Messerschliff freihand, Schneidwinkeltreue?

Roland.B
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Messerschliff freihand, Schneidwinkeltreue?

Beitrag von Roland.B » Do 11. Jun 2020, 09:02

Hallo, mal eine Frage:
Wenn ihr Messer auf dem Bankstein schärft, wie haltet ihr da den Schnittwinkel ein?
macht ihr das Freihand, oder habt ihr eine Vorrichtung?
Ich habe mir das hier gebaut:
IMG_20200606_191322.jpg
Das "Kopfkissen" kann ich auf den gewünschten Schleifwinkel einstellen.
IMG_20200606_191337.jpg
Dafür ist diese "hochkomplizierte" Mechanik:
IMG_20200606_191602.jpg
Eingestellt wird mit einem Winkelmesser
IMG_20200606_191515.jpg
Die Schräge wird als Vorlage für den Winkel benutzt
IMG_20200606_191531.jpg
Und mit dieser Handhaltung wird dann über den Stein gefahren.
IMG_20200606_191539.jpg
Mit etwas Übung bekommt man den gewünschten Winkel ganz gut hin.
Die Aussparung ist so gefräst, dass die Gummihalterung, die bei dem Stein dabei war, auch hineinpasst. Dadurch klappert nichts. Und wenn gewünscht, lässt sich da der nächst feinere Stein einsetzen. Das Holz habe ich mit reichlich Leinölfirnis einigermaßen Wasserfest gemacht.

So, jetzt bin ich auf eure Konstruktionen gespannt. :hi:

Gruß

Roland
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harman
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Re: Messerschliff freihand, Schneidwinkeltreue?

Beitrag von harman » Do 11. Jun 2020, 10:42

Hi, ich schleife meine teureren Taschenmesser zwar mit dem Wicked Edge Field Sport Pro und dem Low Angle Adapter. Küchenmesser mit der Tormek. Freihand habe ich zuvor mit Banksteinen immer trocken geschliffen. Ich habe dabei die Banksteine einseitig unterlegt um den gewünschten Schleifwinkel zu bekommen. Somit musste ich die Klinge nur noch parallel zum Tisch führen.

DerLaCroix
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Re: Messerschliff freihand, Schneidwinkeltreue?

Beitrag von DerLaCroix » Do 11. Jun 2020, 11:47

Ich leg immer den Daumen an den Klingenrücken und auf den Stein. Der Kontakt am Rücken und Stein hält den Winkel konstant.

Je nach Messer Länge ist der eine oder andere, oder beide - kommt drauf an, wie ich das Messer halten kann/muss.
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sYcore
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Re: Messerschliff freihand, Schneidwinkeltreue?

Beitrag von sYcore » Do 11. Jun 2020, 14:51

Habe es bisher nur einmal mit meinen japanischen Wassersteinen versucht, die ich mir für Stecheisen und Hobelmesser gekauft habe. Hatte beim Freihandschleifen eines Küchenmessers eher mäßigen erfolg. Es war zwar scharf, aber ich war nicht zufrieden. Seitdem habe ich es aber nicht nochmal versucht.
Wenn ich meine Stecheisen wieder schärfe (was ich seit Wochen aufschiebe), nehme ich mir mal wieder ein Messer zur Hand und experimentiere etwas.
Grüße aus Nordhessen,
Micha
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Jochen2
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Re: Messerschliff freihand, Schneidwinkeltreue?

Beitrag von Jochen2 » Do 11. Jun 2020, 17:46

Bei mir hat sich über die Jahre ein Winkel von dem ich keinerlei Ahnung hab wie groß der ist etabliert ,hab in der Jugend damit angefangen Messer zu schärfen und mache das bis heute frei Schnauze .... mit der Zeit wurde das immer besser .Ich bin damit zufrieden wenn sie gut schneiden - bin ja eh Mathematikverweigerer ,also rechne ich net mit Schneidenwinkeln rum - sondern damit das die Dinger hinterher scharf sind :-D

Bei meinen Drehstählen genauso .... anschleifen -try & error .

Wo wir grad bei dem Thema sind : Ihr könntet mal eure Steine zeigen die ihr benutzt .....
... Unerheblich ... ist des Schlossers Kraft - wenn er sich keinen Hebel schafft .... :-D

Roland.B
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Re: Messerschliff freihand, Schneidwinkeltreue?

Beitrag von Roland.B » Do 11. Jun 2020, 19:01

Wo wir grad bei dem Thema sind : Ihr könntet mal eure Steine zeigen die ihr benutzt .....
Ich benutze ehrlich gesagt den Stein auch selten. Das Allermeiste schleife ich auf der Tormek, die 1200er Diamantscheibe reicht für nahezu alles. Falls noch ein Grad bleibt, mache ich den auf einem Abziehleder, auf dem ich Schleifbutter aus Vaseline und Schleifpulver der Körnung 600 aufgetragen habe. Für alle Fälle hätte ich da auch noch viel Feineres.
Das Handschleifen ist bei mir fast nur eine Experimentiersache.
Dafür habe ich den günstigen Stein von Ed Mahony der hat eine 1000er und eine 3000er Seite. Dann habe ich noch einen kleine Arkansas. Den benutze ich eigentlich nur für meine Bastel-Skalpelle und Kneipen.
Mit dem 1000/3000er bin ich voll zufrieden. Und nachdem mir noch niemand den technischen Unterschied zwischen meinem Stein für 35€ und einem mit gleicher Körnung, nur einem anderen Aufdruck aber dem dreifachen Preis plausibel erklären konnte, habe ich auch noch nie nach einem anderen Ausschau gehalten.

Den Aufwand mit dem Schleifwinkel mache ich dann nur, weil er Im Fall der Fälle vom Vorschleifen mit der Tormek vorgegeben ist. Dann ist es ja auch sinnvoll, im gleichen Winkel weiter zu schleifen. Allein schon wegen der Optik des Schleifbildes. Sagen wir, aus ästhetischen Gründen. :klugscheiss:

Gruß

Roland
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titanic-jb
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Re: Messerschliff freihand, Schneidwinkeltreue?

Beitrag von titanic-jb » Do 11. Jun 2020, 19:02

Die Küchenmesser schleife ich frei Hand auf japanischen, künstlichen Wassersteinen (Shapton) mit einem Winkel, der keinesfalls exakt bestimmt ist, sondern dem bisherigen ungefähr gleicht.

Und wenn die Messer wieder stumpf geworden sind, dann übe ich wieder :-)

Ich habe die Körnungen 500, 2000 und 8000. Den 500-er Stein nutze ich nur, wenn ich einen Schneide komplett neu aufbauen muss, ansonsten fange ich gleich mit dem 2000-er Stein an und wechsle dann auf den 8000-er.

Für Stemmeisen und Hobelmesser habe ich eine billige chin. Vorrichtung, die für mich vollkommen ausreichend ist. Auch hier ist der Winkel eher Nebensache. Bislang habe ich auch nur "Bevel-Down"-Hobel, also Hobel, bei denen die Fase nach unten zeigt. Da kann man den Schnittwinkel ja bauartbedingt nicht ändern. Der Keilwinkel definiert hier den Freiwinkel und indeirekt auch die Standzeit des Eisens.

Geplant ist ein Update in Form von drei Diamant-Platten (grob, mittel, fein), weil ich davon ausgehe, dass die Diamantplatten in Bezug auf Ebenheit deutliche Vorteile haben. Die bisherigen Shapton-Steine neigen doch sehr schnell dazu, ihre Ebenheit zu verlieren. Die Steine dann wieder eben zu bekommen, kostet mir zu viel Zeit und vor allen zu viel Stein.

Sobald das Update da ist, soll für die Wassersteine in eine Vorrichtung gebaut werden, in denen das Messer eingespannt wird und der Stein in einem einstellbaren Winkel über die Klinge gezogen wird. Das hätte den Vorteil, dass ich dann wohl nicht mehr der einzige bin, der in der Lage ist, die Messer zu schleifen :-) Dabei spielt es in meinen Augen keine so große Rolle, wenn der Stein nicht mehr absolut eben ist. Da meine Küchenmesser in den meisten Fällen deutlich breiter sind als der Stein, muss ich der Stein sowieso über die Länge der Klinge seitlich verschoben werden. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kommt dann jeder hohe Buckel auf dem Stein irgendwann mal an jeder Stelle der Klinge vorbei. Da kaum eines der Küchenmesser eine gerade Klinge hat, kommt es hier also nicht so darauf an -- anders als bei den Stemmeisen oder den Hobelmessern.

Bis dann

Jan

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Re: Messerschliff freihand, Schneidwinkeltreue?

Beitrag von schnupfhuhn » Do 11. Jun 2020, 20:22

300er, 600er, 1200er Diamantplatte, nass, dann Abziehleder und Polierpaste Edelkorund. Langt um sich die Haare am Unterarm zu rasieren. Winkel so wie ihn das Messer vorher schon hatte, das merkt man wie der "einrastet" wenn man das Messer auf dem Stein liegend langsam aufstellt. Bei richtig scharfen Messern wie Filetiermesser Winkel so um die 22° für beide Schneiden zusammen, Hobelmesser, Stemmeisen bekommen einseitig 25°, wenn schon anderweitig angeschliffen dann auch mehr. Schneiden mit 2 Winkeln mach ich nicht. Man kann die Schneide auch mit einem Edding anmalen, dan seht man wo man beim Schleifen abnimmt. Mit der Schärfmethode mach ich Stemmeisen scharf die ich mit moderater Handkraft durch Eiche und harte Tropenhölzer durchdrücken kann.

Wenn man es noch nicht kann dann hilft der Lansky den Winkel zu halten. Schleifsteine nie trocken laufen lassen, Messer wenn maschinell geschliffen wird nur auf dem langsam laufenden Stein, nicht auf einen trockenen schnellen Schleifstein schärfen.Grund: Wärme kommt aus der sehr kleinen Schneide nicht weg, wird heiß, Schärfe und Härte ist weg...

Wichtig: Messer nicht tot reiten. Wenn man sich beim Stemmeisen denkt "das ging grad doch schon mal besser durchs Holz" gleich einmal nachschärfen. Geht ja eh wies Katzerl machen...

Und auch Super: Youtube, da kannst Du Dir viel abschauen. Körperhaltung, schmutzige Tricks... :2up:

Gruß,
das Huhn

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Re: Messerschliff freihand, Schneidwinkeltreue?

Beitrag von Roland.B » Do 11. Jun 2020, 22:18

Das ist natürlich das Wichtigste, KALT schleifen!
Messerstahl beginnt bei Backofentemperatur seine Härte zu verlieren.
Wenn ich dann im Supermarkt am Schlüsseldienst-Stand beobachte, wie dort unter Funkensprühen Messer und Scheren vergewaltigt werden, dann ist das in meine Augen Sachbeschädigung.

Gruß

Roland
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S4B5
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Re: Messerschliff freihand, Schneidwinkeltreue?

Beitrag von S4B5 » Do 11. Jun 2020, 22:20

Hi

Ich hab mir mal den hier über Aliexpress bestellt:

https://www.ebay.co.uk/itm/143414596661

Bischen wackelig, hält aber gut den Winkel. Bei meinem waren Diamantsteine dabei, hab mir noch einen feineren bestellt.

Abezogen wird mit einem Stück MDF in welches ich eine Politur eingearbeitet habe.

lg Marco

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