Gartenhaus isolieren

Bollwerk
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Re: Gartenhaus isolieren

Beitrag von Bollwerk » Fr 7. Jun 2019, 12:09

der von Friesenspan zitierte Teubner ist wenigstens 20 Jahre alt. Gezeigt wird der Aufbau eines Satteldaches, "Dachschräge". Macht man so heute nicht mehr. "Dampfsperren" hatten schon immer das Problem, nie wirklich dicht zu sein, also tatsächlich zu sperren. Nachlässigkeit bei der Verarbeitung, Nager, Schädlinge etc. pp. Heute kommt unter die Dämmung, raumseitig, eine Dampfbremse, die, temperaturabhängig, einen Feuchtigkeitsausgleich auch in Richtung des Raumes ermöglicht. Auf die Dämmung gehört eine diffusionsoffene Dachunterspannbahn. Die Dachdeckung zu unterlüften ist aus verschiedenen Gründen richtig und wichtig. Es gibt aber auch Dächer, Stehfalzdeckung auf Brettschalung zum Beispiel, bei denen eine Unterlüftung der Dachhaut nicht möglich ist. Auch kein Problem, solange eventuell in Schalung und Dämmung eingetretene Feuchtigkeit zur Raumseite hin ausdiffundieren kann.

Mit Fussbodenaufbauten hat das alles überhaupt nichts zu tun. Es sei denn, wir reden über die Dämmung einer obersten Geschossdecke, über der sich ein nicht gedämmtes Dach befindet.

Unterlüftete Holzfussböden hat man oft bei Häusern ohne Keller gebaut. Die Tragbalken auf Steinstapeln oder kleinen Pfeilern verlegt, darauf Brettschalung und Fußbodenbelag.
Über Lüftungsöffnungen im Gebäudesockel waren diese "Decken über Erdreich" so ausreichend unterlüftet, dass Feuchtigkeit, die aus dem Erdreich aufstieg, abgelüftet werden konnte. Die Böden waren extrem fußkalt, sehr beliebtes Mittel zur "Abhilfe" war das Verschliessen der Lüftungsöffnungen. Wenn dann noch ein PVC oder Linolboden verlegt wurde, konnte man auf das Einbrechen des Bodens warten. Das Gleiche passiert/ würde passieren, wenn auf eine solche Decke eine diffusionsdichte Wäremdämmung verlegt würde.

Ein ähnlich "effektiver Unfug" ist das Ausschäumen von Gebäude-Hohlräumen und das "Abdichten" von Fugen zwischen Fachwerkbalken und Gefachen mit Silikon, Acryl, PU und dergleichen.

Wenn es bei einem Bodenaufbau über Erdreich nicht gelingt, aufsteigende Feuchtigkeit von Holzbauteilen fernzuhalten, verrotten diese Holzbauteile über kurz oder lang, wenn solche Feuchtigkeit nicht oberhalb des Sockelanschlusses nach aussen und/oder innen ausdiffundieren kann. Einen Link wie man so etwas fachgerecht ausführt, hatte ich schon gepostet. Ohne Sperrlagen, "Pappe", Folien oder Schweissbahnen geht das nicht.

Es ist wie mit den Klebstoffen, es gibt Hunderte und jeder eignet sich für einen bestimmten Zweck hervorragend, gut oder nur mäßig und für einen anderen überhaupt nicht. Bei Baudetails ist das nicht anders.

Grüße vom
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Re: Gartenhaus isolieren

Beitrag von HansD » Fr 7. Jun 2019, 15:13

Danke für die interessanten Ausführungen! Da habe ich bei unserem ersten Haus doch vieles falsch gemacht.

Welchen Aufbau schlägst du für den Boden des Gartenhauses vor?

Hans

Bollwerk
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Re: Gartenhaus isolieren

Beitrag von Bollwerk » Fr 7. Jun 2019, 15:30

Schaust Du hier:

viewtopic.php?f=106&t=40199#p477918

Anstelle der Teichfolie kann man auch eine Schweissbahn nehmen. Möglichst eine
durchwurzelungsfeste. https://www.bauder.de/de/flachdach/flac ... ahnen.html
Die Bahn würde ich "upside down" auf die Dämmung legen, das macht das Hochziehen
und Befestigen an den Wänden einfacher. Unter die Dämmung, so wie ich es zunächst
beschrieben hatte, geht es genauso gut.

Grüße vom
Bollwerk

Mein alter Herr, Gott hab ihn seelig, sagte immer: "Das erste Mal Bauen sollte
nichts kosten und das erst Mal Heiraten sollte nicht gelten".
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Re: Gartenhaus isolieren

Beitrag von HansD » Fr 7. Jun 2019, 15:47

Danke für den link, das ist mir irgendwie entgangen.
Wir könnten den selben Vater gehabt haben ;-)

Hans

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Re: Gartenhaus isolieren

Beitrag von Schwarzfinger » Fr 7. Jun 2019, 19:25

Bollwerk hat geschrieben:
Fr 7. Jun 2019, 15:30
Schaust Du hier:

viewtopic.php?f=106&t=40199#p477918
Hallo
Super Idee,
20m2 Hütte plus Überstand sind ca 30 m2, 30 cm tief ausgraben sind 9m3 Aushub, also ca 18 Tonnen wegschaffen und genausoviel Kies einbringen, plus Teichfolie .
Von der Arbeit abgesehen kostet das fast nichts.
Warum einfach wenn's umständlich auch geht.
Grüße
Schwarzfinger

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Re: Gartenhaus isolieren

Beitrag von Bollwerk » Fr 7. Jun 2019, 19:30

Schwarzfinger hat geschrieben:
Fr 7. Jun 2019, 19:25
Bollwerk hat geschrieben:
Fr 7. Jun 2019, 15:30
Schaust Du hier:

viewtopic.php?f=106&t=40199#p477918
Hallo
Super Idee,
20m2 Hütte plus Überstand sind ca 30 m2, 30 cm tief ausgraben sind 9m3 Aushub, also ca 18 Tonnen wegschaffen und genausoviel Kies einbringen, plus Teichfolie .
Von der Arbeit abgesehen kostet das fast nichts.
Warum einfach wenn's umständlich auch geht.
Grüße
Schwarzfinger
Klar, kann man sich alles sparen, wenn es nichts ausmacht, dass man zum Fummeln zwei Stufen nach oben gehen muss.
Kann jeder so machen wie er will.

Gruß vom
Bollwerk
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rawing
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Re: Gartenhaus isolieren

Beitrag von rawing » Fr 7. Jun 2019, 20:56

2 Stufen schaff ich gerade noch. Z. Zt. muss ich tatsächlich eine ganze Etage nach unten, zur Fummelbude. Und natürlich später wieder hoch. :pfeif:
Gruß vom Niederr(h)ainer

Fast alles da was ich brauche, aber etwas fehlt immer.
Ich kann auch nett, bringt aber nix.

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Re: Gartenhaus isolieren

Beitrag von Lowrider295 » Sa 8. Jun 2019, 01:59

Moin,

mein Senf dazu als Kleingäertner mit einer 20 m" Gartenlaube aus den 1970ern.
Viele Lauben in unserem Verein sind sogenannte Typenlauben, bedeutet: In der Ausführung allesamt äußerlich identisch, qualitativ unterschiedlich in der Form wie z.B. die Fußböden gestaltet sind.

Meine Laube hat ein gemauertes Ringfundament auf einem relativ flachen Betonring. Steht etwa 25 cm über dem Boden. Darauf steht die Laube. Als Trennschicht zwischen Fundament und Holz ist bei meiner Laube eine Teerpappenschicht.

Als ich die Laube vor 15 Jahren übernommen habe, war der Boden an vielen Stellen durchgebogen, weil die Dame stellenweise irgendwelche Gummiläufer drin liegen hatte. Vaddan und ich haben dann den Boden an den Stellen rausgesägt und eine neue Unterkonstruktion gebaut. Nun liegt Nadelfilz drauf, das Fundement ist drumherum belüftet und ich habe Sommer wie Winter keinerlei Feuchtigkeitsprobleme. Die Laube ist doppelwandig mit eingelegtem Styropor, das Dach ist nach oben hin mit Styropor isoliert. Bedingt durch Umbaumaßnahmen kann ich sagen, dass sich die Laube in den letzten Jahrzehnten super gehalten hat. Sie wird gut belüftet, im Winter ist sie ab und zu beheizt.

Was ich im Verein gelernt habe: Büsche, Sträucher oder Unkraut direkt an der Laube lassen die Bretter im Zeitraffer faulen. Ebenso wie irgendwelches Linoleum, angetackerte Teerpappe um die unteren Bretter etc.

Es gibt Gartenlauben, die haben unter dem Fußboden eine Kunststofffolie. In den 70ern wohl als das Novum überhaupt gefeiert, haben manche Gärtner auch. Sofern intakt, ist das alles ganz toll. Aber Wehe eine Ratte oder sonstwer war da mal bei. Dann wars das. Meine Werkstatt steht auf Gehwegplatten, diese sind auf Schlacke verlegt. Gebaut aus Schaltafeln, die regelmäßig geölt werden und innen habe ich Isolierung aus Mineralwolle mit drübergenagelten Rauhspund. Dach ist geteert, Werstatt zwangsbelüftet. Steht seit 15 Jahren, hat nun unten an den Türen leichte Stellen, weil die Platten sich abgesenkt haben und das Wasser nun nicht mehr von der Tür weg geleitet wird, das muss ich ändern.

MfG Richard

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Re: Gartenhaus isolieren

Beitrag von Bollwerk » Sa 8. Jun 2019, 12:58

rawing hat geschrieben:
Fr 7. Jun 2019, 20:56
2 Stufen schaff ich gerade noch. Z. Zt. muss ich tatsächlich eine ganze Etage nach unten, zur Fummelbude. Und natürlich später wieder hoch. :pfeif:
OK,

dann baue Deine "Bodenplatte" auf Schraubenfundamenten: https://www.schraubfundamente.de/starts ... gJ3KfD_BwE. Gefühlsmässig würde ich vier Reihen mit je sieben solcher "Bodendübel" setzen. Die Hersteller können dazu sicher genaueres sagen. Die Zahl der Dübel hängt von der Tragfähigkeit des Erdbodens und, natürlich, von den Querschnitten der Auflager ab. Die Fläche, auf der das Gartenhaus stehen soll, würde ich wenigstens abziehen, mit einer durchwurzelungsfesten Bahn belegen und Kies darauf packen. Die Dübel werden durch die Bahn gebohrt und eingedichtet. Für die Auflager sollten Kanthölzer 120mm hoch, 80mm breit ausreichen. Die Oberkante der Auflager würde ich wenigstens 200 mm über das Kiesbett setzen. Auf die Kanthölzer kommen dann zwei Lagen OSB, Stöße versetzt, als tragende Fläche. Auf dieser Fläche können die Wände direkt aufgebaut werden. Für die Dämmung nimmt man eine diffusionsoffene Dämmung, trittfeste Mineralwolle oder Holzfaserdämmplatten. Pavatex zum Beispiel, da sind die Auflager für den Fußboden schon Bestandteil des Systems. Der Fußboden muss bei diesem Aufbau ebenfalls diffusionsoffen sein. Einfache Holzdielen genügen. Auf keinen Fall PVC, Gummi oder sonstige, diffusionssperrende Bodenbeläge einbauen.
Neun oder auch zwölf "Ständer" als "Fundament" für die Auflager sind auf keinen Fall ausreichend. Der Fußboden muss, im Gegensatz zu einer Wand, nach außen dicht und nach innen diffusionsoffen sein. Nur so kann, in die Bodenkonstruktion eingetretene, Feuchtigkeit auch wieder weg. Regelmäßiges Lüften nicht vergessen. Den Zugang unter den Fußboden versperrt man am einfachsten mit Alu-Lochblech oder Streckmetall. Alle Dimensionierungen sind grobe Schätzungen und hängen auch von den zu erwartenden Fußbodenlasten ab. Wenn frostsichere Gründung nicht gebraucht oder gewünscht wird, kann man Punktfundamente, in ausreichender Zahl, auch so herstellen, dass man billige Beton-Gehsteigplatten direkt auf das Erdreich stapelt.

Alles eine Frage des Anspruchs.

Nicht zu rütteln ist daran, dass eine erdnahe oder gar erdberührende Holzkonstrution verlässlich gegen das Eindringen von Feuchtigkeit geschützt werden muss. Gelingt das nicht, oder bleibt der Schutz fragwürdig, so muss dafür gesorgt werden, dass die Feuchtigkeit nicht im Holz eingesperrt wird, sondern wieder hinaus kann. Was passiert wenn man sich an diese Regeln nicht hält, hat lowrider in seinem Beitrag sehr anschaulich beschrieben. Vielen Dank dafür.

Grüße vom
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Re: Gartenhaus isolieren

Beitrag von Schwarzfinger » Sa 8. Jun 2019, 17:51

Hallo
28 Schraubfundamente für eine Gartenhütte von 20 m2??????
Gehwegplatten direkt auf die Erde?????
Ist das dein Ernst?
Die Platten sind spätestens nach dem ersten Winter krumm und schief eingesunken.
Jahrzehntelange Erfahrung: Holz, mindestens 20 cm über der Erde, anständige Unterlüftung, nicht mit irgendwelchenLochblechen verbaut,wird weder feucht noch faul.
Mit ausreichend dicker Balkenlage reichen sogar sechs Punktfundamente vorausgesezt die sind tragfähig.
Holz nimmt mit der Umgebungsluft eine Ausgleichsfeuchte an.
Wenn die Luft unter der Hütte permanent ausgetauscht wird,ist sie nicht feuchter als anderswo.
Wenn also von unten sowieso keine Nässe kommt ist der Bodenaufbau auch unkritisch.
Grüße
Schwarzfinger

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