Seltsamer Defekt auf Steuerplatine Rotwerk EDM 300 behoben

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WL190
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Seltsamer Defekt auf Steuerplatine Rotwerk EDM 300 behoben

Beitrag von WL190 » Fr 8. Apr 2011, 00:18

Hallo!

Ich hoffe, ich platziere den Reparaturbericht hier an der richtigen Stelle. Oder wäre er unter Hobby-Drehmaschine besser aufgehoben? Dann bitte verschieben!

So, nun zum Bericht. Der Tag ist bei mir heute etwas anders verlaufen, als ich mir das gedacht hatte! Morgens habe ich mich erst einmal etwas im Garten zu schaffen gemacht. In der Mittagspause wollte ich dann noch schnell zwischendurch ein Loch in einer 5 mm dicken Stahlscheibe von 15 mm auf 20 mm aufweiten auf meiner Rotwerk EDM 300. Da war ich wohl etwas zu eilig und habe zu schnell an der Pinole gedreht, denn plötzlich würgte ich das Maschinchen ab. Nun, eigentlich nicht der Rede wert, das kommt schon mal gelegentlich vor. Nur das Problem war, die Maschine ließ sich nicht wieder einschalten!

Kurz überlegt! Spannung kam in der Maschine an, denn der Schalter leuchtete grün. Sollten die beiden Feinsicherungen (3,15 A träge) hinüber sein? Dazu schnell den Schaltkasten geöffnet und die Sicherungen durch gemessen Die waren i.O! Was ließ sich noch auf die Schnelle prüfen? Nun habe ich zuerst mal den Netzstecker gezogen und die "dickeren" Bauteile befühlt, ob da etwas ungewöhnlich warm war? War aber nicht! Aber als ich den äußeren von 3 nebeneinander eingelöteten Folienkondensatoren berührte, drehte der sich plötzlich ein paar Millimeter zur Seite? Das gibt es eigentlich doch gar nicht, weil die Anschlüsse dazu gar keine Luft lassen. Und als ich die beiden anderen Kondensatoren auch einseitig bewegen konnte, war klar: hier ist was faul!
IMG_8630.jpg
Das ist die freigelegte Steuerplatine meiner Rotwerk EDM 300. Die 3 dunkelgrauen Quader in der Mitte rechts sind die defekten Kondensatoren.

Also schnell die Platine ausgebaut. Dazu mußten die 12 Anschlüsse an der Klemmleiste gelöst werden und einige Befestigungsschrauben. Die Anschlußkabel sind glücklicher Weise alle vorbildlich mit Nummer versehen, so daß es keine Frage gibt, wo welches Kabel hingehört! Als ich die Platine dann in der Hand hatte, konnte ich erkennen, daß bei allen 3 Kondensatoren der Anschlußdraht direkt an der Austrittsstelle des Drahtes abgerissen war! Das hatte ich so noch nie erlebt!
Abgerissene Kondensatoranschlüsse 01.jpg
Hier kann man 2 der abgerissenen Anschlußdrähte erkennen, nachdem ich den Kondensator etwas seitlich verdreht und angehoben habe.
Abgerissene Kondensatoranschlüsse 03.jpg
Der Abriß erfolgte immer direkt an der Stelle, wo der Draht aus der Vergußmasse aus tritt. Daher kann man hier nur den Lötpunkt an der Platinenunterseite erkennen.
Abgerissene Kondensatoranschlüsse 04.jpg
Erst aus diesem Blickwinkel sieht man beide Drahtenden!

Nun fiel mir ein, daß ich ja vor ca. einem Jahr schon mal ein ähnliches Problem mit der Maschine hatte. Da ließ sie sich nämlich auch plötzlich nicht mehr einschalten. Da hatte ich dann nach vergeblicher Fehlersuche eine neue Platine bei "toolarena" bestellt und eingebaut. Das war die jetzt defekte Platine. Sofort habe ich mir die alte Platine aus dem Schrank geholt und auch genau unter die Lupe genommen! und kaum zu glauben, auch da waren alle 3 Kondensatoren an der gleichen Stelle abgerissen!

Jetzt wollte ich es wissen! Die Platine wieder kurz eingebaut, die Kondensatoren schön gerade zurecht gerückt und von oben leicht gegen die Platine gedrückt, damit der Kontakt zwischen den abgerissenen Enden wieder hergestellt war. Dann den Schalter betätigt und, oh Wunder, die Maschine drehte sich wieder!

Damit war nun endgültig klar, daß ich nur die Kondensatoren austauschen mußte. Ich habe sie dann schnell ausgelötet, und weil das Wetter recht schön war, mich auf mein Fahrrad geschwungen und gerade nach Bielefeld gefahren zum Elektronik-Bauteilehändler. Leider hatte der die Kondensatoren nur in einem etwas größerem Rastermaß da, aber das macht nichts, das ließ sich anpassen. Für ein paar Euro wechselten die dann den Besitzer!
Unterschiedliche Rastermaße.jpg
Leider hatten die neuen Folienkondensatoren bei sonst gleiche Werten ein etwas größeres Gehäuse und damit ein anderes Rastermaß. Aber wie man sieht, läßt sich das in Grenzen anpassen. Welches der defekte Kondensator ist, dürfte wohl unschwer zu erkennen sein.

Wieder zu Hause habe ich dann zuerst die alte Platine neu bestückt, denn da hatte ich die Kondensatoren ja schon ausgelötet. Mit einer Entlötpumpe habe ich dann zuerst die Löcher auf der Platine von Zinnresten und den abgerissenen Drahtenden befreit und anschließend die neuen Kondensatoren eingelötet. Dann habe ich die Platine natürlich sofort in der Maschine getestet und sie lief, wie erwartet!

Natürlich habe ich auch gleich die andere, neuere Platine repariert. Die habe ich allerdings nicht extra zum Test noch mal eingebaut.

Man stellt sich nun die Frage, warum konnte das passieren? Ich vermute, daß da Schwingungen und Resonanzen eine Rolle gespielt haben und so nach und nach ein Anschluß nach dem anderen Baden gegangen ist. Da die 3 Kondensatoren parallel geschaltet sind, fiel das wahrscheinlich erst auf, als der letzte abgerissen ist! Das scheint irgendwie ein Schwachpunkt an der Platine zu sein, denn sonst wäre doch wohl kaum an zwei der gleiche Fehler aufgetreten.

Damit mir das gleiche Elend nicht noch einmal passiert, habe ich nun die Kondensatoren mit ein paar Tropfen Heißschmelzkleber untereinander und mit der Platine verklebt.
IMG_8632.jpg
So habe ich die neuen Kondensatoren jetzt untereinander und auf der Platine fixiert mit etwas Heißschmelzkleber. Damit hoffe ich, sind sie besser gegen Brüche der Anschlußdrähte durch Schwingungen geschützt.

Natürlich habe ich mir auch die Frage gestellt, warum ich das Problem nicht schon bei der ersten Platine von ca. einem Jahr erkannt habe. Denn da habe ich mir die Bauteile auch genau angesehen. Aber man mußte schon den äußeren Kondensator an der richtigen Stelle berühren und seitlich verdrücken, denn nur dann fiel der Fehler sofort auf. Erst wenn dieser ein paar Millimeter zur Seite geschoben war, ließen sich die beiden übrigen Kondensatoren auch bewegen. Zur anderen Seite war kein Platz, da sie sich dort an einem Transistor oder ähnlichem abstützten!

So bin ich jetzt im Besitz von 2 funktionsfähigen Steuerplatinen! Da kann der Fehler ja eigentlich auch gar nicht noch mal auftreten, denn es geht doch meist etwas kaputt, für das man natürlich gerade keinen Ersatz vorrätig hat!

Aber es ist immer wieder schön, wenn man einen Fehler finden und beheben kann, und außerdem bin ich so heute ungeplant auch noch zu einer Fahrrad-Tour gekommen! Und auch die heute nicht mehr erledigte Gartenarbeit läuft mir ja nicht weg! Ich sehe das alles positiv!

MfG

Wilhelm

Ulrich.14
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Re: Seltsamer Defekt auf Steuerplatine Rotwerk EDM 300 behob

Beitrag von Ulrich.14 » Fr 8. Apr 2011, 00:52

Hallo Wilhelm,

bei solchen schweren Bauteilen ist es wichtig, daß sie mit dem Gehäuse beim Verlöten fest auf der Platine aufsitzen. Damit ist auch schon viel erreicht. Das Verkleben ist aber das Sicherste.

Gruß Ulrich

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WL190
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Re: Seltsamer Defekt auf Steuerplatine Rotwerk EDM 300 behob

Beitrag von WL190 » Fr 8. Apr 2011, 00:58

bei solchen schweren Bauteilen ist es wichtig, daß sie mit dem Gehäuse beim Verlöten fest auf der Platine aufsitzen. Damit ist auch schon viel erreicht. Das Verkleben ist aber das Sicherste.
Hallo Ulrich!

Ja, da hast du wohl recht! Aber eben weil die Bauteile direkt auf der Platine aufsaßen, ist mir bei der ersten Platine damals der Abriß esd Anschlusses nicht aufgefallen. Aber das Verkleben sollte das Problem ja nun wohl beheben. Das hoffe ich jedenfalls!

MfG

Wilhelm

phil
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Re: Seltsamer Defekt auf Steuerplatine Rotwerk EDM 300 behob

Beitrag von phil » Fr 8. Apr 2011, 06:24

Hallo Wilhelm,

Ja, sowas kommt schon mal vor.
Und zwar gar nicht so selten.
In guten Produkten sind größere und schwere bauteile unter anderem auch ganz einfach festgeklebt.
Das is aber eventuell hinderlich wenn man die teile mal tauschen möchte.
Gut, heutzutage immer weniger, oft werden einfach ganze module getauscht,wegwerfgesellschaft läßt grüßen.
Was solls,wir ham´s ja eh (noch).

Eine bessere Alternative finde ich z.b. Drahtklammern oder Stecksockel für solche teile einzusetzen.

Ich habs aber schon öfter erlebt, daß sich auch "Hühnerfutter", ablöst.
Das sind die ganzen kleinen teile auf der platine, wie Widerstände,Dioden, kleine Kondensatoren, auch transistoren, temperatur schalter, und ja sogar mini winzige sicherungen kommen vor.
Also immer genau schauen, am besten mit lupe, von allen seiten.

Die kleinen Sicherungsbausteine sind übrigens ziemlich fies.
Wenn man nämlich den zum gerät passenden schaltplan nicht bei der hand hat,
kommt man nämlich gar nicht auf die idee, daß da eine sein könnte.
Nur wer genau hinsieht und sucht, kann sie erkennen:
Meist auf dem Board mit "Fx" bezeichnet.
F steht für Fuse und x steht für eine fortlaufende nummer.
meist mit 1 oder 2 nullen davor.
Aber nicht alle hersteller lassen die bauteilbezeichnungen auf die platine drucken.

Sollte jemand mal keine Bezugsquelle für ersatzteile haben, kann er mir auch mal ne PN schicken.
Ich hab noch einige Teile als Reserve im Haus.
Ich wollte die sammlung schon verkaufen, dachte aber, wenn ich das mache,
steigt die wahrscheinlichkeit daß bei mir irgendwas kaputt geht SOFORT sprunghaft um ein vielfaches an.
Es tritt sofort Murphys Law in Kraft.

Ein Großhändler Lager hab ich zwar nicht, aber das eine oder andere ist schon dabei, das kann ich dann gern gegen Versandgebühren abgeben.
Nachdem vor einiger zeit der einzige Fachhändler hier weit und breit dicht gemacht hat, hab ich diesen hobbybereich gänzlich aufgegeben.

MfG,
---> Phil
Egal was du tust, vergiß dabei nicht:
Der Teufel schläft nicht...

richard57
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Re: Seltsamer Defekt auf Steuerplatine Rotwerk EDM 300 behob

Beitrag von richard57 » Mo 16. Mai 2011, 20:22

Hallo Wilhelm,

verkaufst du vielleicht deine zweite Steuerplatine, ich hab eine Rotwerk 300DS mit leider defekter Steuerplatine und deine müsste passen. Die gleichen Bauteile, nur etwas anders plaziert und die Anschlüsse sind auch gleich.

Gruß Richard

Bob
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Re: Seltsamer Defekt auf Steuerplatine Rotwerk EDM 300 behob

Beitrag von Bob » Mi 18. Mai 2011, 22:19

Hallo zusammen,

ich hatte heute auch einen Ausfall meiner Rotwerk EDM 300. Ich habe zum Verstärken der Säule meiner Feida ZX 7016 (Camelbus) - Fräse eine 70mm- Gewindemuffe auf 65mm abgedreht. Als ich fertig war, ging in der Werkstatt das Licht aus (Steckdosen und Licht leider entgegen Planung ein Kreis). Der RCD oder die Sicherung war rausgeflogen. Durchmessen zeigte, dass es zu einem Fehlerstrom kommt. Nach Abklemmen des Motors war das Problem behoben. Im Motor steckte auf der dem Lüfter abgewandten Seite ein ganz feiner langer gerader Stahl-Span. Jetzt läuft sie wieder.
Und: Alkohol hilft Dir! Ich habe die Öffnung in der Vorderseite des Maschinenbetts, hinter der Leitspindel gelegen, mit einem abgesägten Sektkorken verschlossen - das sollte jetzt nicht wieder vorkommen.

Gruß

Bob

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Re: Seltsamer Defekt auf Steuerplatine Rotwerk EDM 300 behob

Beitrag von WL190 » Mi 18. Mai 2011, 23:29

Hallo Wilhelm,

verkaufst du vielleicht deine zweite Steuerplatine, ich hab eine Rotwerk 300DS mit leider defekter Steuerplatine und deine müsste passen. Die gleichen Bauteile, nur etwas anders plaziert und die Anschlüsse sind auch gleich.

Gruß Richard
Hallo Richard!

Wegen einiger Tage Kurzurlaub habe ich deine Anfrage erst jetzt gelesen! Meine "Ersatzplatine" ist leider schon anderweitig vergeben. Aber eine Neue bekommst du innerhalb weniger Tage über toolarena.com. Die liefern immer sehr schnell und hatten bisher alle Ersatzteile auf Lager. Ich habe inklusive Versandkosten und Mwst. letztes Jahr für meine Platine ca. 87 € bezahlt. Wäre mir der Fehler mit den 3 Kondensatoren gleich aufgefallen, hätte ich mir das natürlich sparen können, denn die zu ersetzen, war ja ein Kinderspiel!

MfG

Wilhelm

oldradio
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Re: Seltsamer Defekt auf Steuerplatine Rotwerk EDM 300 behob

Beitrag von oldradio » Do 19. Mai 2011, 23:10

Mal etwas zu Thema löten...

Es ist ein weit verbreiteter Fehler, (neuerdings) Bauteile auf der Platine aufsitzen zu lassen .
Das Abreisen ist vorprogrammiert !!!
Einfach nach zu vollziehen
- je nach Schwall Temperatur heizt sich der zu kurze Draht auf ...
Nach erfolgten abkühlen ,kommt es zu einer Material Spannung in den Anschlussdrähten.
Der Abriss ist somit vorprogrammiert ...

Böser Fehler

Beste Grüße
Hasso

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Re: Seltsamer Defekt auf Steuerplatine Rotwerk EDM 300 behob

Beitrag von WL190 » Do 19. Mai 2011, 23:41

Mal etwas zu Thema löten...

Es ist ein weit verbreiteter Fehler, (neuerdings) Bauteile auf der Platine aufsitzen zu lassen .
Das Abreisen ist vorprogrammiert !!!
Einfach nach zu vollziehen
- je nach Schwall Temperatur heizt sich der zu kurze Draht auf ...
Nach erfolgten abkühlen ,kommt es zu einer Material Spannung in den Anschlussdrähten.
Der Abriss ist somit vorprogrammiert ...

Böser Fehler

Beste Grüße
Hasso
Hallo Hasso!

Deine Erklärung leuchtet mir ein, aber diesen Fehler findet man ja auf nahezu jeder Platine mit solchen Bauteilen wie meinen ausgetauschten Kondensatoren. Offenbar wird bei der Herstellung dieser Schwachpunkt in Kauf genommen, denn die Dinger auf Abstand zu montieren ist ja zusätzlicher Aufwand! Kommen zu den thermischen Spannungen Vibrationen dazu, ist die Abrißgefahr tatsächlich sehr groß, wie ich ja gesehen habe.

Aber bei meinen neu eingelöteten Kondensatoren ist ja jetzt schon allein durch die Anpassung der Anschlüsse an das Rastermaß reichlich Spielraum entstanden. Da habe ich ja unbewußt zusätzlich eine Fehlerquelle beseitigt und die Verklebung sollte ja auch die Gefahr von Schwingungsbrüchen reduzieren!

Schön, daß du auf diese Kleinigkeiten hingewiesen hast, denn daran hatte ich nicht gedacht! Ich werde darauf zukünftig jedenfalls achten! Es reicht ja schließlich schon ein minimaler Abstand!

MfG

Wilhelm

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