Welche Toleranzen für Schleifscheibenaufnahmen

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Stahlfussel
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Welche Toleranzen für Schleifscheibenaufnahmen

Beitrag von Stahlfussel » Mi 8. Aug 2018, 11:05

Hallo Männers,
ich beschäftige mich derzeit viel mit dem Quorn und habe mir deshalb Schleifscheiben besorgt. Schleifscheiben brauchen Aufnahmen und um die geht es mir hier.
ZB_29_01.jpg
Den Durchmesser der halbfertigen Aufnahme, vorne rechts, habe ich mit verschiedenen Scheiben getestet, er passt aber nicht überall.
Die neu gekauften Scheiben passen alle, von den älteren Scheiben haben einige eine kleinere/unrunde Bohrung und klemmen.

Meine Schleifscheiben haben eine Bohrung von nominal 20mm und die Aufnahme zum testen hat einen Durchmesser von 19,995mm.

Klar ist, ich könnte für jede Schleifscheibe eine Aufnahme passend machen und das Problem wäre erledigt - das möchte ich aber nicht. Den Durchmesser einfach kleiner machen möchte ich auch nicht.

1. Wie sieht das bei den Passungen von Schleifscheiben und deren Aufnahmen überhaupt aus? Einheitsbohrung oder Einheitswelle? Hätte eigentlich auch 20,000mm gehen müssen oder sind 5µ Spiel einfach zu wenig?

oder

2. Man nimmt das gar nicht so genau (schliesslich gibt es diese Ausgleichsringe aus Plastik, denen ich keine enge Toleranz zutraue). Ein etwaiges Spiel würde nur zu einer Unwucht führen, die aber, wegen der Nähe des Spiels zur Mitte der Scheibe, sehr klein wäre.

Zum Foto:
Hinten die 8mm-Spannzangen-Konturen - in einer Kleinserie von der Stange vorgefertigt und dann zwischen den Spitzen weiter bearbeitet.
Vorne in der linken Mitte ein Flansch, auch von der Stange gestochen, der mittels der Montagehilfe (links daneben) aufgeklebt wird.
Rechts die Testaufnahme.

Gruß,
Jochen

K-Mehl-Treiber
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Re: Welche Toleranzen für Schleifscheibenaufnahmen

Beitrag von K-Mehl-Treiber » Mi 8. Aug 2018, 14:12

Servus,

ja die Aufnahmen (Wellen) müssen kleiner sein. Schon alleine wegen einer eventuellen Erwärmung der Aufnahme. Der Stahl würde sich mehr ausdehnen als die Schleifscheibe. Dadurch würde die Schleifscheibe gesprengt.

Meine Flansche hatte ich glaube ich mit f7 toleriert.
Wäre bei deinem Durchmesser von 20mm dann also 20 -0,02 / -0,041mm.

Das führt noch nicht zu Riesenunwuchten hilft aber wenn man mal eine Scheibe erwischt, die etwas enger ist. Bei Verwendung der Plastikscheiben ist das dann nicht so kritisch, die weichen schon aus, wenns zu eng sein sollte (natürlich im 1/100stel Bereicht).

SG
Markus

elmech
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Re: Welche Toleranzen für Schleifscheibenaufnahmen

Beitrag von elmech » Mi 8. Aug 2018, 21:46

Hallo. früher waren die Schleifscheiben mit Blei ausgegossen worden und mit dem verbannen von giftigem Schwermetall eben, durch Plastik ersetzt! Aber so heikel ist das bei einem einfachen Schleifbock sicher nicht! Mit 2800 U/Min und kleinen Scheiben gibt das nicht Probleme, nach dem Abziehen, bei höheren Ansprüchen sind ja dann meist, die Flansche mit verschiebbaren Gewichten und den montierten Scheiben vorher, ausgewuchtet! Es ist sicher ein grosser Aufwand den Du da geleistet hast, aber eigentlich müsste man jede Scheibe nach dem wechseln neu abziehen und auch auswuchten? Somit, mit ungehärteten, nicht Feingeschliefenen Aufnahmen irgendwie, im Wiederspruch? Ich sehe da die Aufnahme an der Spindel nicht, ist es ein Konus und alles gehärtet und geschliffen, kann man so denken. Ist es ein Zylinder, eben nicht! Freundliche Grüsse Andi

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Stahlfussel
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Re: Welche Toleranzen für Schleifscheibenaufnahmen

Beitrag von Stahlfussel » Do 9. Aug 2018, 12:21

Danke für Eure Antworten. Ich habe heute zusätzlich noch ein bisschen herumtelefoniert und bin ein Stück weiter gekommen. Davon will ich kurz berichten:
K-Mehl-Treiber hat geschrieben:
Mi 8. Aug 2018, 14:12
die Aufnahmen (Wellen) müssen kleiner sein
Fast :o) Ich habe eben jemanden bei Friedrich Müller in Ransweiler erreichen können. Dort wurden sogar 1-2 Zehntel als Spiel genannt.
Auch mein Gesprächspartner bei der H. B. Schleifmittel in Ransbach-Baumbach nannte mir ein Spiel von einem Zehntel. Wir hatten uns dann aber weiter unterhalten und dabei kam heraus, dass die Passung Schleifscheibe/Welle nach dem System Einheitswelle toleriert wird, d. h. die Aufnahme darf den nominalen Durchmesser haben (- 0,000mm) und die Bohrung Schleifscheibe liefert das notwendige Spiel nach H7.

Um Wärmeausdehnung bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen. Das Spiel dürfe gerne klein sein, wichtig sei nur, dass die Schleifscheibe ohne Spannung auf die Aufnahme passt, klappern müsse sie aber nicht.
@Markus
mit Deinem Vorschlag H7/f7 hätte ich ein max. Spiel von 21µ + 41µ = 62µ, bzw. einen Höhenschlag an der Bohrung von max. 3 Hundertstel. Das kann m. E. nicht viel Unwucht verursachen. Mit f7 bringst Du aber schon vorweg 2 Hundertstel Spiel mit, mit dem die Schleifscheibenhersteller bei diesem Wellendurchmesser gar nicht rechnen. Es dürfte also ruhig knapper sein.

Wenn ich es weiterhin schaffe, die Aufnahmen mit h6 (20mm +0 -0,013) hin zu bekommen, dann sollte das für neu gefertigte Schleifscheiben in Ordnung sein.
Die Bohrungen der Scheiben, die nicht passen wollen, werde ich mir mal genau ansehen. Vielleicht kann man erkennen, wo es klemmt und ich trage dort vorsichtig etwas Material ab. Falls ich mich das doch nicht traue, mache ich eine passende Aufnahme.

@Andi
elmech hat geschrieben:
Mi 8. Aug 2018, 21:46
eigentlich müsste man jede Scheibe nach dem wechseln neu abziehen und auch auswuchten
Müsste man sicherlich. Es ist aber nicht vorgesehen, an einer Aufnahme mehrere Scheiben zu verwenden. Eine Schleifscheibe behält ihre Aufnahme. Daher muss ich so viele davon machen. Hinsichtlich auswuchten habe ich leider keine Idee, wie ich das - mit montierter Aufnahme - machen soll. Ich kann die Schleifscheibe nur einseitig lagern. Damit fällt z. B. schon das Auflegen auf zwei Klingen aus.
elmech hat geschrieben:
Mi 8. Aug 2018, 21:46
Ich sehe da die Aufnahme an der Spindel nicht, ist es ein Konus und alles gehärtet und geschliffen
ZB_29_02.jpg
Rechts im Bild liegt die Spindel. Das Foto stammt aus der Zeit als ich versuchte, den Konuswinkel für die Aufnahmen zu treffen. Die Spindelnase hat eine Aufnahme für 8mm-Spannzangen, wie man sie von den Uhrmacherdrehbänken her kennt. Geschliffen ist an der ganzen Maschine wahrscheinlich gar nichts und gehärtet auch nicht. Leider. Die Quorn-Schleifmaschine war ein von einem Professor Chaddock entwickelter Bausatz aus Gussteilen (siehe auch Bonelle). Meine Maschine hatte ich vor fast zehn Jahren gebraucht/unfertig gekauft und arbeite sie seit dem peu à peu auf. Die unfertige Aufnahme hier im Bild gehört zu den sehr umständlich gefertigten, drei langen Aufnahmen im Bild oben.

Gruß,
Jochen

PS: die wichtigste Frage zum Schluss: ist es nur ein Zufall dass der eine Hersteller in Ransweiler, der andere in Ransbach angesiedelt ist oder entstammt der Ortsnamensteil "Rans" einem natürlichen Vorkommen von Schleifmitteln in der Umgebung?

elmech
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Re: Welche Toleranzen für Schleifscheibenaufnahmen

Beitrag von elmech » Do 9. Aug 2018, 15:25

Hallo Jochen, es wurde schon geschrieben, ein Schleifscheibenaufnahmebohrung hat etwas Spiel nötig. Eigentlich wie die Pappunterlagen zwischen den Flanschen! Damit keinerlei einseitiger, Druck auf die Scheibe übertragen wird! Somit bin ich mit einem 1/10 Bohrungsspiel, einverstanden. Besser wohl Kunststoffring oder eben, schade, schade, Blei. Diese " Spannzangenaufnahme" ist auf genauen Konus und vor allem sehr genauem Schaft angewiesen! das erreicht man mit weichem gedrehtem Stahl nicht, da muss gehärtet und genau feingeschliffen werden! Dein Drehhertz deutete auf Myford Drehmaschine hin, die sind schon recht genau, aber das was Du da verlangst, geht in dem Fall, dann in ein paar 1/100mm Rundlauf, nach dem "Scheibendornwechsel" . Da wäre in meinen Augen einfach gehärtete Spindel und Dorn nötig (geschliffen natürlich) Viel Erfolg! Freundliche Grüsse Andi

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