen behilflich zu sein - ein Versprechen, das ich in dieser Woche mit Freude einlösen konnte.

Am Ende einer Welle einer Doppeldraht-Zwirnmaschine war ein Achsstummel abgebrochen.

http://www.textilmuseum-tuchwerk-aachen.de/spinnerei/ (unten)

Nachdem die freiwilligen Helfer des Museums die Welle ausgebaut hatten, lag sie also auf meiner Werkbank:
zwirnmaschine_DSC00522.JPG
Hier die Bruchstelle wellenseitig:
zwirnmaschine_DSC00525.JPG
Und hier der abgebrochene Achsstummel in dem Kupplungsstück des Antriebs:
zwirnmaschine_DSC00526.JPG
Ich bin mir nicht sicher, aber für mich sieht das nicht nach einem Dauerbruch aus, da das dafür typische "Streifenmuster" nicht zu erkennen ist. Was meint Ihr?

Der Teil mit der Verzahnung liess sich auf der Achse des Kupplungstücks verschieben.
zwirnmaschine_DSC00527.JPG
Die Betrachtung des Übergangs zwischen dem Kupplungsstück sowie die Tatsache, daß dieses zwei Bohrungen für Klemmschrauben aufwies, deutete darauf hin, daß der abgebrochene Wellenstummel nur etwa 20 mm - 30 mm tief in dem Kupplungsstück saß und nicht durchging.
zwirnmaschine_DSC00528.JPG
Also habe ich das Ganze in's Dreibackenfutter gespannt, auf der Bruchfläche zentriert, gebohrt, ein M6 Gewinde geschnitten und den Stummel nach dem Korkenzieherprinzip herausgeholt:
zwirnmaschine_screenshot_video.jpg

Der weitere Plan bestand nun darin, eine neue Achse auf einer Seite mit etwa 20 mm Durchmesser in die Welle einzupressen und auf der anderen entsprechend dem Original mit 35 mm Länge und 14 mm Durchmesser passend zu dem Kupplungsstück zu fertigen.

Dazu musste erst mal ein passendes Loch in die Welle.
Zunächst musste das Lager 'runter, ein zweireihiges Pendelkugellager.
zwirnmaschine_DSC00537.JPG
zwirnmaschine_DSC00539.JPG
Die Welle war für den Spindeldurchlass meiner Emco zu dick.
Auch eine Einspannung mit Lünette war wegen der Länge nicht möglich - da hätte der Reitstock 1/2 m neben der Drehbank schweben müssen.

Also habe ich (ähnlich wie bei Ausbohren meines Torsa Lagers) die Emco zur Horizontalbohrmaschine umfunktioniert:
zwirnmaschine_DSC00553.JPG
Das ist allerdings schneller geschrieben, als gemacht, denn die Ausrichtung durch Unterlegen von dünnen Blechen, Abfahren mit der Messuhr und Kontrolle der Zentrizität mit dem Centricator hat Stunden gedauert.


Nach vorsichtigem Zentrieren sah das gut aus. Das "Loch" saß auch optisch genau in der Mitte der Welle.
zwirnmaschine_DSC00548.JPG
Schrittweise habe ich dann etwas 65 mm tief auf 18 mm aufgebohrt. Der nächstgrößere verfügbare Bohrer hätte 22.5 mm gehabt, was mir bei 30 mm Wellendurchmesser schon zu viel war. Ich hätte das gern gerieben, aber mir fehlte ein MK2 auf MK3 Adapter, mit dem ich die Reibahle in die Emco hätte einspannen können. Also blieb es bei dem "rohen" Bohrloch.

Nun bot sich endlich eine Gelegenheit, mein Micro Maag Innenmessgerät einzusetzen.
Die Bohrung hatte danach je nach Eintauchtiefe einen Innendurchmesser zwischen 17.080 mm und 17.085 mm.
zwirnmaschine_DSC00556.JPG
Dem angestrebten Übermass für die Presspassung entsprechend habe ich dann das "dicke Ende" der Achse auf (knapp) 18.03 mm gedreht. (Als sehr hilfreich erwies sich wieder einmal: https://www.schweizer-fn.de/berechnung/ ... _start.php )
Um das Einführen zu erleichtern, bekamen die ersten 5 mm einen Kegel von etwa 1°.
zwirnmaschine_DSC00578.JPG
Das "dünne Ende" der Welle habe ich am Schluß mit einem HSS abgedreht, dem ich einen ordentlichen Radius verpasst hatte, um einer erneute Zerstörung der Welle durch Kerbwirkungen vorzubeugen:
zwirnmaschine_HSS_Stahl_DSC00571.JPG
Nach dem Anfeilen einer Fläche für die Klemmschrauben lagen die Teile also vor mir:
zwirnmaschine_DSC00573.JPG
Der Achsstummel kam dann für ein paar Stunden in den Gefrierschrank. Das Ende der Welle habe ich dann mit dem Propangasbrennder auf knapp 400 °C erhitzt. Damit fiel die Achse (wegen des Luftpolsters recht sanft) in die Bohrung der Welle. Fertig:
zwirnmaschine_DSC00587.JPG
Ich hatte den dicken Teil der Achse bewusst etwas zu kurz gehalten, um jeglichen Überstand sicher zu vermeiden. Daher ergab sich oben ein etwa 1 mm tiefer Ringspalt, der aber die Funktion nicht beeinträchtigt.

Viele Grüße

Harald

moto-x
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Re: Der Kleinkram-des-Tages-Schaukasten

Beitrag von moto-x » So 26. Nov 2017, 15:55

Wieder mal super gelöst die Aufgabe!!! Die Aufspannung ist einfach Top, nur macht es mir das immer schwieriger, meine geliebte Maximat Standard zu verkaufen. Denn meine zweite Drehbank hat keine Aufspannfläche auf dem Planschlitten, wodurch die Horizontalbohrgeschichte flach fällt. Doch wie man sieht, ist es eben doch des Öfteren ganz hilfreich!

zebbel
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Re: Der Kleinkram-des-Tages-Schaukasten

Beitrag von zebbel » So 26. Nov 2017, 16:34

Das Wetter ist doof, auf Drehbank Reparatur habe ich heute keine Lust und auf Couch schon zweimal nicht.

Also mal schnell was für den Schabernack gemacht.
IMG_2110.JPG

Den Pyramiden Stichel wird wohl mein neues Lieblings Werkzeug auf der Deckel.
IMG_2111.JPG

Stefan hat den mal gezeigt.
Eignet sich nicht nur für gehärtetes Material.

Damit lassen sich super feine Gravur machen ohne das man ständig Angst hat den Stichel abzubrechen.


Schönen Rest Sonntag noch
Grüße David

Selbermacher
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Re: Der Kleinkram-des-Tages-Schaukasten

Beitrag von Selbermacher » Mo 27. Nov 2017, 01:00

Gestern habe ich auch etwas hergestellt, was ich euch hier mal zeigen möchte.
Nichts großartiges und nicht auf meinem Mist gewachsen aber ich finde schon mal ganz gut gelungen.

So sieht das Gelumpe aus:
Version mit kl Batterien.jpg
In meiner ursprünglichen Version waren 3 kleine Knopfzellen mit 6,8mm Durchmesser geplant.
Das passt nämlich super für M8, wenn man etwas großzügig bohrt. ;-)
Das hat auch super und auf Anhieb funktioniert, nur leider war der Laser etwas dunkel da die kleinen Zellen die Spannung nicht halten können.
Also musste ich leider "umstricken"
Version mit gr Batterien.jpg
Die großen Knopfzellen, welche auch im Laserpointer waren, haben einen Durchmesser von knapp 10,4mm.
Also habe ich auf 10,5 gebohrt und ein hauchdünnes M12 rein geschnitten. Hinzu kam eine Aluminium-Hülse mit innen M8 und außen M12 Gewinde. stirnseitig einen Schlitz zum Eindrehen.
Zusätzlich habe ich eine Senkkopfschraube gekürzt, ausgebohrt und auch den Senkkopf von unten runtergedreht, so dass ich das Gewinde etwas weiter schneiden konnte.
Das hat ganz knapp gepasst.

Der vorhandene Laser musste aus seiner Behausung geschält und die Platine angepasst werden:
Platine gekürzt.jpg
Einer Neuer Draht für den Minus-Pol musste her:
Drahnt angelötet.jpg
So sitzt der Laser in seiner neuen Behausung:
Laser eingesteckt.jpg
Knopfzellen von der Seite:
Batterien eingesetzt.jpg
Hülse M12 auf M8:
Gewindehülse eingeschraubt.jpg
Und eine Feder zur Sicherheit:
Feder eingelegt.jpg
So wird dann der Rest Montiert:
Aufbau2.jpg
Fertig verschraubt:
zusammengebaut.jpg
Und funktioniert sogar: :freu:
funktioniert.jpg
In der Praxis hat sich folgendes gezeigt:
Da der Laser nicht genau in der Mitte sitzt, projiziert er immer einen Kreis.
Hier sind es ca. 4mm aus der Mitte und damit wird mindestens ein 8mm Kreis projiziert.
Das werde ich korrigieren, so dass der Laser nahezu einen Punkt schafft.
Dann sind die Bleche für meinen Geschmack etwas steif. Zwar sind meine Spannzangemuttern alle nahezu gleich groß
aber ich werde noch nochmal nach dünneren und etwas federnden Blechen Ausschau halten.

:andiearbeit:
Herzliche Grüße
Harald

rafael
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Re: Der Kleinkram-des-Tages-Schaukasten

Beitrag von rafael » Mo 27. Nov 2017, 10:02

Selbermacher hat geschrieben:In der Praxis hat sich folgendes gezeigt:
Da der Laser nicht genau in der Mitte sitzt, projiziert er immer einen Kreis.
Hier sind es ca. 4mm aus der Mitte und damit wird mindestens ein 8mm Kreis projiziert.
Das werde ich korrigieren, so dass der Laser nahezu einen Punkt schafft.
Die Grösse des Kreises hängt ja vom Abstand zum Werkstück ab. Den Punkt schaffst du nur auf einer ganz bestimmten Höhe, solange der Laser von der Seite schräg leuchtet. Aber die meisten wollen mit dem Gerät ja gerade einen Kreis und keinen Punkt projizieren. Oder habe ich das Problem nicht verstanden?

Gruss Rafael

michiel
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Re: Der Kleinkram-des-Tages-Schaukasten

Beitrag von michiel » Mo 27. Nov 2017, 10:16

Sein Laserpointer sitzt SEITLICH versetzt.
Gruß
Michiel

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Stolle1989
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Re: Der Kleinkram-des-Tages-Schaukasten

Beitrag von Stolle1989 » Mo 27. Nov 2017, 10:37

seitlich versetzt ist ja wie rafael sagt egal sofern man Bohrungen oder Wellenstümpfe etc. anvisieren will.
Allerdings bekommt man eben keinen punkt hin und das kann manchmal von Vorteil sein.
Auf eine Körnung z.B. ausrichten, sollte damit trotz fest gespanntem Schraubstock auf der Fräse recht schnell gehen.

Ich will mir solch Gerät auch noch basteln.
Viele Grüße aus der Braunschweiger Ecke
Lennart

Drehmaschine: Kart EMU 250 + Emco Compact 5
Fräsmaschine: Macmon M100C + Rong Fu 45 oder so
Sägen: Berg und Schmid Kreissäge

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Harald F.
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Re: Der Kleinkram-des-Tages-Schaukasten

Beitrag von Harald F. » Fr 1. Dez 2017, 15:36

Hallo

noch ein Nachtrag zu der Zwirnmaschine:
meine Reparatur hat ungefähr eine Stunde lang gehalten :scheisse:
Ich hatte ja durchaus damit gerechnet, daß die Pressverbindung durchrutschen und das nötige Drehmoment nicht übertragen könnte. Tatsächlich ist aber die Welle exakt an der selben Stelle wieder gebrochen.
Die heutige Fehleranalyse Vor Ort ergab:
Die Welle ist dreifach gelagert, zwei mal (wie gezeigt) mit den Pendelkugellagern zwischen den Wangen der Maschine und (was ich bisher nicht wusste) ein drittes Mal mit einem kleineren Rillenkugellager in einer zusätzlichen Haltevorrichtung. Diese ist offenbar so falsch montiert worden, daß die drei Lager nicht fluchteten. Bei der Montage nach meiner Reparatur wurde scheinbar sogar so viel Gewalt angewendet, daß die Welle (mit bloßen Auge sichtbar) verbogen war. Daß das nur eine Stunde lang gehalten hat, wundert mich nicht :-(
Inzwischen weiss ich auch, welchen Sinn diese verzahnten "Walzen" haben. Sie sind Teil eines Variogetriebes, dessen Keilriemenscheiben geteilt und deren Abstände einstellbar sind.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stufenloses_Getriebe

Die erneute Reparatur soll nun auf einer größeren Drehmaschine mit ausreichendem Spindeldurchlass ausgeführt werden.

Viele Grüße

Harald

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Re: Der Kleinkram-des-Tages-Schaukasten

Beitrag von zebbel » Sa 2. Dez 2017, 14:02

Die Frau hat neue Gewürzedosen gekauft.
Meine Chance Punkte zu sammel und mich vor der Plätzchen backen zu drücken :-D
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rivett
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Re: Der Kleinkram-des-Tages-Schaukasten

Beitrag von rivett » Sa 2. Dez 2017, 14:59

Ich mag auch exotischen Pfeffer, das "Alte Gewürzamt in Klingenberg / Main" ist eine gute Adresse dafür.
:hi: Jost

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