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 Betreff des Beitrags: Vakuumpumpe, Epoxidharzteile giessen, etc.
BeitragVerfasst: So 6. Aug 2017, 13:23 
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Hallo zusammen,

eigentlich wird bei meinem Projekt so gut wie nix zerspant. Trotzdem ist mein aktuelles Bastelprojekt vielleicht von Interesse für den ein oder anderen.

Ich bau' mir momentan eine kleine Anlage zum Evakuieren von Giessharzen. Hintergrund der ganzen Aktion ist, ich möchte einen Lenkstockschalter, welcher neu nicht mehr zu bekommen ist, und fragwürdige Nachfertigungen um die EUR 1.500 kosten, reparieren.

Das Problem ist, bei dem Alter reissen bzw. brechen die Kunststoffschaltteile an den Hebeln. Ich habe so ein Exemplar, welches damit anfängt. In dem momentanen Zustand könnte man noch das Teil in Silikon abformen und neu um den Hebel herumformen.

Hierum geht es:

Bild


Erste Versuche mit dem gewünschten Harz - ein hochfestes Epoxidharz mit Glasfasern verstärkt - zeigten das Problem von Luftblasen, die ich nicht rausbekomme. Da aber Luftblasen festigkeitsmindernd sind, will ich nun Evakuieren.

Als erstes brauchte ich eine Vakuumpumpe. Nach Recherchieren und Lesen all der Berichte über die billigen China-Kracher, die es z.B. bei ebay gibt, und den ganzen Problemen mit Lärm und Ölnebel hab' ich mir überlegt, mir ein Kühlschrankaggregat dafür herzunehmen.
Dann bin ich auf einen billigen Airbrush-Kompressor gestossen, welcher leicht reparaturbedürftig war.
Dachte ich, kauf' ich den. Kann man auch mal für mobile Druckluft gebrauchen, wenn's z.B. nur für die Airbrush sein soll oder spät abends, wenn man seinen Werkstattkompressor nicht mehr anwerfen will.

Das ist das Ding:

Bild

Vakuumanschlüsse mit Vakuum-Manometer an das Ansaugrohr gebastelt:

Bild

Bild


Wie man sieht, erreicht die Pumpe ca. -925mbar (oder 75mbar Restdruck). Damit kann man schon was anfangen. Und vor allem; das Vakuum bleibt auch nach Abschalten stundenlang stehen.

Hier der Grund, warum ich das Ding fast geschenkt bekommen habe. Der Anschluss an das Rilsal-Ventil war abgebrochen. Ein exotisches Teil, nicht mehr zu bekommen.
Habe aber noch eine Leitung von einem defekten, alten Druckschalter in meiner Pneumatik-/hydraulik Krabbelkiste gefunden, welche druckschalterseitig passte. Kesselseitig hab' ich mir einen Adapter mit G1/8"-Innengewinde und M5-Aussengewinde gefertigt.

Bild


Als Vakuumkammer hab' ich mir ausnahmsweise etwas Neues gekauft, weil mir der Selbstbau zu riskant vor kam. Einen 4,5ltr. Exsikkator mit Hahn:

Bild


Weitere Harzversuche zeigten nun, daß die Luftblasen zwar aufsteigen, aber nicht restlos zerplatzen.
Mit Vorheizen der Formen und auf die Werkbank klopfen des Exsikkators erreiche ich aber mittlerweile lupenreine transparente Versuchsteile. Die endgültigen Teile sind ja, wie man im ersten Foto sieht, schwarz. D.h.: ich kann sie nicht mehr auf Luftblasen kontrollieren. Deshalb muss mein Projekt prozessicher werden.
Den Exsikkator ständig auf die Werkbank zu klopfen, ist mir auf Dauer unsympathisch, auch wenn das Unterteil aus PP und das Oberteil aus PC gefertigt ist.

Dann bekam ich folgende Idee. Doch ein Unterteil selber bauen, und zwar mit Kabeldurchführung für einen Elektroanschluss im Innern für einen Rüttler.
Mittlerweile hab' ich einen billigen Profirüttler gefunden.
Nur leider passt der erstens nicht in das Unterteil des Exsikkators und zweitens würde ich, auch wenn er passen würde, keine Löcher in das Originalteil bohren.

Also hab' ich das da gebaut:

Bild


Das sind Teile aus dem Abwasserrohr-Bedarf. Überschiebemuffe und Muffenstopfen DN200.
Den Muffenstopfen als Boden musste ich verstärken, da er bereits ab -600mbar bedrohlich konkav wurde.
Habe ein Reststück Multiplex-Platte 30mm gefunden. Mit der Stichsäge grob ausgesägt und auf der Drehmaschine schön rund gedreht. Entlastungsbohrung in den Muffenstopfen, falls die Abdichtung zwischen Verstärkung und Stopfen doch mal undicht wird. Verklebt, verschraubt, funktioniert.
Die Abdichtung oben für die Vakuumglocke muss ich noch besser machen. Das ist bis jetzt nur eine quick and dirty-Lösung mit Moosgummi, zusätzlich dick mit Vaseline eingeschmiert. Dicht ist es. Aber schön ist anders.

Bei ersten Versuchen fand ich das da bemerkenswert. Es scheint alles dicht zu sein, ausser das Kabel. Es zieht tatsächlich Luft durch die Kabellitze rein. Sichtbar mache ich sowas mit meinem Lecksuchspray für mein Druckluftnetz.
Ich werde versuchen, dies mit Harzverguss der Steckerinneren zu eliminieren. Ach ja, Stecker. Auf das Kabelende im Innern kommt eine Kaltgerätebuchse. An den Rüttler ein Kaltgerätestecker. Das sollte man nicht andersrum machen, sonst hat man berührbare, spannungsführende Teile fabriziert.

Bild


So weit dieses Projekt. Werde weitermachen, wenn ich den Rüttler habe. Der Verkäufer hat mir vorab die Abmessungen mitgeteilt. Nur leider lahmt der Hermes-Versand.

Wie gesagt; vielleicht interessiert es den ein oder anderen. Für Tips, falls ich etwas übersehe wäre ich natürlich dankbar.

Viele Grüße
Martin


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 Betreff des Beitrags: Re: Vakuumpumpe, Epoxidharzteile giessen, etc.
BeitragVerfasst: So 6. Aug 2017, 13:31 
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Hallo Martin, super interessant, bitte weiterberichten!!!

Hast Du schon Bilder von den ersten Versuchsteilen?

_________________
LG, Tom

Ein wenig Rhythmuswechsel gefällig?


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 Betreff des Beitrags: Re: Vakuumpumpe, Epoxidharzteile giessen, etc.
BeitragVerfasst: So 6. Aug 2017, 13:34 
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Wäre für sowas eine 3D Drucker nicht eine alternative? Sonst aber interessanter Bericht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Vakuumpumpe, Epoxidharzteile giessen, etc.
BeitragVerfasst: So 6. Aug 2017, 13:38 
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moto-x hat geschrieben:
Hallo Martin, super interessant, bitte weiterberichten!!!

Hast Du schon Bilder von den ersten Versuchsteilen?


Die Versuchsteile stammen aus dem Bereich Automodellbau. Da hab' ich mir ein worst case scenario herausgesucht. Das Reproduzieren einer kleinen Formel1-Windschutzscheibe im Maßstab 1:12. Ich dachte mir, wenn die Probleme mit Dünnwandigkeit und einwandfreier Transparenz ohne Luft schaffe, dann hab' ich's.
Fotos versuche ich mal zu machen.

Viele Grüße
Martin


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 Betreff des Beitrags: Re: Vakuumpumpe, Epoxidharzteile giessen, etc.
BeitragVerfasst: So 6. Aug 2017, 13:46 
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ezio_auditore hat geschrieben:
Wäre für sowas eine 3D Drucker nicht eine alternative? Sonst aber interessanter Bericht.


Ich denke nicht. Aus folgenden Gründen:

Das Teil muss um den eigentlichen Metallhebel drumrumgeformt werden. D.h.: der Metallhebel muss am Ende in einer definierten Position in der Silikonform liegen.
D.h., man müßte im 3D-Druck das Teil um den Metallhebel 'drum rum drucken'. Ich verdiene meine Brötchen mit 3D-CAD, aber hier sähe ich mich an meinen Grenzen angelangt. Bzw. sähe ich einen nicht mehr vertretbaren Aufwand.

Zweiter Grund. Die Festigkeiten, welches mein gewähltes Epoxidharz erreicht, werden von den 3D-Druckmaterialien bei weitem nicht erreicht. Zumindest nicht von denen, die preislich vertretbar wären.
FDM käme nicht in Frage. Zuviel Nacharbeit und zu geringe Wärmeformbeständigkeit der Teile.

Und bei SLS wären die Festigkeiten ebenfalls unzureichend. Neben dem Naheliegenden wie Zug- und Biegefestigkeit ist mir auch die Wärmeformbeständigkeit ausserordentlich wichtig. 80°C sind zu wenig.
Mein Harz erreicht nach Tempern 120°C. Das sollte es schon sein bei schwarzen Kunststoffteilen, die im Autoinnenraum der Sonne ausgesetzt sein können.

Viele Grüße
Martin


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 Betreff des Beitrags: Re: Vakuumpumpe, Epoxidharzteile giessen, etc.
BeitragVerfasst: So 6. Aug 2017, 15:24 
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Hallo Martin

Schönes Projekt!

Ich habe mich beruflich mit der Abdichtung von Kabelbäumen beschäftigt.
Allerdings bezüglich Flüssigkeiten.
Kurz gesagt ist es sehr schwer bis nicht mit vertretbarem Aufwand umzusetzen.

Ich würde die Litze Leitungen gegen massive tauschen und die Isolierung in der Durchführung entfernen.
Dann die Leitungen quasi nackt mit Harz oder Dichtmittel in der Bohrung vergießen.
Natürlich mit Abstand zueinander :-D

Minimale luftlecks werden wohl tolerierbar sein?

Gruß Mark


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 Betreff des Beitrags: Re: Vakuumpumpe, Epoxidharzteile giessen, etc.
BeitragVerfasst: So 6. Aug 2017, 16:11 
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Cooles Projekt, bleibe gespannt :-)

Ich würde auf jeden Fall noch mit Entlüfter arbeiten. Zusammen mit dem Unterdruck, dürftest Du die Luftblasen sauber raus bringen: http://www.ebay.de/itm/20ml-Systementlu ... 1395700103

_________________
Gruess
Remo


-------
Bernardo KF 20 L Super / Bernardo 550 WQV / Einhell 801 E / ELB SW3 HA / Stahlwerk Puls 200 Plasma


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 Betreff des Beitrags: Re: Vakuumpumpe, Epoxidharzteile giessen, etc.
BeitragVerfasst: So 6. Aug 2017, 18:44 
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Martin308 hat geschrieben:
Problem von Luftblasen


Diesen Aufwand mit evakuieren hättest du dir vermutlich ersparen können. Für Epoxy gibt es "Entlüfter" zum beimischen.

Ein kurzes Zitat aus so langen Beiträgen zu extrahieren ist echt mühsam.

_________________
A..hoi

Scheiß auf CNC


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 Betreff des Beitrags: Re: Vakuumpumpe, Epoxidharzteile giessen, etc.
BeitragVerfasst: So 6. Aug 2017, 19:19 
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Habt Ihr beiden, die Ihr Systementlüfter empfiehlt, konkrete Erfahrung damit?
Ich habe kontroverse Meinungen im Netz darüber gefunden, aber trotzdem ein kleines Fläschle gekauft.
Ergebnis war: Zumindest bei dem Harz, was ich verwenden will, bringt der Entlüfter wenig bis gar nichts.
Zum zweiten teilte mir der Hersteller mit, daß die Beimischung des Entlüfters die Wärmeformbeständigkeit nach dem Tempern herabsetzt.
Wäre das nicht, würde ich es evtl. als Ergänzung, wie von pumok vorgeschlagen, verwenden.
Aber das 'Evakuieren sparen'. Davon kann keine Rede sein.
Mir scheint, es ist nicht das Wundermittel, für welches es viele halten.
Wo es nach meinen Erfahrungen ein wenig was bringt, ist bei Polyurethan-Harzen mit so kurzer Topfzeit, daß Evakuieren und Rütteln aus Zeitgründen ausscheidet. Mein Epoxy hat 90Min. Topfzeit. Da gehe ich lieber den physikalischen Weg.

Mark_m;
Danke für die Idee mit der Kabeldurchführung. Wenn es mit dem Vergießen der Gerätekupplung nicht funktioniert, gehe ich Deinen Weg. Weil ich hab' jetzt halt leider schon das Loch 'ums Eck' für das ganze Kabel drin.

Viele Grüße
Martin


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 Betreff des Beitrags: Re: Vakuumpumpe, Epoxidharzteile giessen, etc.
BeitragVerfasst: So 6. Aug 2017, 20:42 
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Sorry wenn ich so aus der Seite reinschneie, aber warum arbeitest du nicht mit Silikonformen und vergiesst schwarz eingefärbtes Resin?

Mache ich immer bei alten Mopedlichtschalter oder Gummiteile

Schau mal hier


Gruß
Kalle

_________________
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Fräse: Sieg Super X3 mit SK30; Drehbank: RC-Maschine RC6125WLPx750; Stossmaschine: Gack HE20; Schweissgeräte: Stahlwerk WIG TIG AC/DC 200 PULS


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