Mörtelrezept gesucht

Ikosaeder
Beiträge: 57
Registriert: Di 25. Dez 2018, 10:16
Austria

Re: Mörtelrezept gesucht

Beitrag von Ikosaeder » Mo 4. Nov 2019, 20:20

@pimalde

Meine bevorzugte Mischung setzt sich wie folgt zusammen:

1 RT Kalkhydrat
1 RT Trasszement
6-7 RT RT Quarzsand gewaschen, wobei das Mischungsverhältnis mit gröber werdendem Zuschlag tendenziell magerer eingestellt wird.
Für sichtbare Fugen würde ich aufgrund der Optik ebenso zu 0-1mm Korngröße raten. Bei unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk kann man diesen Wert allerdings auch auf 0-2 oder gar 0-4mm korrigieren.
Wer sich den Aufwand nicht antun möchte, ist auch mit werksgemischten Trockenmörteln aus dem Baustoffhandel sicher gut bedient.

MfG,
Philipp
Drehmaschine TOS SUIL 40A - Fräsmaschine Fritz Werner 9.133 - Horizontalfräsmaschine Volman - Werkstattpresse 50t - Ständerbohrmaschine Audax 25T - REHM TIGER 230 AC/DC WIG - Federhammer Andritz Mod. 2 (60kg)

bernhard
Beiträge: 121
Registriert: Mo 13. Dez 2010, 08:50
Wohnort: NRW und Aveyron
Kontaktdaten:
France

Re: Mörtelrezept gesucht

Beitrag von bernhard » Di 5. Nov 2019, 07:55

Erstmal grosses DANKE für die vielen Antworten.

Aber:
Ich weiß, wie man normalerweise mit Kelle, etc. fugt und kenne auch die Problematik bzgl. Natursteinen und Zementmörtel.
Solche Mauern hab ich auch schon mehrfach selbst erstellt und auch verfugt - allerdings nur relativ kleine Projekte.

Diesmal handelt es sich um ein ganzes Haus aus Sandstein mit sehr unterschiedlichen Fugenbreiten und -Tiefen.
Vermauert wurden die Steine vor 180 Jahren mit Lehm. Nach dieser Zeit sind die Fugen nun dringend überholungsbedürftig.

Damit's schneller geht, sollen die Fugen mit der Spritze gefüllt werden. Dabei fällt auch viel weniger daneben.

Finanziell kommen fertige Tüten-Mörtel wegen der großen Fläche eigentlich nicht in Frage, .


Ich suche einfach nach dem Trick, Zusatz, oder was auch immer, der Mörtel pressfähig macht...
Ciao,
Bernhard

Ikosaeder
Beiträge: 57
Registriert: Di 25. Dez 2018, 10:16
Austria

Re: Mörtelrezept gesucht

Beitrag von Ikosaeder » Di 5. Nov 2019, 13:31

Was genau war eigentlich das Problem bei Deinen Pressversuchen bzw. mit welchem Equipment hast Du gearbeitet? Im Normalfall lässt sich Frischmörtel, die richtige Ausrüstung vorausgesetzt, auch über weitere Distanzen problemlos fördern. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass selbst Baustellenmischungen ohne optimierte Sieblinie und verarbeitungsfördernde Zusätze zumindest eingeschränkt pumpfähig und mittels Putzmaschine verarbeitbar sind. Woran liegt es also, dass sich Dein Mörtel nicht mit der Presse ausbringen ließ? Ich würde Dir empfehlen, es noch einmal mit einer handelsüblichen Mörtelpresse und einer der bereits genannten Mischungenmit rundkörnigem, relativ feinem Sand (0-1) zu versuchen. Von Experimenten mit Thixotropiermitteln und anderen Zusätzen würde ich persönlich abraten. Wäre ja schade, die ganze Arbeit in 2 Jahren wiederholen zu müssen, wenn sich die Rezeptur in der Praxis als untauglich erweist.

Dein Argument, dass Fertigmörtel zu teuer sei, kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Meiner Erfahrung nach wird Sackware erst ab mehreren Paletten Verbrauch unwirtschaftlich und du wirst doch nicht 5 Tonnen Material durch eine Plastikspritze (von denen Du dann wohl eine ganze Menge verschleißen würdest) quetschen wollen. Sollte es sich also um eine größere Fläche handeln, empfehle ich, den Mörtel mit Silo zu bestellen und das Verfugen mittels Mischpumpe/Verputzmaschine zu realisieren.
Hier ein Link zu einer Firma, die ein für Deinen Anwendungsfall zugeschnittenes Produkt entwickelt hat: https://www.wps-ag.ch/fugen-von-natur-bruchsteinmauern
Wie dieser Link zeigt, geht es auch mit einer Standard-Mischpumpe, wie sie jede Verputzfirma hat (auch ohne Spezialmörtel): https://www.youtube.com/watch?v=hJBIX1l8MjY

MfG,
Philipp
Drehmaschine TOS SUIL 40A - Fräsmaschine Fritz Werner 9.133 - Horizontalfräsmaschine Volman - Werkstattpresse 50t - Ständerbohrmaschine Audax 25T - REHM TIGER 230 AC/DC WIG - Federhammer Andritz Mod. 2 (60kg)

flexiblebird
Beiträge: 609
Registriert: Fr 3. Aug 2012, 16:25

Re: Mörtelrezept gesucht

Beitrag von flexiblebird » Di 5. Nov 2019, 20:50

bernhard hat geschrieben:
Mo 4. Nov 2019, 12:30
Ich möchte alte Natursteinmauern neu fugen.
Erste Test mit normalen Putzmörtel aus'm Sack
Natursteine vermauert man NIEMALS mit normalen (Portland-)Zement.
Der ist zu hart und die unterschiedliche Materialbeschaffenheit führt
zu Wasserstau und abplatzen des Natursteins.
https://www.youtube.com/watch?v=YoQYAAAk5HM
Man nimmt immer Trasszement (aka Natursteinmörtel im Baumakrt)
oder Kalkmörtel.
Wabeco F1200, RC6123BX500, Emco BS2, Einhell MBS400, Woodstar PB06, Proxxon FKS/E

bernhard
Beiträge: 121
Registriert: Mo 13. Dez 2010, 08:50
Wohnort: NRW und Aveyron
Kontaktdaten:
France

Re: Mörtelrezept gesucht

Beitrag von bernhard » Mi 6. Nov 2019, 06:24

Ich hab inzwischen vieeel gesucht und gelesen.
Die entscheidenden Hinweise gab's bei Amazon. Dort wurden Mörtel-Spritzen bewerten, und in diesen Bewertungen stehen auch Tipps zur "Verfeinerung" des Mörtels:
Die Zugabe von etwas Fliesenkleber macht die Masse wohl geschmeidiger, so dass das Auspressen funktioniert.

Das hört sich recht vielversprechend an. Ich habe solch ein Gemisch auch schon selber verarbeitet, allerdings in einem anderen Zusammenhang.
Ciao,
Bernhard

Benutzeravatar
eXact Modellbau
Beiträge: 7614
Registriert: Mi 17. Aug 2011, 08:04
Wohnort: Bad Doberan (Mecklenburg)
Kontaktdaten:
Germany

Re: Mörtelrezept gesucht

Beitrag von eXact Modellbau » Mi 6. Nov 2019, 06:59

Im Fliesenkleber sind PVAC-Anteile enthalten. Das willst du draußen nicht haben.
Gruß
Larry

Nehmen und geben! Es ist nicht der Sinn eines Forums, Informationen per PN auszutauschen!

www.die-minilok.de

R2S5V0
Beiträge: 1426
Registriert: So 9. Feb 2014, 08:24

Re: Mörtelrezept gesucht

Beitrag von R2S5V0 » Mi 6. Nov 2019, 09:42

Sandstein mit Zement Anteil fugen is Pfusch. Kalk in eine Außenfuge zu mischen is noch größerer Pfusch. Und mit Fliesenkleber wirds totaler Pfusch.
SANDSTEIN!!

Ikosaeder
Beiträge: 57
Registriert: Di 25. Dez 2018, 10:16
Austria

Re: Mörtelrezept gesucht

Beitrag von Ikosaeder » Mi 6. Nov 2019, 11:32

R2S5V0 hat geschrieben:
Mi 6. Nov 2019, 09:42
Sandstein mit Zement Anteil fugen is Pfusch. Kalk in eine Außenfuge zu mischen is noch größerer Pfusch. Und mit Fliesenkleber wirds totaler Pfusch.
SANDSTEIN!!
Wenn es nun kein Zement und kein Kalk sein darf, wird die Liste der verfügbaren Bindemittel schon arg kurz. Was würdest Du vorschlagen, Epoxidharz? Kalk in einer Außenfuge hat im Übrigen nichts mit "Pusch" zu tun, sondern ist auch in kommerziellen Klinkerfugenmörteln der Klasse MGIIa enthalten. Da das Haus bereits 180 Jahre alt zu sein scheint, darf man sich allerdings durchaus am Stand der Technik in der Denkmalpflege orientieren. Hier aus der Publikation "Standards der Baudenkmalpflege" des österreichischen BDA:
"Um bauphysikalischen wie ästhetischen Ansprüchen zu entsprechen, sind sowohl die mineralogische Zusammensetzung (Bindemittel und Zuschlagstoffe, Sieblinie), physikalische Parameter (Elastizitätsmodul, Wasserdampfdiffusions- und Wasserdurchlässigkeit) als auch die Farbigkeit und der Auftrag dem Original bzw. dem Bestand anzugleichen.
Grundsätzlich ist durch geeignete Materialwahl die Fuge stets diffusionsoffener als der angrenzende Stein auszubilden."

MfG,
Philipp
Drehmaschine TOS SUIL 40A - Fräsmaschine Fritz Werner 9.133 - Horizontalfräsmaschine Volman - Werkstattpresse 50t - Ständerbohrmaschine Audax 25T - REHM TIGER 230 AC/DC WIG - Federhammer Andritz Mod. 2 (60kg)

bernhard
Beiträge: 121
Registriert: Mo 13. Dez 2010, 08:50
Wohnort: NRW und Aveyron
Kontaktdaten:
France

Re: Mörtelrezept gesucht

Beitrag von bernhard » Mi 6. Nov 2019, 11:58

Denkmalpflege ist wohl in dem kleinen gallischen Dorf glücklicherweise so überhaupt gar kein Thema...
Das an sich hübsche Haus wurde vor langer Zeit jedenfalls mit einem Eternit-Dach verschandelt - so wie ca. 50% der Gebäude in der Region.
eXact Modellbau hat geschrieben:
Mi 6. Nov 2019, 06:59
Im Fliesenkleber sind PVAC-Anteile enthalten. Das willst du draußen nicht haben.
Wenn dieses Zeug für gute Haftung sorgt, halte ich das schon für sinnvoll. Natürlich werde ich nur Fliesenkleber für "exterieur" verwenden.

Wie gesagt: Als Mörtel wurde 1836 Lehm zum Mauern verwandt. Der ist inzwischen ziemlich ausgewaschen.
Darum soll neu verfugt werden, aber bitte nicht wieder mit Lehm - oder doch?
Ciao,
Bernhard

Benutzeravatar
gerhard_56
Beiträge: 975
Registriert: Di 5. Jul 2016, 16:14
Germany

Re: Mörtelrezept gesucht

Beitrag von gerhard_56 » Mi 6. Nov 2019, 12:09

Hallo Bernhard,
im Vergleich zu neuen Bauwerken mit neusten Baumaterialien der heutigen Zeit hat das doch extrem lange gehalten, warum also eigentlich nicht wieder Lehm nehmen?
Im TV habe ich im übrigen gesehen, dass man heraus gefunden hat, warum die chinesiche Mauer an manchen Stellen sehr gut erhalten ist und an anderen nicht. Es liegt an dem Reiswasser, das die damaligen Maurer dem Mörtel in Regionen mit Wassermangel (musste alles ran geschleppt werden) beigemischt haben und deshalb hat die chinesische Regierung es zur Pflicht gemacht, dass bei Sanierungen der Mauer genau dieser Mörtel verwendet wird.
Viele Grüße, Gerhard

Antworten