Klopp Stoßmaschine Restauration

Alles was nicht fertig ist hier rein.
tausendstel
Beiträge: 58
Registriert: Sa 20. Jan 2018, 23:34

Klopp Stoßmaschine Restauration

Beitrag von tausendstel » So 21. Jan 2018, 20:29

Guten Tag an die Zerspaner,


dies ist mein erster Beitrag in der Zerspanungsbude, abgesehen von meinem Fred im Willkommensbereich.

Angemeldet habe ich mich erstmals in einem 'nicht-angloamerikanischen' Forum, aus dem Grund, dass ich zu einer Stoßmaschine aus der kloppschen Fertigung, hier wohl am besten beraten bin.

Ich erstand kürzlich ein Restaurationsobjekt, zu dem ich einige Fragen habe. Besagte Stoßmaschine möchte ich hier kurz vorstellen:

Es handelt sich un eine Stoßmaschine aus dem Hause Klopp, das Baujahr ist unbekannt. Die Ähnlichkeit zu einem Klopp 550 ist nicht in Abrede zu stellen, es handelt sich aber definitiv nicht um einem Typ 550.

Der Hub ist mit maximal 525 mm angegeben.

Die Maschine läuft mit bis zu 164 Doppelhüben /min etwas schneller als ein 550.

Die Anschlussleistung ist mit 2,2 / 2,5 kW (4,8 / 5,4 A bei 380 V) angegeben.

Ich erhielt die Maschine komplett, mit Tisch, Fuß, zentrisch spannendem Schraubstock sowie passende Handkurbeln und einem Stoßstahlhalter. Eine Lampe hätte dabei sein sollen. Die Übergabe fand leider des Wetters wegen gut Verpackt statt, sodass sich das fehlen der Lampe nicht sofort bemerkbar machte. Ob diese nun ein original gewesen wäre, kann ich nicht beurteilen.
Verladen.JPG
Die Stoßmaschine auf dem LKW
Ausgepackt.JPG
Ausgepackt2.JPG
Bisher festgestellte Mängel:


1. Teilweise Wassereinbruch mit entsprechendem Rost. Starker Rost beschränkt sich zum Glück auf nicht funktionale Teile, zum Beispiel die Taschen im Drehteller hinter dem Tisch (hier hate sich Wasser angesammelt), die Kontaktflächen selbst blieben verschont. Der stärkste Rost an funktionalen Elementen findet sich am unteren Ende der vertikalen Führung des Tischs. Die Führung des Stößels blieb weitestgehend unversehrt. Beim Ablassen des Ölvorrats im Stößel trat ebenfalls Wasser aus.
Rost.JPG
2. Fehlende Abstreifer am Stößel. 6 mm starkes technisches Filz ist bereits geordert.

3. Unvollständige Abhebevorrichtung. Der Bowdenzug bedarf einer Erneuerung, das vordere Endstück des Bowdenzugs zur Befestigung sowie die Klinke, die an den entsprechenden Nockenstift greift, fehlen und müssen angefertigt werden. (Für Bemaßungen oder Zeichnungen wäre ich sehr dankbar, da die Kinematik simpel ist, werde ich die Teile im Zweifel neu auslegen.)

4. Das Öl ist schwer mitgenommen, mehr Wasser im Sumpf wäre keine Überraschung.

5. Das Feststellrad für die Hublänge erfüllt seinen Zweck, wurde aber wohl so oft mit Zangen und ähnlichem arretiert, dass es nur mehr der Stummel eines Handrads ist.

6. Das Kegelrad des Vertikalvorschubs ist in Mitleidenschaft gezogen.

7. Einige Schmiernippel sind nicht gängig.

8. Entweder fehlt ein Ring, der um das Ratschenrad des Vertikalvorschubs greift und dessen Zustellung steuert, oder der Vertikalvorschub wird nur durch die Nocke gesteuert.

9. Selbstverständlich finden sich in der Maschine dem Allgemeinzustand entsprechend gefühlt Kilo-weise Späne in Verbindung mit verharztem Fett und dem üblichen undefiniertem Dreck, wohl ein Konglomerat aus Schleifstaub, Hausstaub, Abrieb und mehr.


Bisher erledigte Arbeiten:


1. Grobes äußerliches Abwischen zwecks Bestandsaufnahme.

2. Gängigmachen aller Schraubverbindungen, vorübergehende Demontage der meisten äußeren Elemente für die generelle Übersicht.

3. Demontage von:

Schraubstock, Tisch, Tischfuß, Nocke für Vertikalvorschub sowie Schiene darunter, Reibplatte für Gummifuß der Mechanik zur Stahlabhebung, Spindel zur Einstellung der Stößelposition sowie Stoßkopf und Keilleiste des Stößels.
StosskopfAb.JPG
TischAb.JPG
4. Alle genannten Teile wurden grob gereinigt und vorerst Konserviert.

5. 'Untersuchen' der Führungen auf Deformationen mittels Ölstein sowie deren Egalisierung mit besagtem. Die meisten und gravierendsten waren auf der horizontalen Führung zu finden, wohl daher, dass man des öfteren schwerere Werkstücke darauf fallen lies.

6. Abschmieren aller Schmiernippel, soweit möglich.


Nun zu meinem Anliegen:


Ist jemand mit diesem Typ einer Klopp Stoßmaschine vertraut ? Its es eine 'Type M 3 B' ? Weder einen Klopp 525, noch Dokumentation zu einem 'Type M 3 B' konnte ich ausfindig machen.

Die Konstruktion erscheint einem Klopp 550 sehr ähnlich, daher hätte ich wissen müssen (und ahnte ich) dass der Stößel sich nicht abnehmen lässt, solange der Kulissenarm nicht nach unten in den Ölsumpf abgelassen werden kann.
VersuchMachtKluch.JPG
Dazu ist wiederrum das Austreiben der entsprechenden Welle nötig. Diese scheint, zumindest an ihren Enden kegelförmig zu sein. Treibt man diese also aus und entfernt sie müsste der Kulissenarm abgelassen werden können. Hierbei stellen sich einige Fragen:

1. Der Kulissenarm eines Klopp 550 ist nach unten hin gabelförmig und durch einen Stein mit Bohrung mit der Welle verbunden. Fällt dieser aus dem Kulissenarm heraus, so dass er aus dem Sumpf geborgen werden kann, sobald der Arm entfernt ist ?
2. Ist es möglich zwecks Wiedereinbau den Kulissenstein zwischen den Bohrungen zu halten, den Stift einzutreiben und dann den Arm auf den besagten Stein abzulassen ?
3. Lässt sich besagter Arm aus dem Maschinenfuß heben, ohne das Kulissenrad von der Hohlwelle ziehen zu müssen, zum Beispiel durch Seitwärtsbewegung vom Kulissenrad weg ? Hierbei sollte sich wohl entweder der Stein, der den Arm antreibt von seinem Gegenstück mit Wellenstummel lösen, oder der Arm von besagtem Stein gleiten.
4. Am Arm findet sich eine Bohrung, die der Konstrukteur sicher nich des Spaßes wegen plante. Durch verstellen des Arms lässt sich dieses Loch vor eine Schraube an der Hublängenverstellung bringen. Das lässt den Schluss zu, dass die Entfernung des Arms das lösen einer Schraube dahinter erfordert. Welche und weshalb ?
Durchgangsloch.JPG
Da ich keine Arbeitsleuchte finden konnte ist meine Vorstellung des inneren Aufbaus der Klopp Stoßmaschinen bisher wenig detailliert. Falls jemand die Reihenfolge der zu entfernenden Teile sowie die diese sichernden Elemente benennen könnte wäre ich darüber sehr glücklich, denn Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.


Vielen Dank für die Geduld beim Lesen und alle hilfreichen Tipps.

Eisenmichel
Beiträge: 1330
Registriert: Mi 13. Mär 2013, 18:04
Wohnort: Stuttgart

Re: Klopp Stoßmaschine Restauration

Beitrag von Eisenmichel » So 21. Jan 2018, 20:40

Hello Mister ?,

so wie ich das auf den Bilder anschaue, wurde die Maschine mit dem Hochdruckreiniger aufgefrischt und danach nicht getrocknet und eingeölt.
Somit ist das Wasser im Ölsumpf evtl auch nur kurzzeitig drin gewesen und hat an den Metallteilen keinen Schaden angerichtet.
Komplett leeren und mit Petroleum einsprühen und wieder leeren müsste da helfen. Hat der Kulissenstein Spiel , oder willst Du das Innenleben nur des Restaurationswillens wegen zerlegen? Bei der Betriebsdauer im Hobbybereich darf auch ein wenig Spiel drin sein.
Wichtiger ist die Gummirolle und deren Einstellung.

Gruss Micha

(der einen 300er Klopp hat)
Einiges an Maschinen im Keller
Meine kleinen Spielzeuge in Youtube
https://www.youtube.com/channel/UCA2c86 ... erNxR2C4WA

tausendstel
Beiträge: 58
Registriert: Sa 20. Jan 2018, 23:34

Re: Klopp Stoßmaschine Restauration

Beitrag von tausendstel » So 21. Jan 2018, 20:50

Hallo Micha,

nenn mich bitte Oskar, wenn du möchtest.

Auf deine frage hin:

Ich möchte die Maschine komplett zerlegen. Dies hat folgende Gründe:

1. Früher oder später bereut man es nur den halben Weg gegangen zu sein. Das Arbeiten macht mir den meisten Spaß an Maschinen, um die ich mir keine Sorgen machen muss, an dem alle unlackierten Teile blank sind und an denen die Führungen gleichmäßig leichtgängig laufen.
2. Ich hätte gern ein genaueres Bild vom Zustand und möchte insbesondere Prüfen, ob an der Kulisse Lager eingelaufen sind. Solche Teile kann ich nachfertigen.
3. Der Dreck im Ölsumpf macht mir sorgen, mir ist nicht bekannt ob in der Umgebung der Maschiene zum Beispiel geschliffen wurde oder ob Guss bearbeitet wurde. Dieser Dreck lässt sich IMO am besten entfernen, nachdem die Maschine zerlegt wurde. Auch alle Innereien möchte ich gründlich reinigen. Eine neue Ölfüllung halte ich für raus geschmissenes Geld, sollte diese den bestehenden Dreck sofort wieder aufschlämmen.
4. Ich möchte, für alle die ähnliches vorhaben, eine möglichst genaue Dokumentation des gesamten Aufbaus hinterlassen.

Wegen des Spiels mache ich mir bisher nur am Stößel sowie den Führungen Gedanken. In Ermangelung einer Herstellerspezifikation, würde ich aus Erfahrung 0.2 mm an allen Gleitbahnen, inklusive der Stößelführung anvisieren. Die Keilleiste der Stößelführung war meines Erachtens zu eng eingestellt.

Gruß, Oskar

Benutzeravatar
ostwestfale
Beiträge: 1569
Registriert: Sa 21. Mai 2011, 07:28
Wohnort: Bielefeld

Re: Klopp Stoßmaschine Restauration

Beitrag von ostwestfale » Mo 22. Jan 2018, 07:17

Oskar hat geschrieben: 0.2 mm an allen Gleitbahnen
0,2mm...Ich glaube, da solltest du eine 0 hinzufügen !

Gruß aus Bielefeld
Hans

tausendstel
Beiträge: 58
Registriert: Sa 20. Jan 2018, 23:34

Re: Klopp Stoßmaschine Restauration

Beitrag von tausendstel » Mo 22. Jan 2018, 11:02

Ups :-D Ich meine natürlich .02 mm nicht 0.2 mm. Danke ! Nicht dass ich am Ende auch noch zur falschen Lehre greife.
Gruß, Oskar

Make chips, not war !

Jonathan9192
Moderator
Moderator
Beiträge: 470
Registriert: Di 3. Apr 2012, 22:13
Wohnort: 17489 Greifswald
Kontaktdaten:
Germany

Re: Klopp Stoßmaschine Restauration

Beitrag von Jonathan9192 » Mo 22. Jan 2018, 21:08

Hi,

ich habe die Aufarbeitung meines Klopp hier mal dokumentiert, vielleicht helfen dir ein paar Bilder weiter:
Thread #5740
Insgesamt sehen sich die Maschinen recht ähnlich...

Zu deinen Fragen:
tausendstel hat geschrieben:1. Der Kulissenarm eines Klopp 550 ist nach unten hin gabelförmig und durch einen Stein mit Bohrung mit der Welle verbunden. Fällt dieser aus dem Kulissenarm heraus, so dass er aus dem Sumpf geborgen werden kann, sobald der Arm entfernt ist ?
2. Ist es möglich zwecks Wiedereinbau den Kulissenstein zwischen den Bohrungen zu halten, den Stift einzutreiben und dann den Arm auf den besagten Stein abzulassen ?
3. Lässt sich besagter Arm aus dem Maschinenfuß heben, ohne das Kulissenrad von der Hohlwelle ziehen zu müssen, zum Beispiel durch Seitwärtsbewegung vom Kulissenrad weg ? Hierbei sollte sich wohl entweder der Stein, der den Arm antreibt von seinem Gegenstück mit Wellenstummel lösen, oder der Arm von besagtem Stein gleiten.
4. Am Arm findet sich eine Bohrung, die der Konstrukteur sicher nich des Spaßes wegen plante. Durch verstellen des Arms lässt sich dieses Loch vor eine Schraube an der Hublängenverstellung bringen. Das lässt den Schluss zu, dass die Entfernung des Arms das lösen einer Schraube dahinter erfordert. Welche und weshalb ?
1. Ja.
2. Ebenfalls ja.
3. Noch mal ja. Ist ein bisschen fummelig und ein Kran oder zumindest ein paar kräftige Helfer sind aber definitiv notwending.
4. Evtl. zum Nachstellen bei Klapperigkeit? Ich hab die Bohrung zum Auseinandernehmen jedenfalls nicht benutzen müssen...


Schönen Abend,
Jonathan
Rettet die Hobler!
Wie man Millionär wird: Beginne als Milliardär und mache die Restauration von Maschinen zu deinem Hobby.
Plosions are bad, dosnt matter if they are Ex or Im, plosions are bad.

tausendstel
Beiträge: 58
Registriert: Sa 20. Jan 2018, 23:34

Re: Klopp Stoßmaschine Restauration

Beitrag von tausendstel » Di 23. Jan 2018, 13:25

Danke Jonathan !

Dein Thread zum Klopp war ausschlaggebend für meine Entscheidung mich hier anzumelden, eine sehr gelungene Restauration :) . Und deine Unterkonstruktion möchte ich ebenfalls kopieren, Platz ist immerhin nicht endlos.

Kräne sind zum Glück vielfach vorhanden.

Ich werde dann also wie beschrieben vorgehen und dabei hoffentlich nichts zerstören. :pfeif:

:thx:
Gruß, Oskar

Make chips, not war !

Benutzeravatar
Geronimo69
Beiträge: 91
Registriert: Mi 8. Feb 2017, 18:39
Wohnort: 63322
Germany

Re: Klopp Stoßmaschine Restauration

Beitrag von Geronimo69 » Di 23. Jan 2018, 13:53

Hallo Oskar,

Glückwunsch zum Hobel und willkommen bei den be(klopp)ten :-D
Darf ich fragen was du für die Maschine bezahlt hast ?
Ich habe auch einen 550er und habe mir aus U-Schienen einen Unterbau gemacht. Damit kann ich ihn von vorne mit dem Stapler aufnehmen, oder seitlich mit dem Hubwagen.
Ich würde aber drisches ÖL verwenden wenn du ihn eh schon komplett zerlegst und reinigst.

Viel Spaß mit deinem neuen Spielzeug.
Gruß Stefan

The difference between men and boys is the price of their toys

tausendstel
Beiträge: 58
Registriert: Sa 20. Jan 2018, 23:34

Re: Klopp Stoßmaschine Restauration

Beitrag von tausendstel » Di 23. Jan 2018, 14:09

Ungerne. aber gut es gehört wohl dazu: 400€ ( mit Lampe ! :D )
Eine neue Ölfüllung möchte ich ihr evenfalls angedeihen lassen. Mir stellt sich nur die Frage: CL, CLP oder CGLP. Zwischen den ersten beiden ist preislich kein Unterschied, CL erscheint mir nach meiner Recherche zulässig, aber der allgemeinen Logik nach sollte es CGLP sein. Die Überlegung war ob ich vielleicht CLP in den Fuß gebe und eine Kanne CGLP für den Stößel bereitstelle. Den Überschuss im Fuß würde ich dann zum Schneiden und Härten nutzen.
Die Ölfüllung macht natürlich einen nicht geringen Anteil des gesamten Anschaffungspreis, allerdings sollte ich es als 'logical fallacy' werten, den Anschaffungspreis für die Maschine als Referenz zu nehmen.
Wie dem auch sei, vorher muss alles zerlegt und gereinigt sein, sonst ist das Öl verschwendet. Die Lager des Getriebes entsprechen keiner Definition von 'leise'. Mit schwerer Unlust werde ich wohl auch dieses zerlegen müssen.
Gruß, Oskar

Make chips, not war !

Benutzeravatar
Geronimo69
Beiträge: 91
Registriert: Mi 8. Feb 2017, 18:39
Wohnort: 63322
Germany

Re: Klopp Stoßmaschine Restauration

Beitrag von Geronimo69 » Di 23. Jan 2018, 14:25

Ich verwende in meinem dieses Öl - Shell Morlina S2B - 100 . Meiner hat Zentralschmierung.
Gruß Stefan

The difference between men and boys is the price of their toys

Antworten