380mm Deckel Rundtisch - Instandsetzung

Alles was nicht fertig ist hier rein.
Keilwinkel
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380mm Deckel Rundtisch - Instandsetzung

Beitrag von Keilwinkel » Mi 5. Feb 2020, 22:58

Hallo zusammen,


Altes Konservierungsöl zu entferenen, ist schon eine recht zähe, aber irgendwie auch schöne Angelegenheit:

1.jpg




Nach dem Putzen auf der Messplatte:

2.jpg

So jungfräulich der Rundtisch auch sein mag, er hat schon eine geometrische Überholung nötig. Immerhin ist der Guss jetzt sehr gut abgelagert.



Ich hatte ursprünglich nicht vor, daraus einen Bericht zu machen, daher gibts eher wenige Photos. Ich habe als erstes die Basisfläche des Unterteils planparallel zur Oberseite geschabt, und dann erst die beiden schmalen Gleitflächen an der Oberseite auf plan, auf gleichmäßiges Tragbild und am äußeren Rand guttragend geschabt.

3.jpg

So war zwar in Summe mehr Materialabtrag nötig, aber dafür bleibt die Geometrie des Schneckentriebes ziemlich unverändert.



Dann habe ich die Oberseite des Tisches eingeschabt - ja, die schönen Hobelspuren mussten leider weg, denn der Tisch hatte eine Form die in etwa der Form eines Pringles Chips entspricht. Nachdem die Oberseite plan war, habe ich die Unterseite planparallel geschabt. Dazu habe ich den Unterteil als Tuschiermeister verwendet, und den Oberteil verkehrt auf die Messplatte gelegt - wenn der Teil plan aufliegt, ist es ausgeschlossen, dass der Tisch durch Eigengewicht plus Gewicht des Tuschiermeisters krumm gedrückt wird, und fehlerhafte Tuschierbilder entstehen.


Zwischendurch habe ich die Planparallelität auch im natürlich Zustand überprüft:

4.jpg



Fertig eingeschabt und zusammengebaut:

5.jpg
6.jpg



Natürlich gleich auf der Messplatte geprüft: Magnetstativ auf den Rundtisch, Hunderstel-Messuhr auf der Messplatte genullt, und eine Runde gekurbelt - kein nennenswerter Ausschlag an der Messuhr - die Rotationsebene sollte also auf mindestens 3µ planparallel zur Basisfläche sein. Nur die Oberseit ist um gute 2 Hunderstel verzogen :scheisse:




Mein Murks war: Ich konnte den Ring für die Direktteilung nicht entfernen, weil die Kegelstifte bombenfest waren - ich habe zwar eine Gewindebohrung eingebracht, und versucht, die Stifte mit einer Schraube zu ziehen, habe es aber kurz vor Abreissen der Schraube bleiben lassen. Während der ganzen Schabeaktion waren die Befestigungschrauben demontiert - bringt ja nur unnötig Spannung rein :pfeif:



Hier noch ein älteres Photo mit besagtem Ring:

7.jpg



Nun, so konnte ich das natürlich nicht lassen. Ja, ich hätte die Befestigungsschrauben weglassen können :unknown: .
Die Schrauben nur etwas lockern wäre auch keine Option gewesen, denn ich hatte die Schrauben ohnehin nur leicht angezogen. Ich hätte nicht erwartet, dass mir der dünne Stahlring den Gusstisch verzieht. Aber klar - wenn der Tisch krumm war, muss auch die Auflagefläche für den Ring krumm sein!





Nun, der Ring muss runter!

So habe ich in die Bohrungen im Stahlring M8 Gewinde geschnitten. In die darunter liegende M6 Bohrung habe ich Wurmschrauben gedreht, um den Ring daran mit einer M8 Schraube von oben abzudrücken. Das hat wunderbar funktioniert - hätte ich gleich so machen sollen! Die Kegelstifte konnte ich dann auch aus dem Oberteil ausschlagen:


8.jpg





Die Unterseite vom Ring sieht vielversprechend aus - schön geschliffen:

9.jpg




Die Unterseite vom Tisch auf der Messplatte geprüft:

10.jpg

Die Montagefläche für den Ring ist gute 3 Hunderstel aus der Parallelität. Die Fläche ist aber nicht einfach nur eine schiefe Ebene, sondern es geht schon mehmals wechselnd bergauf und bergab. Aber was ich eigentlich zeigen möchte, und auf dem Photo oben ohnehin gut auffällt, ist die Niveaudifferenz zwischen Gleitfläche und Montagefläche für das Schneckenrad - stolze 7 Hunderstel. Viel habe ich von den Gleitflächen nicht weggeschabt - diese Differenz ist also durchaus Werksmäsig. Mir stellt sich nur die Frage: Warum? :kopfkratz:







Einzige Möglichkeit das Teil bei mir zu reparieren, ist meine Planscheibe,....


Also erst mal die 0,1mm Planschlag runterdrehen:

11.jpg
12.jpg




Und plan schaben, denn so wie es sein soll, dreht meine Maschine natürlich leicht konkav. Ich hatte kurz überlegt, ob ich für diesen Job den Spindelstock verdrehen soll, aber wie man sieht, habe mich für etwas mehr Schabearbeit entschieden.

13.jpg



Probesitzen:
14.jpg


Schleifen oder Drehen, oder Schleifen, oder Drehen??? :gruebel:




Und was mich gerade besonders beschäftigt: die in der Mitte erhabene Montagefläche für den Schneckentrieb - kann ich diese Fläche ohne Bedenken, mit der Gleitfläche auf eine Ebene bringen? Es ändert natürlich die Höhe des Schneckenrades um 7 Hunderstel. Die Höhe der Schnecke ist zwar auch nicht fix, sondern wird bis auf einen einstellbaren Anschlagpunkt eingeschwenkt. Aber ergibt sich nicht dennoch ein fehlerhaftes Tragbild? Was sagen die Rundtisch-Schneckentrieb-Experten dazu?





Gruß
David

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Re: 380mm Deckel Rundtisch - Instandsetzung

Beitrag von schubidu » Mi 5. Feb 2020, 23:16

meine fresse! :hi:

wenn dir langweilig wird, gib bescheid.
wir könnten gerne unsere rundtische tauschen :pfeif:

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Re: 380mm Deckel Rundtisch - Instandsetzung

Beitrag von Oliver M » Do 6. Feb 2020, 00:31

Hallo David

Grosses Kompliment :2up:
Macht immer Spaß sich deine Arbeiten anzuschauen.

Gruß Martin
Früher war alles:
A: besser B: aus Holz C: mit Schlitzschrauben

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Re: 380mm Deckel Rundtisch - Instandsetzung

Beitrag von astoba » Do 6. Feb 2020, 07:01

Servus

mal wieder sehr schön beschrieben und danke das du auch zeigst was so schief gehen kann. :2up:

Ich hätte keine Bedenken mit der Schnecke bei dieser Anwendung, da du ja nicht 24h an der Kurbel stehst und auch die Kräfte nicht so groß sind. Wenn ich mich nicht täusche kannst du ja das Zahnrad auf der Montagefläche abdrehen, dann passt es wieder von der Position.

Gruß Mike

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Re: 380mm Deckel Rundtisch - Instandsetzung

Beitrag von Harald F. » Do 6. Feb 2020, 07:31

Guten Morgen,

wieder eine herausragende Arbeit von Dir :2up:

Weiterhin viel Erfolg wünscht
Harald

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Re: 380mm Deckel Rundtisch - Instandsetzung

Beitrag von opa12 » Do 6. Feb 2020, 08:01

Keilwinkel hat geschrieben:
Mi 5. Feb 2020, 22:58
Und was mich gerade besonders beschäftigt: die in der Mitte erhabene Montagefläche für den Schneckentrieb - kann ich diese Fläche ohne Bedenken, mit der Gleitfläche auf eine Ebene bringen? Es ändert natürlich die Höhe des Schneckenrades um 7 Hunderstel. Die Höhe der Schnecke ist zwar auch nicht fix, sondern wird bis auf einen einstellbaren Anschlagpunkt eingeschwenkt. Aber ergibt sich nicht dennoch ein fehlerhaftes Tragbild? Was sagen die Rundtisch-Schneckentrieb-Experten dazu?

Gruß
David
Kannst du machen, du hast ja an beiden Gleitflächen geschabt, wenn du jetzt die 0,07 wegnimmst kommt das Rad eher wieder in die Position wie es vor dem Schaben war.

Bg Franz

elmech
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Re: 380mm Deckel Rundtisch - Instandsetzung

Beitrag von elmech » Do 6. Feb 2020, 09:23

Super Arbeit! Danke für den Beitrag! Ich würde die Schnecke mal eintuschieren und schauen wie sie passt? Hat sich der Tisch altersmässig verzogen oder wurde er schlecht gefertigt? Freundliche Grüsse Andi

blondy
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Re: 380mm Deckel Rundtisch - Instandsetzung

Beitrag von blondy » Do 6. Feb 2020, 09:31

Moin,
Keilwinkel hat geschrieben:
Mi 5. Feb 2020, 22:58
der Tisch hatte eine Form die in etwa der Form eines Pringles Chips entspricht
würdest Du ein paar Zahlen dazu verraten?
Gruß
blondy

Tut mir leid, aber das ist so eine Macke von mir, immer zu glauben, daß die Antwort etwas mit der Frage zu tun haben müsste.

Keilwinkel
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Re: 380mm Deckel Rundtisch - Instandsetzung

Beitrag von Keilwinkel » Do 6. Feb 2020, 20:25

Hallo,

blondy hat geschrieben:
Do 6. Feb 2020, 09:31
würdest Du ein paar Zahlen dazu verraten?

Es müssten so zwischen 3 bis 4 Hunderstel gewesen sein. Ich habe nicht lange gemessen, sondern einfach drauf los geschabt. In Richtung der T-Nuten ist der Tisch schön steif, aber in Querrichtung hat sich der Tisch nach oben gewölbt - die Oberseite war also Konvex.


opa12 hat geschrieben:
Do 6. Feb 2020, 08:01
Kannst du machen, du hast ja an beiden Gleitflächen geschabt, wenn du jetzt die 0,07 wegnimmst kommt das Rad eher wieder in die Position wie es vor dem Schaben war.
Naja,... da war werksmäßig schon ein markanter Höhenunterschied. Ich glaube kaum, dass die Differenz jetzt um ein ganzes Hunderstel größer geworden ist. Vom Oberteil musste ich hauptsächlich den äußeren Rand schaben. An der inneren Gleitfläche habe ich fast nur das Tragbild verfeinert. Ich denke mir, dass es fertigungstechnisch natürlich plausibel und viel einfacher wäre, diese Fläche plan zu machen. Wenn hier ein Höhenversatz ist, muss das ja schon fast einen Grund haben. Wenn ich bloß beide innere Gleitflächen als Referenz nehme - der Materialabtrag war dort so gering, dass das Schneckenrad jetzt veilleicht um 2 Hunderstel tiefer liegt. Wenn ich jetzt das Oberteil bearbeite, kann ich zumindest diesen Betrag berücksichtigen, und kompensieren.



astoba hat geschrieben:
Do 6. Feb 2020, 07:01
Ich hätte keine Bedenken mit der Schnecke bei dieser Anwendung, da du ja nicht 24h an der Kurbel stehst und auch die Kräfte nicht so groß sind. Wenn ich mich nicht täusche kannst du ja das Zahnrad auf der Montagefläche abdrehen, dann passt es wieder von der Position.

Schon, aber es wäre dennoch schön, wenn das Tragbild zwischen Schnecke und Schneckenrad optimal passt. Und vom Schneckenrad kann ich leider kein Material abtragen - ich müsste Material hinzufügen, wenn ich die Auflagefläche am Oberteil plan mit der Gleitfläche mache. ;-)



elmech hat geschrieben:
Do 6. Feb 2020, 09:23
Ich würde die Schnecke mal eintuschieren und schauen wie sie passt?

Bestimmt das Sinnvollste was ich machen kann!
Zum Prüfen von Verzahnungen gibt es doch eigene Pasten? Ich werde das mal mit der roten Tuschierpaste von Eosol versuchen. Die hat eine etwas andere Konsistenz und scheint mir vom Gefühl her geeigneter zu sein als die Blaue. Und wenns funktioniert, gibts natürlich Photos!


elmech hat geschrieben:
Do 6. Feb 2020, 09:23
Hat sich der Tisch altersmässig verzogen oder wurde er schlecht gefertigt?

Ich schätze mal viel von Ersterem, aber auch ein bisschen von Zweiterem.



Gruß
David

elmech
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Re: 380mm Deckel Rundtisch - Instandsetzung

Beitrag von elmech » Do 6. Feb 2020, 22:37

Hallo David, Danke für Deine Antworten! Ich habe mich schon immer gefragt, wie diese grossen Stückzahlen hergestellt werden konnten, mit der nötigen Alterung des Rohgusses? Meine FP1 Jg 1953 hatte das GF Emblem eingegossen , wurde also bei Georg Fischer in der Schweiz hergestellt. Da haben wohl viele Giessereien beigesteuert! Aber da war es noch üblich, den Guss 6 Jahre im Wetter draussen, altern zu lassen! Hat wohl wegen den vielen Terminen und guten Verkäufen, nicht immer dafür gereicht? Meine Maschine hatte die Nummer, über 50000! Für Werkzeugmaschinen mit dem Aufwand zur Herstellung schon eine gewaltige Leistung der Mitarbeiter und der Planung dafür! Freundliche Grüsse Andi

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