Altes Dach isolieren

Benutzeravatar
zuendler
Beiträge: 787
Registriert: Fr 13. Apr 2018, 10:06
Germany

Altes Dach isolieren

Beitrag von zuendler » Di 31. Mär 2020, 14:21

Bei mir steht evtl. bald der Kauf eines alten Hauses von 1964 an.
Dazu muss laut EnEv ja u.A. das Dach gedämmt werden.

Jetzt ist das Dach aber ausgebaut, es ist eine komplette Wohnung drin.
Verkleidung der Dachflächen nach innen ist angeblich Heraklit Holzfaserplatte.
Ganz oben im Dachspitz sind noch ca. 1m Höhe übrig in denen man rumkrabbeln kann.
Von dort kann man zwischen den Sparren bis zur Traufe sehen, es ist keine Isolation dazwischen.
Auf die Sparren ist durchgehend Holz gezimmert, darauf dann die Ziegel die man von innen nicht sehen kann.

Um den geforderten U-Wert zu erreichen, kommen bei der Sparrenstärke von 115mm nur PUR Platten in Frage
um sie von oben in die Zwischenräume zu schieben.
Da wäre allerdings die Frage wie weit da Spalten und Sparren abgezogen werden, das wird ja nie 100% dicht auf die Art.
Die EnEv fordert auch Luftdichtheit. Allerdings wo? Die Wohnung ist von innen nach aussen ja dicht, da wird man keine Ritze finden.

Und weitere grosses Thema ist die Dampfsperre. Das Wasser wird ja durch die Innenplatten gehen und auf die PUR Platten treffen, welche
das nicht gross kümmern wird. Wird es dann seinen Weg nach draussen durch die Ritzen an den Sparren finden?
Oder kann ich mich von dieser Lösung gleich ganz verabschieden?
Die Alternativen wären halt, dass die ganze Wohnung auseinander gerissen werden muss, wenn man von innen dämmen will.
Oder das Dach abdecken (lassen) und Dämmung obendrauf. Pest oder Cholera :?

blondy
Beiträge: 941
Registriert: Fr 29. Sep 2017, 11:00
Germany

Re: Altes Dach isolieren

Beitrag von blondy » Di 31. Mär 2020, 14:25

Moin,
nur ein Wort: Aufsparrendämmung!
Gruß
blondy

Tut mir leid, aber das ist so eine Macke von mir, immer zu glauben, daß die Antwort etwas mit der Frage zu tun haben müsste.

Benutzeravatar
Nimral
Beiträge: 403
Registriert: Do 10. Okt 2013, 00:59
Wohnort: Zangberg/BY
Germany

Re: Altes Dach isolieren

Beitrag von Nimral » Di 31. Mär 2020, 14:28

Ich mag mich irren, aber gilt die EnEV nicht nur bei Neubauten? Dein Altbau hätte Bestandsschutz.

Und unisolierte Dachspitze sind sowohl üblich als auch kein Problem, da diese kleinen Hohlräume ja nicht bewohnt werden können. Sie dienen entweder als Stauraum oder sie bleiben einfach leer. Die Isolierung befindet sich dann in der obersten Geschossdecke. Der Dachspitz gehört quasi zur Umgebung.
Zuletzt geändert von Nimral am Di 31. Mär 2020, 14:37, insgesamt 1-mal geändert.
Wer rastet, der rostet. Wer nicht rastet, rostet auch, aber er erlebt mehr dabei.

Carstens DLZR (1936)
Deckel FP1 (1956)

fortunesun
Beiträge: 560
Registriert: Di 13. Mär 2018, 16:56
Germany

Re: Altes Dach isolieren

Beitrag von fortunesun » Di 31. Mär 2020, 14:35

Potential für eine heiße Diskussion 🙈🙈🙈

Das verkehrteste was du in meinen Augen machen kannst, ist eine Lückenhafte Dämmung zu verbauen.

Ohne den Bau gesehen zu haben, ist es schwer einen passenden Rat zu geben.
Da wird dir nur der Fachmann vor Ort verlässliche Auskunft geben können.
Niemand weiß, in welcher Form die Wohnung ausgebaut wurde und in wie weit der Ausbau als dampfsperre gewertet werden kann.
Es gibt sehr gute Einblasdämmungen und eine Aufsparrendämmung würde ich auch in Betracht ziehen.
VG Mathias
Wer mit dem Strom schwimmt, wird die Quelle nie erreichen.

Benutzeravatar
Nimral
Beiträge: 403
Registriert: Do 10. Okt 2013, 00:59
Wohnort: Zangberg/BY
Germany

Re: Altes Dach isolieren

Beitrag von Nimral » Di 31. Mär 2020, 14:54

Heiße Diskussion. Wahrlich. Ja, ich habe einen Altbau, bin 2013 durch das Thema durch, und habe gründlich die Schnautze voll von diesem Dämm-Wahnsinn, den die EnEV ins Gesetz geschrieben hat.

"Da wird dir nur der Fachmann vor Ort verlässliche Auskunft geben können."

Gerade der nicht. Dein Problem ist sein Einkommen. Je mehr Problem er Dir aufreden kann, desto mehr Lösung kann er verkaufen. "Lass es, weil es Dir mehr schadet als nützt" ist keine Auskunft, die Er Dir geben wird, denn daran verdient er nichts.

Generell ist es ein Problem, eine nach 1960-er Standard aufgebaute Hausschale auf das aufzurüsten was heutzutage "Standard" ist. Es beginnt schon damit, dass durchaus Zweifel angebracht sind ob das, was heute "Standard" ist, ein guter Kompromiss ist, oder einfach nur eine einseitige Optimierung auf geringste Energiekosten, zu Lasten von Haltbarkeit und Wohnklima. Und die welche "energetisch saniert" haben kommen oft genug (immer?) drauf, dass sich die ganze Aktion realistisch statt schön gerechnet zu ihren Lebzeiten nicht mehr amortisiert.

Mein Nachbar ist Sachverständiger für Baumängel bei Gericht ... er hatte noch nie so viele Prozesse zu betreuen wie seit man begonnen hat, Häuser nachträglich in Kunststoffe einzupacken. Das beginnt dann bei vergammelnden Fassaden (die man mit hochgiftigem Zeugs behandelt damit es der Hausbesitzer erst merkt wenn die Gewähleistung abgelaufen ist), setzt sich fort über Schimmel und Schwitzwasserschäden im Inneren durch eingesperrte Feuchtigkeit und reicht bis zu massiver Kontamination von Zwangs-Belüftungsanlagen mit Pilzen und Bakterien bei denen, die solche Anlagen aufgeschwatzt bekamen um die Feuchteprobleme zu lösen die sie sich mit dem Verpacken eingehandelt haben.

Und natürlich ist da immer ein "Fachmann" gewesen der meinte, ja, das muss sein, der kräftig verdient hat, und nach ihm kommt der nächste Fachmann der den Schaden begutachtet, seinen Vorgänger zum "Nicht-Fachmann" erklärt, und dann seinerseits irgendwas einbaut was wieder nur einige Jahre hält, und so weiter.

Armin.
Wer rastet, der rostet. Wer nicht rastet, rostet auch, aber er erlebt mehr dabei.

Carstens DLZR (1936)
Deckel FP1 (1956)

Benutzeravatar
zuendler
Beiträge: 787
Registriert: Fr 13. Apr 2018, 10:06
Germany

Re: Altes Dach isolieren

Beitrag von zuendler » Di 31. Mär 2020, 15:04

Laut EnEv Gesetz MUSS das Dach auf einen U-Wert von maximal 0,24 gebracht werden, wenn das Haus den Besitzer wechselt, und das ist der Fall.
In deiner alten Bude hast du Bestandsschutz.
Eine über 30 Jahre alte Heizung muss auch erneuert werden. Die ist zum Glück erst 28 Jahre alt. :-)

Dann gäbe es noch eine ganze Latte mehr die man machen könnte um Förderungen zu bekommen, diese ganze Fassadendämmerei usw.
Aber bleib mir fort damit, das will ich auch nicht haben. Das Haus wird eh vermietet, es ist mir sekundär wichtig was die Mieter da verheizen.
Die ganzen Unwägbarkeiten mit den schon angesprochenen Spätfolgen sind mir auch zu heiss, da wird nur das nötigste gemacht umd dem Gesetz zu entsprechen.

Ich kenne das Haus schon seit 4 Jahren, es ist eh eine Schande, dass man dran rumbasteln muss. Denn es "funktioniert" so wie es dasteht. Braucht vielleicht mehr Öl als es müsste, aber hat keinen Schimmel und alles ist trocken. Ob man die Kohle die man da jetzt an "Sanierung" reinstecken muss je wieder sieht ist eh fraglich.
Allerdings geht es nicht um Einsparung, sondern um gesetzlichen Zwang.

fortunesun
Beiträge: 560
Registriert: Di 13. Mär 2018, 16:56
Germany

Re: Altes Dach isolieren

Beitrag von fortunesun » Di 31. Mär 2020, 15:16

@Armin: da bin ich sehr nahe an deiner Meinung.

Mit Fachmann meinte ich den Sachverständigen, nicht den Verkäufer der was loswerden will.
Da habe ich mich falsch ausgedrückt.
VG Mathias
Wer mit dem Strom schwimmt, wird die Quelle nie erreichen.

Benutzeravatar
Balu
Beiträge: 606
Registriert: Fr 5. Nov 2010, 00:17

Re: Altes Dach isolieren

Beitrag von Balu » Di 31. Mär 2020, 15:23

Muss man ...?

Ich frag nur weil wir uns gerade auch mit dem Thema Kauf befassen.

Auf eine Behördliche Aufforderungen warten...??
Rechtschreibfehler sind geistiges Eigentum! Wer sie findet darf sie behalten!!

DausO
Beiträge: 30
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 22:39
Wohnort: Oberasbach
Germany

Re: Altes Dach isolieren

Beitrag von DausO » Di 31. Mär 2020, 15:23

Ist es nicht so, dass das Haus, welches DU SELBST bewohnst, von diesem Irrsinn ausgenommen ist??

Heisti
Beiträge: 2491
Registriert: Do 2. Mai 2013, 23:02
Germany

Re: Altes Dach isolieren

Beitrag von Heisti » Di 31. Mär 2020, 15:45

Ist es nicht so, dass du nur die oberste Geschossdecke dämmen musst? http://www.enev-online.org/enev_2009_en ... ierung.htm

Als Vermieter gibt es natürlich noch ein paar mehr Dinge zu beachten. Aber so lange Mieter und Vermieter sich grün sind, ist das ja alles mehr oder weniger egal (z. B. Verbrauchsmessung usw.). Selbst bei meinem Mietshaus aus 2012 musste ich schon wieder etwas nachrüsten (Wärmemengenzähler am WW-Speicher). :wall:

Antworten