Wie viele Steckdosen auf Sicherung

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JollyRoger
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Wie viele Steckdosen auf Sicherung

Beitrag von JollyRoger » Di 25. Sep 2018, 22:17

Hallo,

mich plagt momentan ein elektrisches Thema... Ich richte grad bei meiner Holden eine Werkstatt ein bzw. gestalte eine vorhandene Werkstatt um. Da haben halt schon viele anderen Herren reingepfuscht und ja... mir macht die Elektrik Bauchweh.

Es sind zwei Werkstätten, in denen aber nie gleichzeitig gearbeitet wird, eine für Holz und die andere für Metall, gleich nebenan hängt der Sicherungskasten, die Räume sind direkt nebenan. Momentan sind z.B. die Schukodosen so verschalten, dass das Kabel in eine Dose reingeht und aus der nächsten wieder rauskommt, so ca. 6x hintereinander. Dass das Pfusch ist steht außer Zweifel und ich habe mal einen Elektriker geholt. Meine Bitte an ihn: Beseitige mal den Pfusch aber mach es bitte möglichst günstig. Der Hintergrund ist der, dass der Opa meiner Freundin noch ab und an in der Metallwerkstatt bastelt. Da steht aber eine Kompletträumung an wenn er mal nicht mehr kann und dann möchte ich die Werkstatt auch verlegen bzw. wird das doch etwas baufällige Gebäude dann wohl abgerissen. Ich will jetzt keine x000€ investieren um dann in ein paar Jahren alles dem Bagger zum Fraß vorzuwerfen aber es soll zumindest sicher sein.

Mich hat es jetzt aber voll auf den Arsch gesetzt, als ich das Angebot gesehen habe. Von den Vorsicherungen zur Werkstatt sind es keine 10m, hier wurde ein 5x4mm² Erdkabel verlegt. Dann ist da ein 3x16A Leitungsschutzschalter und an dem Schalter hängen 6 Kraftstromdosen, 6 Neonröhren und 10 Schuko-Dosen. In jede der Werkstätten läuft ein 5x2,5mm² Kabel, ausgehend vom Sicherungskasten.

Meine private Meinung: Man darf halt nicht zu viele Geräte auf einmal betreiben. Ich hätte ein paar Verteilerdosen gesetzt, die Last auf alle drei Phasen verteilt, die Feuchtraumsteckdosen neu gemacht, Kabel mit 3x2,5mm² bzw. 5x2,5mm² Aufputz in Panzerrohr, 2-3 Neonröhren mit 3x1,5mm² an die Wand damit das Licht mal akzeptabel ist und in jeder Werkstatt eine Notleuchte, falls man mal den Stromkreis überlastet und das Licht auch weg ist. Vom Elektriker kostet mich das ein paar hundert Euro mit Material, ist nicht ideal aber zumindest sicherheitstechnisch akzeptabel.

Die Meinung des Elektrikers: Kabel mit größerem Querschnitt eingraben (!), Formatkreissäge und die anderen "schweren" Maschinen fix anklemmen, neuer Sicherungskasten, Beleuchtung etc. völlig neu... weil ja nicht so viele Verbraucher an einer Sicherung hängen dürfen. Kostenpunkt: Mindestens Faktor 10 höher als meine Schätzung.

Ich bin kein Profi aber elektrotechnisch auch nicht ganz dumm und fühle mich falsch behandelt. Ich sehe nicht ein, weshalb ich ein neues Erdkabel eingraben und die Formatkreissäge mit ihren 4kW, den Kompressor und andere Geräte fix anklemmen soll. Ich sehe auch nicht ein, weshalb jede Kraftdose eine eigene Sicherung braucht, wo ich doch eh nicht alle gleichzeitig betreiben will. Ich bin kein Handwerksbetrieb und es soll eine Lösung her, mit der ich in den nächsten paar Jahren ruhig schlafen kann und keine, wo 10 Leute gleichzeitig arbeiten können.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo zwischen den zwei Meinungen...

Also: Wie viele Dosen dürfen an einer Sicherung hängen? Gibt es hierfür Richtlinien oder Vorschriften? Wie sieht eurer Meinung nach eine vernünftige Lösung aus?

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Niskie
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Re: Wie viele Steckdosen auf Sicherung

Beitrag von Niskie » Di 25. Sep 2018, 22:42

Mach doch mal zuerst eine Bestandsaufnahme: Wie viele Stromkreise gibt es, wie sind die abgesichert (Stromstärke, Auslösecharakteristik) und mit welchem Querschnitt und welcher Leitungslänge ausgeführt? Es ist völlig normal, dass in einem Stromkreis mehrere bis viele Steckdosen sind.

Wie oft fliegt bei derzeitiger Benutzung eine Sicherung?

Wenn die Steckdosen nicht ordnungsgemäß angeschlossen sein sollten, dann würde ich auch nur das in Ordnung bringen.

Gruß Peter
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udowet
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Re: Wie viele Steckdosen auf Sicherung

Beitrag von udowet » Di 25. Sep 2018, 22:46

Moins.

In D gibt es m.W. keine Vorschrift fuer die Zahl der Steckdosen in einem Sicherungskreis. Wie das in OE aussieht...k.A. Die 5 x 4 reichen mMn voellig aus. Ich seh ueber die kurze Strecke nun auch keinen uebertrieben hohen Spannungsabfall. Ob die Leitung fuer Verlegung in Erdreich taugt und korrekt verlegt ist, ist eine andere Frage. Das kann man aber nachlesen. Im Grunde folge ich da Deiner Vorstellung durchaus ganz allgemein. Ich wuerde 2 Stromkreise fuer 240 V Steckdosen vorsehen, und 2 oder 3 fuer 400 V, und dann die Maschinen sinnvoll verteilen. Querschnitte unter 2,5 mm2 wuerde ich keine verwenden. Warum der die Maschinen zwingend fest anschliessen zu muessen glaubt, erschliesst sich mir auch nicht. Fuer was sind denn seiner Meinung nach die dicken 32 A Stecker und Dosen erfunden worden? Rasierer?

Ich glaub, der Elektriker will alles perfekt machen, vor allem die Rechnung.

Gruss,

Udo

depitter
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Re: Wie viele Steckdosen auf Sicherung

Beitrag von depitter » Di 25. Sep 2018, 22:56

es gibt meines Wissens nach keine Vorgaben wieviele Steckdosen Du an eine Sicherung montieren darfst.
Wenn Du von ca.500 Watt pro Steckdose ausgehst, kannst Du 6 an eine Sicherung hängen, das hängt aber maßgeblich von Deinen Verbrauchern ab.
Das Erdkabel wird der Elektriker nach den Vorsicherungen berechnet haben, hast ja jetzt nicht geschrieben wie stark die sind, gegebenenfalls kann man die ja durch schwächere ersetzen, brauchst ja nicht mehr Leistung als die 3x16A.

Die Preise sind teilweise echt gesalzen, das schlimme ist, oft kann der Handwerker gar nichts dafür.
Wenn ich sehe was bei mir als kleinem Familienbetrieb alles an Kosten anfällt wenn ich mal eine Aushilfe nehme wird einem schwindelig.

Ich tendiere da persönlich eher zu Deiner Lösung, man kann es auch übertreiben.
Übrigens bezahlt die Hausrat bei einem Brand nur Geräte die fest angeschlossen sind, wenn da teure Maschinen stehen sollte man das auch bedenken.
Gruß
Dieter

AchimS
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Re: Wie viele Steckdosen auf Sicherung

Beitrag von AchimS » Di 25. Sep 2018, 23:00

Diese Überdimnesionierungwut hatte ich bei meiner Elektronachrüstung auch. Derselbe (!) Elektriker, der vor 30 Jahren den Neubau
verkabelt hatte, zwei 16A CEE auf eine UP Dose, eine dreht falschrum und über drei einzelne LS abgesichert, wollte mir jetzt 16mm2
Anschluß meiner Unterverteilung, einzelnes Anfahren inkl. 3LS jeder CEE Dose "verkaufen".
Ich habe mir die passenden Verlegerichtlinien besorgt, eine Leistungskalkulation aller meiner Maschinen gemacht und bin bei 6mm2
Anschluß der UV angelangt.

Ich habe bei der Beschaffung der Komponenten ziemlich gesucht, da liegt zwischen sehr günstig und mittelpreisig u.U. ein Faktor
1,2 bis 1,8. Bei identischer Ware (Busch-Jäger, ABB, Hager, etc.)!

Ich habe z.B. immer zwei 16A CEE und zwei Schuko Doppeldosen (3fach sind viel zu teuer) auf einen LS bzw. 3LS geklemmt.

Montiert und verklemmt habe ich das selbst - bis auf den Anschluß an die Hausverteilung, das habe ich machen lassen. Dazu wurden dann
die Panzersicherungen gezogen (mit speziellem Schutzhandschuh).

Hier der Thread von damals: viewtopic.php?f=15&t=32019&start=10

Gruß
Achim

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Rockwell
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Re: Wie viele Steckdosen auf Sicherung

Beitrag von Rockwell » Di 25. Sep 2018, 23:16

Aus der Beschreibung lese ich keinen handwerklichen Pfusch heraus. Für den Ausstattungswert (wimre ist das der Fachbegriff) gibt es durchaus Vorschriften, weil man sonst halt wegen zu geringer möglicher Anschlusswerte von einer mangelhaften Installation ausgeht. Kann halt sein dass der Elektriker anderslautende Aufträge (selbst schriftlich) nicht akzeptiert weil es halt immer wieder so Deppen gibt, die hinterher trotzdem mit dem Anwalt ankommen und sie wären nicht richtig beraten worden, bla blub -> so ist die Welt halt leider.
Ansonsten: Ein FI-Schutzschalter macht Sinn, sollte ggf. nachgerüstet werden.
Liebe Grüße / Christoph

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Niskie
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Re: Wie viele Steckdosen auf Sicherung

Beitrag von Niskie » Di 25. Sep 2018, 23:24

FI ist immer so ein Thema. Für Schukosteckdosen macht er Sinn. Bei stationären Drehstromverbrauchern würde ich lieber eine separate Erdleitung zur Maschinenmasse vorsehen, erst recht dann, wenn irgendwo noch ein FU dranhängt. Zumindest in D besteht keine FI Nachrüstpflicht im Bestand.

Gruß Peter
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Doc Alex
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Re: Wie viele Steckdosen auf Sicherung

Beitrag von Doc Alex » Di 25. Sep 2018, 23:31

Letztendlich sind doch 2 Dinge zu erfüllen:

1. die Leitung darf nicht überlastet werden. Das geht ganz einfach: Ein Leitungsschutzschalter (Sicherung) schützt das Kabel.

Hier die Belastungsgrenzen

https://library.e.abb.com/public/a6d7a9 ... ewfile.pdf

2. Die Sicherung muss sicher auslösen bei einem Kurzschluss.

Ein B Automat darf bei 3xNennstrom und muss bei 5x Nennstrom auslösen. Somit muss man sicherstellen, dass dieser 5 fache Nennstrom auch fließen kann. Daraus ergibt sich Leitungslänge und Querschnitt. Nach Umbau muss dieserKurzschlusstrom sowieso gemessen werden.

Mehrfachbelegung kannst Du bis zum Abwinken machen. Was soll passieren? Die Sicherung fliegt raus und gut ist. Ich habe in der Werkstatt 2 Lichtstromkreise. Und 2 Drehstromkreise (1x16A und 1x32A).

Fest angeschlossene Geräte brauchen keinen FI.das ist der einzige Unterschied.

Gutes Gelingen

Alexander
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Re: Wie viele Steckdosen auf Sicherung

Beitrag von Doc Alex » Di 25. Sep 2018, 23:35

Niskie hat geschrieben:
Di 25. Sep 2018, 23:24
FI ist immer so ein Thema. Für Schukosteckdosen macht er Sinn. Bei stationären Drehstromverbrauchern würde ich lieber eine separate Erdleitung zur Maschinenmasse vorsehen, erst recht dann, wenn irgendwo noch ein FU dranhängt. Zumindest in D besteht keine FI Nachrüstpflicht im Bestand.

Gruß Peter
Die zusätzliche Dicke Erdleitung ist aber für EMV. Die Schutzerde kommt dann über das Versorgungskabel....
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Re: Wie viele Steckdosen auf Sicherung

Beitrag von Doc Alex » Di 25. Sep 2018, 23:38

Ach ja: Sicherungen kosten inzwischen nix mehr. Ein ABB ist für 1,3€ zu haben...
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