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 Betreff des Beitrags: Libelle für Maschinenwasserwaage
BeitragVerfasst: Sa 13. Jan 2018, 18:14 
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Guten Abend,

wie angedroht, habe ich mir heute ein kleines Zwischenprojekt vorgenommen und ein Libelle für eine Maschinenwasserwaage geschliffen, die ich demnächst zum Ausrichten meiner Torsa Drehbank benötige.

Ich bin grob nach folgender Anleitung vorgegangen:
http://fer3.com/arc/m2.aspx/Making-your ... 012-g17728
hier die Fotos dazu
http://fer3.com/arc/m2.aspx/Making-your ... 012-g17735

Also habe ich mir zunächst eine Schleifvorrichtung gebaut:

Dateianhang:
vial_grinding_jig_DSC09252.JPG
vial_grinding_jig_DSC09252.JPG [ 159.9 KiB | 2421-mal betrachtet ]


Dateianhang:
vial_grinding_jig_DSC09253.JPG
vial_grinding_jig_DSC09253.JPG [ 104.35 KiB | 2421-mal betrachtet ]


Der Dorn hat einen Durchmesser von 11 mm, das Glas-Rohr einen Innendurchmesser von etwa 11.5 mm. Der Dorn wird durch Anziehen der Muttern an den äusseren "Böckchen" definiert um wenige Zehntelmillimeter verbogen.
Ich habe den Schleifdorn mit eine Paste aus 400er Silizium-Carbid bestrichen.
Das Glas sitz auf diesem Dorn und wird mit einem Stück Holz wie mit einem Geigenbogen "gestreichelt", so, daß es sich hin- und her dreht. Das Holz habe ich mit Maler-Krepp bespannt, damit es besser am Glas haftet. (Offiziell nimmt man dazu Gummi, das ich aber nicht hatte.)
Ich habe eine gute halbe Stunde lang "gegeigt".
Das Rohr war danach innen gleichmässig mattiert.
Nach gründlicher Reinigung habe ich es an einer Seite mit einem Gummistopfen versehen und mit Aceton (später soll es Brennspiritus werden) gefüllt. Beim Aufsetzten des zweiten Stopfens habe ich etwas Luft als Libellenblase eingeschlossen. Das ging überraschend leicht.
Das Ganze habe ich mit folgender (schlecht fotografierten) Anordnung getestet:

Dateianhang:
vial_simple_test_setup.JPG
vial_simple_test_setup.JPG [ 82.3 KiB | 2421-mal betrachtet ]


Ein ca 0.5 m langes Alulineal liegt auf der linken Seite auf einem Stück Rundstahl auf. Rechts liegt es auf einem Aluhebel, der am langen Ende auf einem "Klötzchenstapel" aufliegt und samit eine sehr feinfühlige Justage der rechten Lineal-Höhe erlaubt. Kontrolle mittels Messuhr.

Hier das Ergebnis:

Dateianhang:
vial_1_test_1-s.JPG
vial_1_test_1-s.JPG [ 143.55 KiB | 2421-mal betrachtet ]


Die Höhendifferenz des 0.5 m langen Lineals beträgt 0.1mm, also bezogen auf einen Meter 0.2 mm.
Die Auslenkung der Libelle beträgt 8 mm, d.h. die Empfindlichkeit meiner Wasserwaage liegt bei ca 0.03 mm pro mm Ausschlag.
Ich hätte das gerne etwas empfindlicher gehabt, finde das Ergebnis aber für den ersten Versuch schon recht brauchbar.

Die Libelle bewegt sich übrigens in Zeitlupe. Für den in den Fotos gezeigten Weg benötigt sie etwa 20 - 30 Sekunden. Ich vermute, daß das auch an der noch sehr rauhen Oberfläche des Glases liegt. Ich werde also noch mit feinerem SiC nachschleifen - bis 'runter auf 4000er.

Ich hatte das übrigens zunächst mit Wasser probiert: da hätte ich auch Fett nehmen können!

Manöverkritik:

die Biegung des Dorns ist schwer definiert einstellbar. Ich habe den Dorn in der Mitte mit der Messuhr abgetastet und gedreht, um die leichte Durchbiegung zu ermitteln. Den Mittelwert habe ich dann zu "Null" erklärt und danach die Spannklötzchen angezogen, bis die Messuhr 0.2 mm anzeigte. Das Ganze ist aber recht ungenau. Ich denke darüber nach, neben der Schleifvorrichtung eine Messuhr auf eine Messplatte zu stellen und den Dorn damit abzufahren, um besser reproduzierbare Messungen zu bekommen.

Anstelle dieser Alu-Distanz-Klötzchen werde ich Aluronden verwenden, da die Klötzchen sich undefiniert verkanten.

Trotz dieser kleinen Fehler bin ich mit dem Ergebnis hochzufrieden.

Mein herzlicher Dank an Mike, der mich mit Infos versorgt hat!

Ich bitte die schlechten Fotos zu entschuldigen - ich war so gespennt, ob das klappen würde, daß ich nur schnelle Knipsbilder gemacht habe.

Viele Grüße

Harald


Zuletzt geändert von Harald F. am Sa 13. Jan 2018, 18:30, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Libelle für Maschinenwasserwaage
BeitragVerfasst: Sa 13. Jan 2018, 18:21 
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Hallo

ich bin begeistert das es geklappt hat :) wenn das so weiter geht hier ist der Marsroboter nicht mehr weit.

Gruß Mike


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 Betreff des Beitrags: Re: Libelle für Maschinenwasserwaage
BeitragVerfasst: Sa 13. Jan 2018, 23:02 
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Hallo. Super Aktion! Würdest du das schleifen noch genauer beschreiben bzw. deinen Aufbau ?Darf ich Fragen woher die Glasröhren kommen ? :willauch:

Grüße


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 Betreff des Beitrags: Re: Libelle für Maschinenwasserwaage
BeitragVerfasst: So 14. Jan 2018, 08:56 
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Hallo,
Sehr interessantes Projekt! Grade für Sonderanwendungen könnte das Klasse sein.
Muss jefoch sagen, dass ich für das Ausrichten einer Maschine eher eine gekaufte Waage nutzen würde. Die kosten doch bloß 100€ oder bei Wabeco im Moment 60-70€.

Gruß Jonny


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 Betreff des Beitrags: Re: Libelle für Maschinenwasserwaage
BeitragVerfasst: So 14. Jan 2018, 09:00 
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Guten Morgen

ich versuche noch mal eine genauere Beschreibung.
Zunächst ein Foto, das den Gesamtaufbau zeigt;

Dateianhang:
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vial-grinding-setup-DSC09255.JPG [ 90.69 KiB | 2004-mal betrachtet ]


Der Schleiforn, ein Stück 11 mm Rund-Silberstahl, wird an den äusseren Enden der Halterung zwischen zwei Aluklötzchen gespannt, die man durch Stellschrauben in der Höhe verstellen kann. Zur Mitte hin steckt der Dorn in zwei Distanzklötzchen, die den Dorn nach oben drücken, wenn an den Enden die Stellschrauben angezogen und der Dorn somit nach unten gedrückt wird. Dadurch verbiegt sich der Dorn so, daß er etwa in der Mitte der Vorrichtung seinen höchsten Punkt hat.

Die Messung der Durchbiegung war im ersten Versuch noch nicht sehr genau. Ich habe in der Mitte des Dorns mit der Messuhr die Höhe des Dorns bestimmt. Im ungespanten Zustand habe ich diesen ein wenig hin und her gedreht, um durch Mittelung den Nullpunkt zu finden. (Der Dorn war nicht perfekt gerade.) Dann habe ich die Stellschrauben auf beiden Seiten der Vorrichtung gleichmässig angezogen, bis die Uhr bei 0.2 mm stand.

Der Glas-Rohling wird vor der Montage auf den Dorn gesteckt. Er hat etwa 0.5 mm "Luft".
Der Dorn wird mit Schleifpaste eingeschmiert.

Dann wird mit Hilfe des "Geigenbogens" (ein Stück Holz mit aufgespanntem Kreppband - Klebeseite nach aussen) geschliffen:

Dateianhang:
vial-grinding-setup-DSC09257.JPG
vial-grinding-setup-DSC09257.JPG [ 140.36 KiB | 2004-mal betrachtet ]


Das Holz wird immer wieder hin- und her bewegt. Durch den Kleber haftet das Rohr und dreht sich. Man sollte darauf achten, daß das Holz möglichst in der Mitte des Rohrs aufliegt und nicht stark drücken. Das Rohr dabei auch seitlich ein wenig hin- und her bewegen.

Das Glasrohr stammt von der Firma Neon Mohr, einem örtlichen Händler für Laborbedarf, der auch Leuchtreklame herstellt und eine eigene Glasbläserei betreibt. Das Material ist sehr günstig, etwa 5 Euro für 1.5 m.
Auf Wunsch trete ich gern ein Stück von meinem Glasrohr ab.

Beim Schneiden der Rohrstücke aufpassen: man sollte tatsächlich nur genau einen ganz kurzen Ritz machen und dann das Rohr beherzt durchbrechen. Ich war dazu zunächst zu feige und habe versucht, das Rohr rundherum anzuritzen, was aber zu sehr "fiesen" und zackigen Schnitten führt. HM-Schaberplatten funktionieren übrigens ganz gut als Glasschneider.

Viele Grüße

Harald


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 Betreff des Beitrags: Re: Libelle für Maschinenwasserwaage
BeitragVerfasst: So 14. Jan 2018, 09:52 
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Hallo

noch ergänzend:

Ich habe soeben mal versucht, die Durchbiegung des Dorns genauer zu vermessen und habe dazu mit einer Messuhr auf einer Granitplatte die beiden Auflagepunkte und die Mitte des Dorns vermessen. Durch Unterlegen von dünnen Blechen habe ich die Auflagepunkte etwa auf eine Höhe gebracht. (plus/minus 3 Hundertstel). Die Durchbiegung ergibt sich dann aus der Differenz zwischen dem Mittelwert der beiden Auflagerpunkt-Werte und der Messung in der Mitte, also

Code:
D = H_mitte -  (H_links + H_rechts) / 2



Dateianhang:
messung1_DSC09259.JPG
messung1_DSC09259.JPG [ 135.61 KiB | 1936-mal betrachtet ]


Dateianhang:
messung_mitte_DSC09258.JPG
messung_mitte_DSC09258.JPG [ 120.52 KiB | 1936-mal betrachtet ]



Dabei darauf achten, das Rohr nicht mitzumessen :-D

Viele Grüße

Harald


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 Betreff des Beitrags: Re: Libelle für Maschinenwasserwaage
BeitragVerfasst: So 14. Jan 2018, 11:30 
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Hallo,

So einfach ist das also. Vielen Dank fürs zeigen! :thx:

Jetzt weiß ich, dass ich meine alten verranzten Wasserwaagen tunen kann, wenn ich möchte. An Glasröhren mangelt es in meiner Werkstatt nicht :-D

Harald F. hat geschrieben:
Beim Schneiden der Rohrstücke aufpassen: man sollte tatsächlich nur genau einen ganz kurzen Ritz machen und dann das Rohr beherzt durchbrechen.


Ich weiß nicht, ob das bei Glasröhren hilft, bei dicken Glasscheiben funktionierts jedenfalls hervorragend - wenn man den Riss vor dem Anritzen mit Petroleum bepinselt erhöht das die Kerbwirkung. Selbst 10mm Glasscheiben brechen dann schön winkelig.



Gruß
David


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 Betreff des Beitrags: Re: Libelle für Maschinenwasserwaage
BeitragVerfasst: So 14. Jan 2018, 11:46 
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Keilwinkel hat geschrieben:
Ich weiß nicht, ob das bei Glasröhren hilft, bei dicken Glasscheiben funktionierts jedenfalls hervorragend - wenn man den Riss vor dem Anritzen mit Petroleum bepinselt erhöht das die Kerbwirkung. Selbst 10mm Glasscheiben brechen dann schön winkelig.

Interessant und gut zu wissen -wie erklärt sich das?

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 Betreff des Beitrags: Re: Libelle für Maschinenwasserwaage
BeitragVerfasst: So 14. Jan 2018, 11:56 
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Ich dachte seither immer das sei nur als Schmiermittel für das Schneidrädchen gedacht.

Hans

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Bauberichte Thread #12691

Bevor ihr euch ärgert über meine Beiträge - freut euch lieber über die vielen die ich nicht geschrieben habe!


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 Betreff des Beitrags: Re: Libelle für Maschinenwasserwaage
BeitragVerfasst: So 14. Jan 2018, 14:13 
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HansD hat geschrieben:
Ich dachte seither immer das sei nur als Schmiermittel für das Schneidrädchen gedacht.

Hans


Ich schneide meine Glasscheiben (private Fensterrestauration) mit so einem Glasschneider (allerdings mind. 80 Jahre älter mit schwarzem Edelholzgriff und weißer Beineinlage :-D ). Auch hier arbeite ich mit Petroleum.
Angeblich soll es in den feinen Riss eindringen und ihn offen halten.
Ich habe hier eine wohl früher mal (aus Versehen) trocken geritzte Thermopenscheibe, die in den letzten Jahren nicht gebrochen ist, obwohl die Tür in der sie ist im Sturm schon mehrfach unsanft zugeschlagen ist. Eine mit Petroleum geritzte Scheibe hätte das nicht überstanden!
Habe so, also mit Petroleum) auch schon gebogene Schnitte für ein altes Metalldachfenster hinbekommen, trocken wäre die ganze Scheibe wohl unkontrolliert zersplittert.
Es gibt auch Glasschneider mit 'Tank'.

:hi: Philipp

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Das Gefährlichste ist das Leben als solches - und immer mit Todesfolge!


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