zentraler Arme-Leute-Notaus über Fehlerstrom?

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Karl
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zentraler Arme-Leute-Notaus über Fehlerstrom?

Beitrag von Karl » Mi 6. Nov 2019, 10:41

Mir geht grad so eine Idee durch den Kopf und ich weiß nicht so recht, wo man das evtl. nachlesen könnte ...
... also Frage an die noch praktizierenden Elektro-Meister:

Ist es eigentlich zulässig, einen FI mit einem gezielten Fehlerstrom auszulösen?
Also das, was jeder Steckdosentester oder Duspol (oder der Testtaster am FI selbst) macht?

Ich denke dabei an eine zentrale Abschaltung des Stromes für die gesamte Werkstatt.
Ausnahme wäre natürlich die Deckenbeleuchtung, die hängt an einem separaten FI/LS.

:nixweiss:

- Karl

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pipi
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Re: zentraler Arme-Leute-Notaus über Fehlerstrom?

Beitrag von pipi » Mi 6. Nov 2019, 10:46

Nein, ich denke nicht.
Der FI ist glaube ich nicht mit besonders vielen Schalspielen gesegnet.

Deinen Ansatz müste man am besten mit einen Schalschütz realisieren können, das den Werkstattstrom im Notausfall trennt, oder auch generell beim Verlassen der Werkstatt.

mfg Patrick
Vilh Pedersen VPU1; Klopp Schnellhobler 450; Csepel Säulenbohrmaschine; Oscar Ehrlich Drehe; Friedrich Ondricek Drehe; Frikla WS1; Prusa I3 3d Drucker;
Aber egal was du hast, das was du brauchst, fehlt immer ^^

blondy
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Re: zentraler Arme-Leute-Notaus über Fehlerstrom?

Beitrag von blondy » Mi 6. Nov 2019, 11:14

Moin,
die Idee den Fi-Schalter als Notaus zu missbrauchen hatte ich auch schon mal. FI-Schalter müssen vorgeschriebene Abschaltzeiten einhalten und solange auf dem FI-Schalter "monatlich auslösen" steht, würde ich mir auch um die Schaltspiele keine Sorgen machen. Wenn ich so an die FIs bei mir auf Arbeit denke, die eher wöchentlich als monatlich "getestet" werden, dann hab ich da auch keine Bedenken - Notaus ist ja kein Hauptschalter.
Warum sollte es nicht zulässig sein einen FI-Schalter per Fehlerstrom auszulösen? Beim Anlagentest löst das Testgerät auch per Fehlerstrom aus und misst dabei Auslösestrom und Abschaltzeit.
Als Notaus ist es aber ganz sicher nicht zulässig - da gibt es extra Vorschriften für.
Gruß
blondy

Tut mir leid, aber das ist so eine Macke von mir, immer zu glauben, daß die Antwort etwas mit der Frage zu tun haben müsste.

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Karl
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Re: zentraler Arme-Leute-Notaus über Fehlerstrom?

Beitrag von Karl » Mi 6. Nov 2019, 11:38

pipi hat geschrieben:
Mi 6. Nov 2019, 10:46
Der FI ist glaube ich nicht mit besonders vielen Schalspielen gesegnet.
Naja, wenn ich mir so das Datenblatt für einen FeldWaldWiesenFI wie z.B. den ABB F204 A-40/0,03 anschaue, dann ist der immerhin mit 10000(elektrisch)/20000(mechanisch) Schaltspielen angegeben. Das würde bei durchschnittlich einer Auslösung pro Tag für rund 30 Jahre reichen.

Ich benutze schon jetzt den FI, um manuell ganze Bereiche der Werkstatt stromlos zu schalten, die Frage wäre ja nur, ob ich das "fernsteuern" darf ...

Die ganz freche Variante wäre natürlich, an irgendeiner Schuko-Steckdose ein (selbstgebautes) Gerät anzuschließen, das halt ab und zu einen kleinen Fehler hat :pfeif:
Somit ginge das ohne jeglichen Eingriff in die Installation ...

- Karl

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Re: zentraler Arme-Leute-Notaus über Fehlerstrom?

Beitrag von gerhard_56 » Mi 6. Nov 2019, 12:15

Hallo Karl,
also dürfen darf man das vermutlich nicht, Ferrari darf ja in den Messpausen für den Spritdurchfluss diesen auch nicht erhöhen ;-).

Wenn aber die Schaltspiele des FI das hergeben, dann spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, die Funktion des FI auch regelmässig mit einem "defekten" Gerät zu überprüfen. ;-)
Viele Grüße, Gerhard

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Motormeister71
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Re: zentraler Arme-Leute-Notaus über Fehlerstrom?

Beitrag von Motormeister71 » Mi 6. Nov 2019, 12:47

.....schön, dass es hier offensichtlich nicht so viele Berufselektriker gibt bzw. diese sich recht gelassen geben.....
In anderen Foren wärest du nur für die Äußerung deiner Idee zigfach abgemahnt worden.....geht gar nicht und soo gefährlich.....
Ganz im Ernst, zulässig ist diese Methode mit Sicherheit nicht, zumindest nicht im gewerblichen Bereich. Im privaten Bereich sicherlich auch nicht,
da ja sonst auch alles haarfein aufgedröselt ist, z.B. was du mit / in deinem "Sicherungskasten" zu Hause (nicht) machen darfst.
Die Idee an sich finde ich persönlich jedoch gar nicht mal so übel! Mithilfe von simplen Steckadaptern, ggf. auch mit einer Strippe als "Fernbedienung" dran die
Bude im Bedarfsfall tot zu machen. Ist ja nur für den Fall das.....
Allerdings fällt mir gerade etwas zu den FI´s in Verbindung mit Frequenzumrichtern ein: Manch einer benutzt noch den Standard-FI (Typ A) trotz FU, wobei ja eigentlich zum
FI in der "B"-Ausführung geraten wird. Problematisch soll bzw. könnte sein, dass die Standard FI´s (Typ A) gar nicht mehr richtig auslösen könnten.....
Also unbedingt auch mal regelmässig testen, ob der FI überhaupt noch "kann".....
Trotzdem coole Idee!!! Einfach und effektiv!
....selber habe ich übrigens auch noch einen "Typ A" verbaut..... :popoklatsch:

Gruß
Sven-Eric

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Re: zentraler Arme-Leute-Notaus über Fehlerstrom?

Beitrag von tofro » Mi 6. Nov 2019, 13:07

Ich dreh' mal die Antwort rum:

Nachdem es durchaus FI-Schalter gibt, die selbsttätig mehrfach wiedereinschalten (z.B. als Blitzschlagschutz), und auch ferngesteuerte FI-Schalter, die per Fernbedienung wiedereinschalten, dürfte dein Vorschlag den Anspruch an einen Not-Aus nur sehr eingeschränkt erfüllen (da mus "aus" eben "sicher aus" sein).

Wenn dein Elektriker deinen FI testet, bringt er ein Gerätchen mit, das absichtlich einen Fehlerstrom fliessen lässt (mancher macht das mit dem Lastschalter des Duspols, es gibt aber auch spezielle Geräte dafür). Direkt "verboten" kann's also nicht sein.
Jemandem schon mal aufgefallen, dass die Anzeigen "Sie nutzen nur 30% ihres Gedächtnispotentials" zeitgleich mit der Einführung der IBAN verschwunden sind?

HansN
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Re: zentraler Arme-Leute-Notaus über Fehlerstrom?

Beitrag von HansN » Mi 6. Nov 2019, 13:10

Ein FU funktioniert also mit Standard FI, aber ein Standard FI löst dann an allen Geräten hinter einem FU (nur) nicht (richtig) aus?

Ich habe bisher extra die Finger vom FU gelassen, weil mein Elektriker auf Anfrage zum passenden FI zur Anschaffung eines FU, das Thema als extrem kompliziert dargestellt hat.

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Re: zentraler Arme-Leute-Notaus über Fehlerstrom?

Beitrag von JollyRoger » Mi 6. Nov 2019, 13:37

Karl, eigentlich wollte ich hier nicht antworten, da ich alles andere als eine Fachkraft bin. Ich habe aber aus Interesse nachgegoogelt und folgendes gefunden, vielleicht hilft dir das:

https://elektrohelden.rexel.de/de-de/fo ... --geht-das
Im Abschnitt 530.4.5 der Errichter-Norm DIN VDE 0100-530 wird ausdrücklich verboten, "Schutzeinrichtungen zum betriebsmäßigen Schalten von Stromkreisen vorzusehen".

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Re: zentraler Arme-Leute-Notaus über Fehlerstrom?

Beitrag von tofro » Mi 6. Nov 2019, 13:47

Ob ein Not-Aus für das "betriebsmäßige Schalten von Stromkreisen" vorgesehen ist, wäre sicher diskutierbar. Ich denke: Eher nicht. Er ist genauso eine Schutzeinrichtung wie der FI selber.
Jemandem schon mal aufgefallen, dass die Anzeigen "Sie nutzen nur 30% ihres Gedächtnispotentials" zeitgleich mit der Einführung der IBAN verschwunden sind?

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