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 Betreff des Beitrags: Re: Ariston, Instandsetzung und Spindellager einschaben
BeitragVerfasst: So 7. Mai 2017, 11:40 
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So David,

jetzt habe ich mir mal die Zeit genommen, Deinen Beitrag etwas genauer durchzulesen.
Es scheint ja kinderleicht zu sein :ironie: , das Bißchen Schaben und Läppen. Respekt!!
Irgenwo reizt es mich schon, bei unserer ARISTON damit anzufangen, aber es würde dawohl zu einer Orgie ausarten,
und da ich wenig bis keine Erfahrung mit dem Schaben habe, traue ich mich zum jetzigen Zeitpunkt garnicht dran, -außerdem habe ich noch weitere Baustellen, die in der Prioritätenliste weit vorne stehen.
Ich werde mir aber Deinen , wie auch Haralds Beitrag dann wohl als Lehrbuch nutzen.

_________________
Gruß
Max


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 Betreff des Beitrags: Re: Ariston, Instandsetzung und Spindellager einschaben
BeitragVerfasst: So 7. Mai 2017, 19:03 
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Hallo Max,

spansau hat geschrieben:
...., aber es würde dawohl zu einer Orgie ausarten


Das kann ich gut verstehen!
Aus "schnell mal die Drehbank zerlegen, in den Keller tragen, und unter Beseitigung der größten Mängel wieder aufbauen" wurde eine ziemlich lange Geschichte :pfeif:
Nur gut, dass "gut funktionierende Drehbank" recht weit oben auf meiner Prioritätenliste steht :-D


Und wegen dem Schaben,... da wächst man rein, indem man es einfach aus Notwendigkeit tut ;-)


Gruß
David


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 Betreff des Beitrags: Re: Ariston, Instandsetzung und Spindellager einschaben
BeitragVerfasst: Fr 2. Jun 2017, 09:32 
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Hallo zusammen,


Die Auflagefläche am Spindelstock habe ich noch bearbeitet, und ich schätze, dass sie auf ca. 2µ genau passt. Das Thema Axiallager ist aber noch nicht ganz erledigt. Gewissermaßen bleibt noch eine Frage offen: Öl- oder Fettschmierung?
Eigentlich möchte ich an dieser Stelle mit Fett schmieren. Gegen Ölschmierung habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden, aber in diesem Fall gibt es da eine kleine Problematik, welche überhaupt diese Frage entstehen lies.

Das aus dem hintern Lager austretende Öl sammelt sich in der Mutter. Wenn der Ölpegel ansteigt, erreicht er irgendwann das Niveau der Wälzkörper (bzw. des Käfigs) wird mitgeschleppt, und würde mir das Fett aus dem Lager waschen. Steigt der Ölstand noch weiter, kann das Öl irgendwann über den Flansch und gelangt auch zum hineren Axiallager.

Auch wenn ich jetzt unter dem hinteren Lager eine Kerbe in die geläppte Fläche mache, durch welche das Öl abfließen kann, muss das Öl erst die Gewindegänge der Mutter überwinden. In die Gewindegänge der Mutter werde ich gewiss keine Kerben einarbeiten.

Gegen Ölschmierung spricht, dass sich das dünne Spindelöl durch die Fliehkraft wohl bald aus dem Lager verabschieden würde. Ich müsst also mit zäherem Öl vor Arbeitsbeginn abschmieren, und dazu müsst ich etwa 10 Löcher in die Mutter bohren um das Öl direkt an die Lager zu bekommen.

Meine Idee ist daber: In das Lager ein Rille einarbeiten, unterhalb der Spindel die Rille zu einer kleinen Mulde erweitern, und von dort eine Bohrung, oder eine Nut richtung Auflagefläche der Mutter zu machen; und an dieser Stelle dann noch eine Rille nach unten machen. Das Öl sollte dann ohne jemals mit dem Axiallager in Kontakt zu kommen, abfließen können.

Zum besseren Verständnis noch ein Bild dazu:
Dateianhang:
0.JPG
0.JPG [ 126.46 KiB | 1207-mal betrachtet ]


Fettschmierung - welches Fett?
Ich habe gelesen, dass Bleiseifen-Fette einen sehr druckstabilen Schmierfilm bilden. Reine Bleiseifenfette sind allerdings sehr dünnflüssig und werden daher mit anderen Fettgrundlagen vermischt.
Gibt es da nicht irgendeine teures Spezialfett von Klüber - ich glaube mal gehört zu haben, dass die Spindeln der Deckel-FP-Serie aussschließlich mit diesem Fett geschmiert werden düfen - andernfalls gibt es bei höheren Drehzahlen Probleme mit übermäßiger Erwärmung (bzw. war das fürher sogar eine Garantie-Bedingung nur mit diesem Fett zu schmieren). Und dieses Fett ist doch so ein Bleiseifenfett oder????


------------------------------------


Ich habs nicht fertig gebracht, die Maschien auf Maschinenschuhe zu stellen. Die bauen ziemlich hoch, und zudem sieht das an der Maschine ziemlich blöd aus. Daher habe ich die Bohrungen im Unterbau um ein Gewinde erweitert:
Dateianhang:
1.JPG
1.JPG [ 165.32 KiB | 1207-mal betrachtet ]


Die Maschine dann an ihrem Standplatz positioniert, eine Scheibe mit Senkung durch die Gewindebohrung auf den Boden fallen lassen, eine Wälzlagerkugel hinterher und dann eine Gewindestange mit Sechskant am oberen Ende hineingedreht. Beim Einrichten der Maschine habe ich festgestellt, dass ich durch justieren der Schrauben kaum bis garnichts an der Verwindung des Betts verändern kann. Selbst wenn der Reitstockseitige Fuß vorne in der Luft hängt, ist das Bett an dieser Stelle noch deutlich zu hoch.


Ausrichten der Maschine mit der Wasserwaage:
Dateianhang:
3.JPG
3.JPG [ 138.3 KiB | 1207-mal betrachtet ]
Dateianhang:
4.JPG
4.JPG [ 150.18 KiB | 1207-mal betrachtet ]



Außerdem habe ich dann zahlreiche andere Messungen gemacht.
Mögliche Referenzflächen prüfen:
Dateianhang:
2.JPG
2.JPG [ 151.71 KiB | 1207-mal betrachtet ]

Dabei habe ich dann festgestellt, wie stark sich der Reitstock seitlich verdrehen lässt. Das Kippeln braucht man gar nicht messen, man kann es sogar sehen und wenn man will auch hören.

Noch eine von den vielen Messungen:
Dateianhang:
5.JPG
5.JPG [ 128.28 KiB | 1207-mal betrachtet ]

Richtung Spindelstock etwa 2 Hunderstel abfallend. Verschleiß? Eigentlich nicht sehr viel.
Und überhaupt wäre das Bett gar nicht so im Eimer, wäre da nicht diese Verwindung. Wodruch die zustande kam? Entweder weil die Maschine jahrzehntelang unausgerichtet gestanden hat - mit dem rechten hinteren Fuß in der Luft. Oder Spannungen die sich über die jahre ausgewikt haben. Oder das Bett wurde bei der Bearbeitung, beim Aufspannen, verspannt - was ich überhaupt nicht ausschließen würde. Diese Drehbank wurde sicher in Rekordzeit gebaut, und mittlerweile weiß ich auch, dass sie nicht älter sein kann als BJ 1938.


Wie dem auch sei, mittlerweile hatte ich fix entschieden, das Bett einzuschaben. Da ich auch schon einen groben Plan hatte, wie meine Messbrücke und Vorgehensweise sein wird, habe ich mal begonnen, wegzuschaben, was ohnehin weg kann:
Dateianhang:
6.JPG
6.JPG [ 141.44 KiB | 1207-mal betrachtet ]



Die zwei zarten Linien an der ersten Prismenfläche wurden nach einigen Durchgängen nicht wirklich breiter. Nachdem ich dort das Haarlineal angelegt hatte, habe ich nicht gezögert, und zur Feile gegriffen. Mit einer Feile am Bett zu schruppen, hat irgendwie was von Respektlosigkeit 8-)

Schon besser:
Dateianhang:
7.JPG
7.JPG [ 140.52 KiB | 1207-mal betrachtet ]



Zum Tuschieren hatte ich bis dahin eine Dreikantlineal:
Dateianhang:
8.JPG
8.JPG [ 156.83 KiB | 1207-mal betrachtet ]


Güte1, relativ wenig gebraucht, etwas unhandlich im Gebrauch,......


Jörg hat mir dann sein Camelback geliehen
:thx: :thx:


Die erste Prüfung auf der Messplatte war ernüchternd, aber das war gar nicht so unerwartet. Also erstmal Camelback einschaben, und währenddessen die Idee der Messbrücke im Kopf reifen lassen.
Dateianhang:
9.JPG
9.JPG [ 143.11 KiB | 1207-mal betrachtet ]

Das Gröbste habe ich mit dem Renz geschabt, den Rest dann von Hand.

Ein Detail:
Dateianhang:
10.JPG
10.JPG [ 137.64 KiB | 1207-mal betrachtet ]

Hier sieht man deutlich, dass in zwei Bahnen geschliffen wurde. Die paar Schabemarken waren wohl nur Zierschabung.

Nach zwei Tagen hatte ich das Tuschierlineal soweit, dass es nicht perfekt, aber allemal ausreichend genau sein sollte.


Fortsetzung folgt bald.


Gruß
David


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 Betreff des Beitrags: Re: Ariston, Instandsetzung und Spindellager einschaben
BeitragVerfasst: Fr 2. Jun 2017, 13:16 
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Die hintere Fläche am Bett war halbwegs eingschabt.
Das Tuschierlineal war eingeschabt.
Und die Messbrücke war gebaut.


Verwindung der Prismenspitzen ausmessen:
Dateianhang:
1.JPG
1.JPG [ 138.53 KiB | 1165-mal betrachtet ]



Geradheit in Längsrichtung prüfen:
Dateianhang:
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2.JPG [ 140 KiB | 1165-mal betrachtet ]



Meine Messbrücke im Detail:
Dateianhang:
3.JPG
3.JPG [ 113.84 KiB | 1165-mal betrachtet ]


Zum Messen der Geradheit lege ich einen Zylinderstift in das kleine Prisma, darauf kommt dann die Platte mit der Mikrometertrommel. So kann ich Maschinenwasserwaag beliebig nullen.


Um in Längsrichtung zu Messen, habe ich mehrere Auflagepunkte vorgesehen. Ich hatte zwei kleine Prismen eingefräst. Durch einkleben (mit Fett) von Zylinderstiften habe ich zwei Auflagepunkte mit einer Distanz, die annähernd der Länge der Maschinenwasserwaage entspricht. Bei einer Auflösung von 0,02mm/m sind das 6µ pro Teilstrichabstand. Lasse ich die Zylinderstifte weg, liegt die Messbrücke an zwei Punkten auf, die 100mm auseinander liegen, und das gibt mir dann eine Auflösung von 2µ pro Teilstrichabstand - also schon ziemlich sensibel!

Dateianhang:
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4.JPG [ 115.34 KiB | 1165-mal betrachtet ]


Nachdem ich gemerkt hatte, dass es zwischen den Prismen eine Verwindung gibt, und die Zylinderstifte somit an den Kanten aufliegen, habe ich diese gegen Wälzlagerkugeln ersetzt.

Selbes Problem wollt ich für die anderen Auflagepunkte unbedingt vermeiden. Ich hatte beim Fräsen zwei Stege gelassen. die tatsächlichen Auflagepunkte habe ich dann mit Meißel und Feile freigelegt:
Dateianhang:
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5.JPG [ 136.31 KiB | 1165-mal betrachtet ]


Überhaupt habe ich darauf geachtet, dass alles hohl und kippelfrei aufliegen kann:
Dateianhang:
6.JPG
6.JPG [ 108.62 KiB | 1165-mal betrachtet ]



Die Verwindung des Bettes sieht so aus, dass es ab dem geringsten Querschnitt, zwischen zwei der Diagonalrippen ziemlich markant verdreht ist. Das große Plus lag am vordren Prisma, Reitstockseitig. Dort hatte ich den Großteil auch schon mit der Feile beseitigt.

Nachdem ich die hintere Prismenspitze schon ziemlich gut gerade hatte, habe ich beide Prismenspitzen in Längsrichtung vermessen und eine ungefähre Freihandskizze gemacht. Dazwischen noch die Werte der noch verbliebenen Ungenauigkeiten in Querrichtung eingetragen:
Dateianhang:
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7.JPG [ 80.19 KiB | 1165-mal betrachtet ]


Wenn man die einzelne Prismenspitze für sich betrachtet, würde man bald mal an der falschen Stelle Material abtragen. Unbedingt die Verwindung hinzuziehen, aus den Werten ein brauchbares Diagramm zeichnen, und die beiden Linien übereinanderlegen - so das die Werte der Verwindung Sinn ergeben. Das sieht dann in etwa so aus:
Dateianhang:
8.JPG
8.JPG [ 90.97 KiB | 1165-mal betrachtet ]


Daraus ist dann ersichtlich, dass die hintere Prismenspitze Spindelstockseitig zu hoch ist; und die vordere Reitstockseitig.

Aber bevor ich da begonnen habe, die Prismenspitzen weiter zu bearbeiten, habe ich noch die Paralellität zum Prisma und zur Bettunterseite hinzugezogen, um eventuell noch Felher zu kompensieren, damit ich später nicht so viel, und vor allem, nicht so ungleichmäßig Material von den Prismen runterschaben muss.


Um mit der Wasserwaag sinnvoll in Längsrichtung messen zu können, braucht es eine Messkette. D.h. beim Weiterschieben der Wasserwaage muss der eine Auflagepunkt dort zu liegen kommen, wo zuerst der andere war. Nur so bekommt man Werte die zueinander in Beziehung stehen.


Zwei solcher Messketten, die ich (mit Bearbeitungsdurchgang dazwischen) notiert habe, sehen so aus:
Dateianhang:
9.JPG
9.JPG [ 78.08 KiB | 1165-mal betrachtet ]


Eine Serie von hohen Werten mit gleichem Vorzeichen ist lästig beim Zeichnen des Diagramms. Daher hatte ich bei der zweiten Messkette die Wasserwaage an anderer Stelle genullt. Die Pfeile geben an für welche Richtung das Vorzeichen gilt.

Das dazugehörig Diagramm zur zweiten Messkette sieht so aus:
Dateianhang:
10.JPG
10.JPG [ 97.86 KiB | 1165-mal betrachtet ]


Ein Kästchen in der Höhe entspricht 1µ
Im Diagramm kann man dann durch die tatsächlichen Tiefpunkte eine Linie ziehen, und erst dann kann man Werte wirklich lesen. Wer das ohne Diagramm schafft - Hut ab!
Im Diagramm sieht man schön die hohen Stellen

Mit einem Hauch von Tuschierfarbe am Lineal,....
Dateianhang:
11.JPG
11.JPG [ 136.2 KiB | 1165-mal betrachtet ]

....wollte ich das prüfen, und war beim ersten mal erstaunt, wie punktgenau das übereinstimmt.

Mit halbwegs gutem Bildschirm kann man das sogar am Photo erkennen:
Dateianhang:
12.JPG
12.JPG [ 121.71 KiB | 1165-mal betrachtet ]


Zuerst hatte ich die hintere Prismenspitze auf etwa 1µ genau gerade. Das hat einige Zeit gedauert, da ich viel gemessen hatte. Nachdem ich aber festgetellt habe, dass ich mit dem Tuschierlineal auch Fehler knapp unter 2µ sehr zuverlässig sichtbar machen kann habe ich mir einiges an Messerei erpart, und bin beim vorderen Prisma deutlich schneller ans Ziel gekommen. Das Tuschierlineal habe ich auch auf Umschalg geprüft - am Tuschierbild ändert sich praktisch Nichts.

Hätte nicht gedacht, dass das so genau geht, vor allem wenn die zu tuschierende Fläche keine Schabetäler hat, sondern geläppt ist. Schön ist es auch, zu einem Tuschierbild die Zahlenwerte der Abweichung überhaupt zu kennen!



Eine Fortsetzung kommt noch, dann bin ich wieder beim aktuellen Standpunkt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ariston, Instandsetzung und Spindellager einschaben
BeitragVerfasst: Fr 2. Jun 2017, 14:10 
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Hallo David
ganz grosses Kino. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt.
Ich freu mich schon auf die Fortsetzung.
Beste Grüsse
Thomas

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 Betreff des Beitrags: Re: Ariston, Instandsetzung und Spindellager einschaben
BeitragVerfasst: Fr 2. Jun 2017, 15:47 
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Hallo David,
Klasse! Danke für die vielen Details.

Ich hätte eine Frage zur Messbrücke: liegt die auf den Stümpfen/Spitzen der Prismen auf (Bilder 1.jpg und 2.jpg im zweiten Teil)? Müsste sie nicht eher auf den Flanken der Prismen aufliegen (zwei Zylinderstifte oder drei Kugeln)? Nach den Fotos 2.jpg und 4.jpg des ersten Teils von heute sieht es so aus, daß die Spitzen der Prismen in den entsprechenden Gegenstücken (Reitstock und Sattel) freigestellt sind.

Gruß,
Jochen


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 Betreff des Beitrags: Re: Ariston, Instandsetzung und Spindellager einschaben
BeitragVerfasst: Fr 2. Jun 2017, 19:31 
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Hallo zusammen,

Stahlfussel hat geschrieben:
Nach den Fotos 2.jpg und 4.jpg des ersten Teils von heute sieht es so aus, daß die Spitzen der Prismen in den entsprechenden Gegenstücken (Reitstock und Sattel) freigestellt sind.


Richtig!

Stahlfussel hat geschrieben:
Ich hätte eine Frage zur Messbrücke: liegt die auf den Stümpfen/Spitzen der Prismen auf


Ganz genau - und das ist auch der Clou an der Sache. ;-) Warum Führungsflächen als Referenz verwenden, wenns Flächen gibt, die sich besser dafür anbieten und sich auch noch schneller und präzieser abrichten lassen?

Ich habe nun für die Messbrücke eine sehr genaue Führung, die nicht an der Führung von Reitstock und Schlitten beteiligt ist. Die Messbrücke ist ziemlich einfach zu basteln, und ich muss zum Messen nicht über geschabte Oberflächen rumpeln (Außer mit der Messuhr). Die Verwindung der Prismen mittels Wasserwaage zu prüfen, kann ich mir jetzt während dem Schaben sparen. Ich werde nur noch mit der Hundersteluhr abtasten - geht schneller, als das Warten auf eine eingependelte Libelle :-D Erst zum Schluss, wenn alles eingeschabt ist, dann werde ich nochmal mit der Wasserwaage kontrollieren.



Weiter gehts!

Ich habe an den Prismenspitzen gefeilt, geschabt, mit dem Schleifstein abgezogen. Aber Schlussendlich ist es für ein genaues Messen der Geradheit auch wichtig, dass diese schmale Fläche in Querrichtung nicht verwunden ist. Einen Schleifstein, der über beide Prismen ragt habe ich nicht.

Vielleicht hat sich schon jemand über das graugelbe Zeug auf meiner Messbrücke gewundert? Das ist Messing. Aus Faulheit hatte ich versucht, ein Trumm für alles zu bauen. Es hätte zwar funktioniert, aber es war schon besser so, dafür was eigenes zu bauen. Damit habe ich mir auch das ständige Putzen der Messbrücke und das An- und Abbauen des Auslegers gespart.

Das Messing habe ich weich aufgelötet, plan geschabt, und wollte es dann auf irgendeinem ebenen Trum einläppen und mit Läppmittel aufladen. Den erstebesten Spiegel den ich dafür vorgesehen hätte, habe ich mit dem Lineal tuschiert - total krumm! Die nächte 10mm dicke Glasplatte war auch nicht besser. Und dann hatte ich keine Lust, all die anderen, gut verstauten Glasplatten auszugraben, um festzustellen, dass die alle für Nichts zu gebrauchen sind.

Also, wie gesagt, ein eigenes Werkzeugs gebaut, und zwar gleich zwei davon:
Dateianhang:
1.JPG
1.JPG [ 151.19 KiB | 1093-mal betrachtet ]

Beide eben geschabt, und eingeläppt.

Damit konnte ich die Prismenspitzen sehr genau abziehen. Als ich die hintere Prismenspitze gläppt habe, habe ich einfach auf den entsprechenden Messingteil etwas zusätzliches Läppmittel aufgetragen. Die andere Seite nur gut geputzt. Immer nur über dem Prisma, welches ich bearbeiten wollte Druck ausgeübt - so das das andere Ende des Werkzeugs relativ frei mitbaumelt.

Beim Bearbeiten des vorderen Prismas, war das hintere ja schon furchtbar genau. Da wollte ich nichts verpfuschen, und habe das Messing dann mit Klebeband bedeckt. Erst beim letzten Feinschliff habe ich auf das Klebeband verzichtet.
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2.JPG [ 134.19 KiB | 1093-mal betrachtet ]



Irgendwann stand ich ja vor der schwirigen Entscheidung, ob ich die hintere Prismenspitze noch etwas nachkorrigieren soll.

Prismen abgetastet:
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3.JPG [ 129.34 KiB | 1093-mal betrachtet ]


Unterkannten abgetastet:
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4.JPG [ 105.59 KiB | 1093-mal betrachtet ]

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5.JPG [ 129.44 KiB | 1093-mal betrachtet ]


Mit der Spitze des Reitsockprismas verglichen:
Dateianhang:
6.JPG
6.JPG [ 117.25 KiB | 1093-mal betrachtet ]


Die Messungen er letzten beiden Photos war dan entscheidend - aber auch vor allem die Tatsache, dass ich keine Lust hatte, die schöne gerade Fläche nochmal überarbeiten zu müssen.

Das Ergebnis der finalen Messung:
Dateianhang:
7.JPG
7.JPG [ 68.64 KiB | 1093-mal betrachtet ]

Man sieht schön die Verwindung der Prismen

Dem kann man jetzt sehr deutlich entnehmen, dass ich das hintere Prisma spindelstockseitig noch um 2 Hunderstel hätte tiefer legen können (müssen/sollen). Das hätte mir 2 Hunderstel erspart, die ich nun an anderer Stelle wegschaben muss. Aber verglichen mit dem, was ich ohnehin schaben muss, erschienen mir die zwei Hunderstel als Fliegenschiss, bzw. ging mir das Abrichten der Prismenspitzen schon etwas auf den Keks!

Ich hätte auch noch mehr abnehmen können, um der Verwindung entgegen zu kommen. Das hätte mir aber keinen geringeren Materialverlust gebracht, sondern nur eine Verschiebung des nötigen Materialabtrages.

Außerdem: Man beachte das hintere Reitstockprisma!

Alles was ich noch machen werde, ist die hintere Anschlagfläche für die Messbrücke noch etwas zu kippen ;-)

Interessant fand ich die mittig abfallenden Reitstockprismen - daher habe ich den Wert auch angeschrieben. So wie das aussieht wurde das womöglich mit dezent stumpfen Fräsern und Schruppvorschub gewalzt. Vorstellbar, dass sich das Bett unter dem Schnittdruck durchgebogen hat. Ich will das nicht schlecht reden - ich wäre sehr glücklich, wenn ich in diesen Dimensionen so genau fräsen könnte!


Wenn ich wieder Zeit hab, gehts endlich ans Schaben, bzw. vorher mal die hohlen Prismenflächen etwas befeilen.


Gruß
David


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 Betreff des Beitrags: Re: Ariston, Instandsetzung und Spindellager einschaben
BeitragVerfasst: So 11. Jun 2017, 18:24 
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Hallo zusammen,


Aktueller Standpunkt:
Ich habe jetzt alle Prismen stoßschabend auf besser als 0,5 Hunderstel genau paralell geschruppt. Mit Außnahme der Bettbrücke, und der vordersten Prismenfläche, auf welcher ich das Ziehschaben geübt habe - die Fläche muss ich noch um 1 Hunderstel kippen.

Meine Kamera is momentan leider verschollen, also bleiben mir nur Worte um das zu beschreiben.

Ich bin jemand, der den Reitstock gerne mal verstellt, um Kegel zu drehen. Daher habe ich mir die Teilfläche des Reitstockes genauer angesehen. Die Fläche am Sockel wurde ab Werk geschabt, aber total mangelhaft. Außerdem ist die Fläche nicht paralell zum Bett - d.h. die Spitzenhöhe verändert sich, wenn ich den Reitstock verstelle! Das sind etwa 3 Zehntel Abweichung auf die Reitstockbreite.

Wie man das misst? - Tuschierlineal quer über die Prismen legen, Magnetstativ drauf, Messuhr auf der Fläche des Reitstocksockels nullen, und Tuschierlineal verschieben.

Ich brauch mal euren Rat!

Es ist ja völlig egal wie die Führung des Planschlittens geneigt ist - die Drehmeißelschneide bewegt sich immer aufs Drehzentrum zu. Theoretisch müssten aber Teilebene des Reitstockes und Führung des Planschlittens die selbe Neigung haben, oder habe ich da einen Denkfehler :kopfkratz:


EDIT: Klar muss das so sein! Die Frage ist nur, gibts ne sinnvolle Toleranz dafür,..... ob diesbezüglich was im Schlesinger steht?

Was die Neigung des Schwalbenschwanzes für den Planschlitten betrifft, werde ich mich beim Einschaben aber an der Trapezgewindespindel orientieren - die sollte ja auch halbwegs parallel zur Führung sein, außer man hat unbedingt Lust die Lagerung der Spindel neu zu machen.



Gruß
David


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 Betreff des Beitrags: Re: Ariston, Instandsetzung und Spindellager einschaben
BeitragVerfasst: So 11. Jun 2017, 19:26 
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Hallo David,
Deine Frage lässt sich zurückführen auf die Frage nach dem zulässigen Höhenunterschied zwischen Spindel und Reitstock.
Hierzu macht Schlesinger tatsächlich einen Angabe:
Test 12: Achsen der Spitzen parallel zum Bett in der vertikalen Ebene: 0 - 0,02mm (Toolroom Lathes und Finish Turning Lathes bis 400mm Spitzenhöhe)

EDIT: über die gesamte Länge des Betts

Gruß,
Jochen


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 Betreff des Beitrags: Re: Ariston, Instandsetzung und Spindellager einschaben
BeitragVerfasst: So 11. Jun 2017, 20:02 
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Hallo David,
Keilwinkel hat geschrieben:
Theoretisch müssten aber Teilebene des Reitstockes und Führung des Planschlittens die selbe Neigung haben,

nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Nur so ist gewährleistet, dass die Drehmeiselschneide immer auf der Zentrumshöhe des Reitstockes liegt.
Am einfachsten ist, so zumindest für mich, sich ein Schrägbett, vorzustellen, dann ist dieser Punkt schnell einleuchtend.

[Edit:] wollte mal wieder schneller antworten als Lesen. Die Frage hast du dir ja schon korrekt selbst beantwortet.

Gruß,
Martin

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